Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 27.10.2021 Vulkanausbruch

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Vulkantagebuch



27.10.2021 Tag neununddreißig der Eruption


Mittwoch 27.10.2021 El Paso 07:00 Uhr

Eine sehr unruhige Nacht
Beben, Explosionen, Wummern, Türen schlagen und Kuhscheiß-Schlacken


Gestern fanden wir es noch komisch. - Daten verkünden Akkordarbeit einer Höllenmaschine und der Vulkan blubbert nur vor sich hin. - Heute fehlen uns ein paar Stunden Schlaf, weil uns der, dessen Namen man nicht nennen soll, nicht zur Ruhe kommen ließ. - Gegen Abend schon konnte man wunderbar beobachten, wie Stück für Stück die Zacken aus der Kraterkrone gebrochen sind. - Es dauerte dann jedes Mal 15 bis 45 Minuten, bis die einzige Gasfahne wieder richtig arbeiten konnte, schneller befreite die sich nicht vom eigenen Unrat, der in den Schlot gefallen ist. - An gleicher Stelle tritt auch die Lava aus, welche sich dann in einem, nach Südwesten führenden Kanal, Richtung Cogote ergießt. - Wir hatten immer Bedenken, dieser Kanal würde sich auch schließen, von den eigenen Kratertrümmern verdeckt, aber bislang hält dieser Ausgang und ist wohl mit dafür verantwortlich, dass der nördliche Teil La Lagunas noch steht. - Erst gegen frühen Morgen fing der südöstlich gelegene Nebenkrater, den wir Robin getauft haben, an mit in das Gasgeschäft einzugreifen und das scheint die Lage ein bisschen beruhigt zu haben. - Man spürt, es kommt von "hinten" mehr an, als "vorne" raus kann und so konnten wir auch minutenlang wieder den Tremor unter unseren Hintern spüren. - Das geht am besten liegend im Bett, dann spürt man das Wummern im ganzen Körper. - Das kannten wir bereits aus der ersten Woche, als die Aktivität ungleich verstörender war, als in den Wochen danach, Gestern brachte Teile dieser Erinnerung zurück. - Noch hat sich der einzige Schlot aus der Kraterfalle auch nicht befreit. - Tief im Krater, von 270 Grad selbst gezimmerten Wänden umgeben und immer wieder stürzen diese Teile der Kraterwand nach und nach ein und ich fürchte mal, wir werden noch den ganzen Tag mit Explosionen, abgewechselt von riesigen Gasauswürfen, erleben dürfen. - Die Presse berichtet von bis zu 600 Meter hohen Gasfahnen mit glühendem Material, ich ziehe da ein bisschen bis ein Drittel ab, das reicht auch immer noch, einen Höhenrekord an Bombenhochwurf dieser vulkanischen Episode zu vermelden. - Dr. Andreas Klügel greift hier wieder ins Geschehen ein, orientiert und korrigiert uns mit nüchternem Abstand ein bisschen.

Ja, euer Olaf... da hätte ich ja wirklich noch etwas bleiben können, das scheint ja wieder richtig spektakulär zu sein. Die im Blog erwähnte Deformation von 17 cm an einem Tag ist ja fast schon zu krass, um wahr zu sein. Entweder ist das wirklich ein Messfehler (was sich in den nächsten Tagen ja zeigen wird), oder es gab eine recht flache Intrusion, die LP03 mal so eben hochgehoben hat. Das kann, muss aber nicht unbedingt etwas mit einem verstopften Schlot zu tun haben. Ich weiß es nicht genau, bin aber ein bisschen am Zweifeln, inwieweit kollabiertes Kratermaterial einen Schlot wirklich verschließen kann. Das Magma aus der Tiefe hat so einen Druck und so eine Geschwindigkeit, wenn es Bomben bis 400 m hoch schleudern kann - da sollte kollabiertes Material schnell weggepustet werden. Wenn das Magma denn rauskommt. Möglich sind ja auch Blockaden in der Tiefe, die nicht zwingend etwas mit dem kollabierten Schlot zu tun haben, aber wer weiß...

Kleiner Punkt: Du schriebst "Viel zu schnell in die Höhe gebaut und es handelt sich halt auch nicht um solides Material, sondern um aufgehäufte Asche und Basaltbrocken" - OK, Asche werden wir dort kaum finden, denn die steigt auf bzw. wird weggeblasen. Lose Basaltbrocken kommen vor, aber bei Olaf vielleicht eher an den Hängen außerhalb des Kraters. Bei einer derart intensiven strombolianischen Tätigkeit besteht das Material am Kraterrand mit Sicherheit aus Schweißschlacken - das hat nichts mit schwitzen zu tun, sondern sind Bomben, die noch nahezu flüssig auf den Boden aufschlagen und dabei geplättet werden und am Untergrund festkleben. Auf Englisch heißt das auch "cow dung scoria", also Kuhscheiß-Schlacken. Die nächste Bombe macht das gleiche, so dass man mit der Zeit einen steilen aber ziemlich verbackenen Kraterrand erhält. Das sieht man z.B. am Teneguia: die nahezu senkrechte Wand, an der man sich auf dem Weg zum Gipfel vorbeiquetschen muss. Aber aufgrund der Steilheit und der Bewegungen / Explosionen am Krater ist eine solche Wand auch instabil und kann schnell zusammenkrachen, wie bei Olaf öfters geschehen und beobachtet.


Die Lava kommt aber allem Anscheinen nicht weit. - Bis kurz unterhalb des Cogote, welchen die Lava nördlich passiert, können wir die Glut verfolgen. - Dann bleibt sie stehen, oder was wahrscheinlicher ist, fließt in unterirdischen Lavatuben weiter im 6 Kilometer langen und bereits 3 Kilometer breiten Strom, der schon so viel dicht besiedelte und wirtschaftlich intensiv genutzte Zone überdeckt hat. - Ob davon auch was wieder an der "nördlichen Front" landet, also weiter den festgefahrenen Lavastrom in La Laguna anschiebt, das wissen wir natürlich nicht. - Viel Krach für wenig Landgewinn, wenn man das aus Sicht des Vulkans betrachtet, aber wir trauen dem Frieden nicht und fürchten weiter die viele Lava, welche sich noch flüssig unter dem mächtigen, oberflächlich bereits erstarrten Lavastrom befindet. - Vier große "Finger" strecken sich nach Westen hin aus, aber nur einer hat bislang den Atlantik erreicht, auch ein kleines, wenn auch wertfreies Wunder, denn uns wäre eigentlich viel lieber gewesen, die Lava wäre schnell und ohne viel Breite einfach ins Meer, die Fische erschrecken statt uns.

Ob man es nun wissenschaftliches Interesse oder aber Katastrophentourismus nennt, da will ich mich nicht festlegen. - Es ist bereits das zweite Kreuzfahrtschiff innerhalb einer Woche, welches, anstatt direkt von Santa Cruz de La Palma zum nächsten Kanarenhafen zu schippern, den selten genutzten Umweg über die Westseite nimmt. - Zunächst war es die "Borealis" der Olsen-Reederei, jetzt die Mein Schiff 2, welche ihren Gästen an Bord ein nicht wirklich häufig zu beobachtendes Spektakel bietet. - Eine dreiviertel Stunde Vorbeifahrt an der Westseite La Palma ist besser, als Silvesterfeuerwerk in Rio. Wenn man dann noch weiß, das ist echt, das ist nicht aus der Showbühne, dann macht das doch gleich noch sehr viel mehr Spaß. - Mich begleiten da gemischte Gefühle. Der Vulkanausbruch hier vernichtet Hunderte an wirtschaftlichen Existenzen, zermalmt Tausende an Häusern und versetzt die, an die 35.000 Menschen im Aridanetal ein ums andere Mal in derbe Furcht und schlimme Ängste. - OK, da kann keiner auf dem Schiff was dafür, und wenn man zufällig vorbei kommt, dann werden die wenigsten die Kamera in der Hosentasche stecken lassen. - Wenn man aber auf der Autobahn an einem Unfall vorbei kommt und das mit der Kamera festhält, dann bewirft man diese Leute mit derben Bezeichnungen und Vorwürfen. - So weit will ich nicht gehen, aber vielleicht könnten doch all diese Menschen, die gestern Abend das Spektakel La Palma Westseite schaurig genossen haben, sich doch folgende Spendenkonten notieren um das wissenschaftliche Interesse doch vor dem Katastrophentourismus zu erhärten. - Vielen Dank!


Spendenkonten können Sie HIER einsehen




Besser habe ich es nicht hinbekommen, die hatten halt ihre Lichter gedimmt, damit man uns besser glühen sehen kann




Der Tremor bemüht sich die Anzeige komplett zu füllen. - In der ersten Woche der Eruption hat er das noch geschafft
Quelle: IGN



Anzahl und Magnituden der Beben unter La Palma seit Beginn der "Krise"
Quelle: IGN



Recher Hand, also hier Richtung Westen kann man sehr gut die Ablaufrinne der Lava erkennen




Spektakel, aus sicherer Enfernung ja, wer nah ist, sieht das anders




Auf dem Bild von Herbert Schaar heute Morgen kann man gut erkennen, wie eingebaut der Schlot ist und wie hoch die Wände drum herum. Auf der linken Seite feuert Robin, um dem Hauptkrater Luft zu verschaffen





Mittwoch 27.10.2021 El Paso 18:00 Uhr

Ruhe vor, während oder nach dem Sturm?
Auf der Suche nach den Null-Koordinaten


Wäre der Vulkan nicht ausgebrochen, würden wir uns jetzt beklagen, dass die ersten Niederschläge noch nicht gekommen sind. - 18 Corona-Tote auf La Palma, wie ordnet man diese hohe Zahl ein? - Die Preise für Benzin und Diesel liegen weiterhin auf der Insel an die 20 Cent über denen auf Gran Canaria und Tenerife. - Alles komplette Nebenschauplätze, wer jetzt über so etwas schreibt, der verliert Aufmerksamkeit. - Ein bisschen gehen uns dabei die Koordinaten fliegen, die Null sitzt plötzlich anderswo als sonst und die Gewichte haben sich verschoben. - Darüber hinaus die große Generalprokrastination. Wir kennen das von Weihnachten oder dem Sommerloch, wir verschieben viele Dinge auf "Nach Karneval" oder "Nach den Feiertagen". - Jetzt schiebt sich alles nach hinten, weit nach hinten, auf einen unbestimmten Zeitraum irgendwann Mitte oder Ende November. - Zeitpunkt ist ja noch nicht auszumachen, keiner der Ahnenden und Wissenden wagt solche Prognosen. Eigentlich bin ich ja Spezialist für Alltag, also so beschissenen Kleinkram und Nebensächlichkeiten, welche das tägliche Leben ausmachen, aber zwischen Beben-Ratespiel, Aschefegen und schlaues Zeug über dumme Vulkane schreiben, findet Alltag nur noch unbewusst statt. - Das machen wir alles, wenn der Vulkan erst aus ist. - Schon habe ich ein bisschen Angst vor dem Tag oder der Woche, wenn wir beschließen, die Sache ist vorbei, denn meine To do Liste muss inzwischen von einer Sackkarre bewegt werden. Dabei war ich noch damit beschäftigt, die Konsequenzen aus dem Feuer im August abzuarbeiten und habe das noch nicht einmal halb geschafft und neulich, als ich die Steuerabrechnung machen musste, fühlte ich mich wie in einer parallelen Welt. - Auf einer Skala von Null bis Zwanzig: Wie fühlen Sie sich heute? - Was und wo ist Null, ist Zwanzig gut oder schlecht, oder wäre Zehn anzustreben? - Ist Null dort, wo der Vulkan ist oder fängt man bei Null wieder an, wenn der Vulkan aus ist? - Am Wochenende geht es mir sicher wieder besser, da kann ich mir den Therapiebesen wieder schnappen, denn das Wetter wird wohl nicht halten. - Jetzt hilft immer ganz gut, den Kompost wenden, die Asche mit Wasser von den Kiwis spritzen, Fotos mit anderen Faltigen aus Tacande austauschen und wenn ich doch nur einmal das Magnituden-Ratespiel gegen meine Frau gewinnen würde.

Ich hatte jetzt genügend Zeit mir zu überlegen, wie ich denn heute ein 1:3 im Heimspiel gegen den Vulkan hinbekomme. - Von den Beben her klappt das nicht, wir hatten wieder mehr und das in den tieferen Zonen als auch rund um 12 Kilometer. - SO2 und CO2 können wir auch nicht auf unserer Seite verbuchen und dann waren da ja noch die 17 Zentimeter von gestern. Deformation meinten wir, an der LP03 und es gab doch gewisse Hoffnung, das könnte ein Messfehler gewesen sein. - War es wohl nicht, heute gibt die Station wieder einen tieferen Wert an, also eigentlich besseren, aber dennoch liegt auch dieser neue Wert noch immer 7 Zentimeter über vorgestern. - Damit steht es 0:3 und dann verbuchen wir doch noch den Ehrentreffer in Sachen zweier Zacken auf der gemittelten Tremor-Amplitude nach unten. - In der Tat war der Vulkan heute stellenweise sehr ruhig, daher wohl die beiden Ausschläge nach unten, welche uns das heutige definitive 1:3 bescheren. - Im wesentlichen hat sich am Krater selbst nichts geändert. - Es gab erneut ein paar kosmetische Korrekturen, am Nordrand fehlt wieder ein Stück mehr und man kann dem Undrachen besser ins Maul gucken. - Dort schmeißt der letzte Schlot im alten Krater Lava und Gase aus einem Topf und dahinter, also weiter im Südosten, da fauchen zwei weitere Schlote, Robin und Robinillo schwarzen Rauch in den Himmel. - An den weißen Qualmfahnen bergab können wir erkennen, dass Robin wohl auch weiterhin Lava nach Südosten ausspeit. - Auf dem Lavastrom selbst scheint es nur im oberen Bereich, also etwa bis Cogote noch Bewegung zu geben, weiter unten zeigen auch die Karten keine neuen, von der Lava eingenommenen Plätze. - Ein bisschen unheimlich ist das nun schon, da fließt Lava in Strömen und seit nunmehr drei Tagen ist der "Landgewinn" des Vulkans marginal. - Auch weil unsere Null eben verrutscht ist. - Jetzt ist ein zerstörtes Haus marginaler Schaden, vor 2 Monaten wäre das noch Nachricht genug für eine Woche. - Ich will meine Null zurück, kann doch nicht so viel kostenů




17 Zentimeter nach oben gestern, heute wieder 10 zurück
Quelle: IGN




Inzwischen gibt es diese Grafik auch als Wochenansicht, dazu hat man sich seitens des IGN entschieden, nachdem der Vulkan wohl Sitzfleisch bewiesen hat. - Die beiden Zacken nach unten, das ist unser Anschlusstreffer
Quelle: IGN




Mittags aus Südwest




Abends aus Nordwest
Quelle: Herbert Schaar






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