Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 02.11.2021 Vulkanausbruch

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Vulkantagebuch



02.11.2021 Tag fünfundvierzig der Eruption


Dienstag 02.11.2021 El Paso 07:00 Uhr

"D-Day" in Puerto Naos?
Nebenschauplätze


Das Leben ist kein Nebenschauplatz. - Endlich konnte ich mal wieder solch einen Spruch wenigstens ein bisschen passend platzieren. - 24 Stunden ohne Asche auf dem Haupt, auch nicht schlecht. Ob das heute so bleibt, das wissen wir nicht, aber zumindest gestern kam der falsche Wind mal aus der richtigen Richtung. - Für uns hier im Aridanetal, für den Flughafen und die Ostseite nicht, aber vielleicht dreht sich das heute wieder und wir stehen erneut im Regen. - Im Ascheregen versteht sich und immer noch hoffe ich inständig, wir werden mit den Dächern fertig, bevor der echte Regen kommt. - Besser wäre natürlich, wir wären mit dem Vulkan fertig, oder der mit uns, aber nachdem wir gestern wieder ein 0:4 einstecken mussten, gedulden wir uns noch ein bisschen. - Aus der Ferne können wir zwar glühende Lava erkennen, aber wo genau die fließt, das erschließt sich uns nicht und ob bereits die LP211 von der neuen Lavazunge im Süden erwischt wurde, ebenso wenig. - Die Straße ist aber so wichtig, weil mit der die Zufahrt nach Puerto Naos zusammenhängt und dort haben viele Leute noch Dinge zu retten und besonders eben die vielen Bananenplantagen zu versorgen. - Es gibt zwar noch einen weiteren Weg, von Las Manchas de Abajo durch den Barranco Tamanca über den "Camino los Picachos" bis zum Tennisplatz und dann weiter runter, aber der Weg ist sehr schmal und für LKW nicht oder nur unter Risiko zu befahren. - Ein echter Materialaustausch und Transport ist über den Weg kaum möglich. - Nun meldet sich die "Armada" zu Wort und von dort könnte man sich durchaus vorstellen mit speziellen Schiffen, man spricht die "Tornado" an und von diesem BAM (Buque de Acción Marítima) würde man kleine Landungsboote nach Puerto Naos schicken. - Allerdings ändert das auch wieder nicht das Problem der Fracht, welche nach Puerto Naos soll und noch mehr, wie kommen die Bananen von dort aus hoch? - Aber immerhin, die Soldaten sind in fast allen Aktionen hier auf der Insel mit eingebunden und nicht nur in den Sozialen Netzwerken wird der Wunsch auf noch mehr Soldaten täglich lauter. - Gestern, zu Allerheiligen, flog auch ein Hubschrauber des spanischen Heeres über vom Vulkan betroffene Gebiete und hat dort Blumen abgeworfen. - Man mag über Symbolik denken wie man will, aber wenn unsere Gesellschaft inzwischen so weit ist und Blumen aus fliegendem Militärgerät abwirft, dann sind wir echt schon ein ganzes Stück weiter gekommen. - Das meine ich ausnahmsweise mal ernst.

Die Unmengen Asche müssen nicht nur von den Dächern sondern auch von den Straßen. - Viele Freiwillige von anderen Inseln, welche samt ihres Gerätes aus Gemeinden Tenerifes und Gran Canarias geschickt wurden, sind bereits wieder zurück auf ihre Inseln. Inzwischen sechs Wochen Vulkanfreiwilligendienst auf einer anderen Kanareninsel, ist für die meisten zu viel und nicht machbar. - Auch brauchen die ihre Maschinen dort ebenso und so klafft im Moment eine deutliche Lücke in Sachen Ascheräumen von den Straßen. - Ein aufmerksamer Leser meiner kleinen Kolumne machte den Vorschlag, gleich jedem Gast, der im Moment auf die Insel kommt, Besen und Kehrschaufel in die Hand zu drücken und abreisen darf er erst wieder, wenn diese Hightec-Lowtec-Gerätschaft ausreichend Gebrauchsspuren aufweist. - Weiter Ärger am virtuellen Stammtisch macht die Aktion mit den Gratis-Shuttlebussen am Wochenende für anreisende Vulkantouristen. - Wir müssen zahlen für den Bus und die nicht? - Dann rät man uns, also den Bewohnern der Zone Tajuya an, im Hause zu bleiben, wegen der schlechten Luft und gleichzeitig karrt man Gäste mit organisiertem Bustransfer zur Kirche. - Was soll das, fragt nicht nur einer laut und in der Tat, das war eine unglückliche Situation dort am Wochenende. - Auch heißt es ja immer, die Gäste bringen Geld in die Region, aber bei uns ist im Moment so gut wie überhaupt kein Restaurant offen, dort an der Kirche von Tajuya kann man auch kein Geld ausgeben, also was soll die ganze Kiste?

Ein Problem hat sich allerdings schon geregelt. Ryanair verschiebt seinen Premierenflug nach La Palma zunächst auf Januar, nachdem es eigentlich jetzt losgehen sollte. - Immerhin, die haben nicht gleich ganz abgesagt, und wenn erst das richtige Vulkangeschäft los geht, also nach der Katastrophe, dann sind uns alle Gäste herzlich willkommen. Mit oder ohne Besen in der Hand. - Aber bitte nicht nur ein Wochenende, nicht nur weil sonst Greta sauer wird, sondern sonst hat die Insel nichts davon. - Und bitte, ich wiederhole mich: Buchen Sie direkt hier auf der Insel: Schenken Sie nicht 20% ihres Budgets für Mietwagen und Unterkunft internationalen Datenmaklern wie Booking oder AirB&B, sondern stärken damit die Unternehmen vor Ort, die nach Covid, Feuer und Vulkan auf kein einziges Prozent mehr verzichten können. - Global denken, lokal buchen, das hatten wir doch schon mal und wenn aus Militärhubschraubern Blumen fallen, da kann doch nichts mehr schief gehen.




Es fällt immer wieder auf, dass im Norden der Insel, meist in Puntagorda, schlechtere Luft als im Aridanetal herrscht oder herrschen soll
Cabildo Insular




Hier der Vergleich
Cabildo Insular




Weiter ist mir noch aufgefallen, dass zwischen Los Llanos und Dos Pinos doch nicht einmal zwei Kilometer liegen, aber je nachdem wo man guckt, dann doch brutale Unterschiede in der Einschätzung der Gefährdungslage hier bei den PM10 liegen. Für diese Grafik konnte ich allerdings keinen Zeitstempel entdecken
Cabildo Insular




Mal wieder ein Bild vom Vulkan, der zwar immer noch in einem Qualmschleier steckt aber zumindest erkennen lässt, dass es einen Schlot für Gase gibt und deutlich darunter den Auslass für Lava Richtung Westen





Dienstag 02.11.2021 El Paso 17:00 Uhr

Die Lava wird langsam langsamer
Bessere Luft im Tal auf Kosten des Flughafen


Die guten Nachrichten lauten: Las Norias bleibt im Rennen um ein weiteres Wunder und die, bislang schnellste Lavazunge, welche gestern den südlichen Teil des Camino Aniceto verwüstet hat, kommt kaum noch voran. - Das bedeutet auch, dass die Straße LP211 noch nicht verschüttet ist und man weiter über diese Straßen den Notverkehr nach Puerto Naos führen kann. - Allerdings kann sich das jeden Moment ändern, denn die Lavaflüsse dort im Süden sind "voll geladen" mit heißem Gestein. - Es verwundert immer wieder, wie ab dem Schlot an der Westflanke des Kraters die Lava zieht. - Vieles davon verschwindet in den Untergrund und läuft in vulkanischen Röhren hinab bis zum Meer, und andere Flüsse legen sich auf oder neben die bislang bereits abgedeckten Regionen. - Lava auf Lava oder direkt bis zum Meer, das wäre so der Wunsch, dann ist die Zerstörung am geringsten. - Allerdings besteht eben die Tendenz, besonders bei flachem Gelände oder zunehmender Viskosität der Lava, in die Breite zu gehen und das können dann die entscheidenden Meter zur Verwüstung darstellen. - Alles spielt sich in Sachen Lavafluss im Moment im Süden ab, La Laguna träumt weiter vom anhaltenden Wunder und in der Tat, man kann tagsüber inzwischen auch nicht mehr so viele Fumarolen von der bereits oberflächlich erstarrten Lava ausmachen. Aber immer Vorsicht, der Vulkan hat kein stabiles Haus gebaut, sondern hurtig einen, inzwischen knapp über 200 Meter hohen Kegel hingerotzt, der jeden Moment wieder einstürzen kann und den Ausgang für die Lava wieder in eine andere Richtung schieben. Auffällig heute am Vulkan: Explosionsartige Entgasungen mit vielen Ruhephasen dazwischen, strenggläubige Optimisten wie ich, glauben dann immer schon an eine Alterserscheinung des Unaussprechbaren, als bekäme er keine rechte Luft mehr.

Nur für uns, also das Aridanetal gut: Der Wind bläst den allermeisten Mist in den Osten und Nordosten. - Das bedeutet, die Luft ist wieder besser geworden im Tal und auch heute blieb der Ascheregen bei uns zumindest aus. - Die Sonne kommt jetzt am Nachmittag sogar durch und Momente meint man, es kann doch auch alles so viel schöner sein als in den letzten Tagen. - Mit viel Glück erreichen wir so den Donnerstag mit seinem Versprechen auf Passat und können weiter ohne Maske an die Mammutaufgabe des Ascheschiebens gehen. - Unser Bürgermeister Sergio Rodríguez hat erneut die Hilfe des Militärs gefordert und mehr Mittel auch für hiesige Firmen, welche sich dann auch am Abarbeiten der "Mission Asche" beteiligen können. - Er möchte ungerne die Spendenmittel für Löhne an Fremdfirmen ausgeben, die irgendwann die Asche von den Straßen räumen. Was nicht Hauptstraße ist, das liegt weiter unter einer dicken Schicht Asche und wenn es wirklich ab Donnerstag Passat gibt, denn droht uns ein staubiges Hochgefühl, wenn die "Brisa" den ganzen Staub dann im Tal verteilt. - Immer noch besser aber als die vergangenen Tage. - Das war in der Tat apokalyptisch, dieser verdunkelte Himmel, der unscharfe Fernblick, weil eben so viel Staub den Blick verschleiert und die Sonne erkannte man lediglich abends kurz als roten Ball durch den Qualm. - Dazu der Gestank und das dumpfe Grollen des Vulkans, so muss atomarer Winter auch aussehen und mein Garten erstů 1:3 verlieren wir die heutige Partie und unser Trumpf ist dieses Mal der Tremor und die pfiffige Variante davon, die gemittelte Tremor Amplitude. Seit Mittag, also ziemlich genau 12:00 Uhr sinkt der Tremor stark ab, auf die halbe Kraft vielleicht. - So gehen wir auch davon aus, dass nun deutlich weniger Lava aus dem Schlund des Vulkans kommt und so vielleicht Las Norias noch größere Chancen bekommt. - Ob dieser Wechsel nachhaltig ist, woher soll ich das wissen? - Deformation gleich, SO2-Ausstoß moderater Anstieg, CO2 ebenso, Beben etwa gleich viele ohne Wechsel der Magnituden und Epizentren. - Also ein verdientes 1:3 in unserer Situation schon mehr, als wir erhoffen konnten.




Die Bodendeformation bleibt fast gleich
Quelle: IGN
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Der Tremor verändert seine Stärke signifikant, das erste Mal seit langem
Quelle: IGN




Die gemittelte Tremor-Amplitude drückt diesen Umstand so aus
Quelle: IGN








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