Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 16.11.2021 Vulkanausbruch

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Vulkantagebuch



16.11.2021 Tag neunundfünfzig der Eruption


Dienstag 16.11.2021 El Paso 07:00 Uhr

Fange ich unten an oder oben?
Wie ich mir mein Privatiersleben nicht vorgestellt habe


Über Nacht ist kaum Asche gefallen, vielleicht auch, weil der Vulkan irgendwann sehr früh am Morgen wieder angefangen hat, pyroklastisches Material auszuwerfen. - Oder die Asche ist anderswo gefallen und da darf ich mal ganz kurz einen, uns allen bekannten Herren aus Tacande zitieren: "Lieber Mathias! Das Monster ist ein Arschloch. Jetzt rieche ich´s." - Zum Geruch kommen wir später noch und bei allem Frust um das dauernde Aschefegen, wer das machen muss, der ist privilegiert im Aridanetal, denn er hat noch ein Dach! - Nur um eventuellem Mitleid vorzubeugen, oder dem Vorwurf des Selbstmitleides, es geht uns gut. - Vielleicht ist das ja auch so ein bisschen der Feind von außen, der dann die inneren sozialen Kräfte bündelt oder stärkt. - Der Vulkan als Schreckensbild, der Novemberhitler, der meinetwegen Kuhkopfstalin und wir sind die Guten und haben sogar noch den, den man zwar nennen darf, aber nicht immer darstellen, also Gott auf unserer Seite. - Bringen Sie doch mal solche Sätze um 06:00 Uhr fehlerfrei über die Tastatur und das schaffe ich nur, weil ich mich noch an der morgendlichen Kolumne festhalte, um nicht bereits fegen zu müssen. - Es ist wieder Staub gefallen, noch feiner als Sand und das geht mit der Puste des Laubbläsers wunderbar weg. Oder besser einfach nur in die Luft und legt sich dann hinter dem Pustenden wieder, meist besser verteilt. - Mit dem Besen macht das auch Wirbel, aber weniger und nach ein paar Wochen im Umgang mit Vulkanasche kennt man seinen Besen und die notwendigen Schwungbewegungen gut genug, um effektiv und wenig staubend zu arbeiten. - Noch ist der Auftrag der Asche auf den Dächern dünn genug, um das mit Wasser weg zu machen, ohne vorher gefegt zu haben. Dabei macht man dann aber unter den Dächern wieder eine riesige Sauerei, die man erst Tage später ganz wegmachen kann, weil man die nasse Asche nur abkratzen, aber weder fegen noch pusten kann. - Mit so einem Mist beschäftig man sich eben, wenn man eigentlich Kompost und linksgedödeltes Biogemüse den Tag über fabrizieren wollte und den Rest des Tages der Frau dabei zusehen, wie sie aus den schrulligen Deputaten kulinarische Leckerbissen zaubert. - Erst Covid, danach das Feuer, nun der Vulkan, dann die FDP. - Zusammengezählt macht das vier Plagen, kommen dann noch deren drei, um uns für größere Aufgaben gefügig zu machen?

Der Krater war ruhig die Nacht, erst gegen frühen Morgen gab es ein paar Episoden mit Gasfahne und ausgeworfenen Gestein in glühendem Zustand. - Die meiste Zeit über sah man vom Krater lediglich den, immer noch einzigen Lavaschlot, welcher das Zeug weiter Richtung Westen die Flanke hinab schickt. - Am Verteiler unten muss es allerdings eine Obstruktion gegeben haben, denn seit gestern Früh bereits wird wieder ein weiter nördlich liegender Strom bedient. - Noch ist nicht ganz klar, wo denn diese Energie hingehen wird, aber Enrique hat uns erneut dabei geholfen, das einzuordnen. Unten finden Sie seine Grafik und wenn Sie auf die Quellenangabe klicken, dann gibt es die Karte auch noch größer. - Allerdings fließt auch weiter viel Lava auf die südlichen Seite und ist beim Nachschub dieser Ströme wieder näher nach Las Norias gerückt, wo wir doch immer noch auf ein Wunder hoffen. - Unten am Meer wird das Delta, hier "Fajana" genannt, immer größer und wenn das so weiter geht, dann wächst La Palma nicht nur nach oben, sondern auch in die Breite. - Aber viel geht nicht mehr, denn der Atlantik wird schon bald nach einem kleinen Küstenschelf sehr tief und um das aufzufüllen müsste der Vulkan noch deutlich länger spucken als bis zum 27. November. - Das haben übrigens ein paar Leute in den ernsten Teil des Lebens verbracht und nicht verstanden oder verstehen wollen, dass ich mich mit dem letzten Bild von gestern Abend über mich und andere Laienvulkandompteure lustig gemacht habe. - Ich bin immer noch nicht ganz daran gewöhnt, dass viele neue Leute jetzt auch meine kleine, bescheidene Kolumne lesen und nicht über die wirre Durchsetzung meiner Texte mit weniger ernst gemeinten Stellen Bescheid wissen. - Allerdings gelobe ich keine Besserung und nicht immer setze ich drei Punkte (…) nach nicht ernst gemeinten Aussagen. - Es soll doch beiden Seiten Spaß machen, nicht nur Ihnen… Jetzt noch zum Zitat meines Freundes aus Tacande: Es stinkt, weil die Luft natürlich bei der Verleugnung jeglichen Windes wieder ziemlich schlecht geworden ist. - Besonders die Werte an SO2 und Feinstaub sind zum Teil sehr hoch, wobei die extrem grausamen Werte in Los Llanos auch damit zu tun haben können, dass dort mit schwerer Technik den ganzen Tag über die Asche von der Straße gepustet und gesaugt wird. - Mir fällt sonst einfach weiter nichts dazu ein, wenn immer wieder genau zu den Tageszeiten des Dienstes der Stadtarbeiter die Luftbelastung mit Teilchen PM10 extrem ansteigt. - Auch immer wieder erstaunlich, die Messstation in Puntagorda zeigt erneut schlechtere Werte als Dos Pinos (oberhalb Los Llanos) oder El Paso an. Allerdings darf ich darauf hinweisen, dass diese Stationen in Puntagorda und Dos Pinos einem nicht offiziellen Ring an neu erstellten Messstationen angehören.




Der Tremor zieht wieder leicht an, das sehen wir gar nicht gerne
Quelle: IGN




Dafür sinkt die Zahl der Beben weiter
Quelle: IGN




Diese Werte stammen aus der offiziellen Messstation in Los Llanos. - Man beachte, wann der Wert PM10 besonders hoch ist. - Klar, kann Zufall sein, aber viele Tage hintereinander?
Cabildo Insular




Das zeigt die, nicht offizielle Station in Puntagorda an
Cabildo Insular




Ernsthafte wissenschaftliche Arbeit liefert heute Früh wieder nur Enrique, der mir manchmal schon wie Laokoon vorkommt, weil er als einziger die Schlangen durchs Aridanetal bändigen kann
Quelle: VolcanesYCienciaHoy




Dienstag 16.11.2021 El Paso 17:00 Uhr

Lava auf Lava auf Lava
Zugucken beim Inselforming


"Wenn die Zeiten mal wieder "groß" werden sollten, dann schau, dass du dich ganz klein machst." - Mein Vater war selten oder nie eloquent, aber wenn er was gesagt hat, dann lohnte es sich zuzuhören. - Ich bin das genaue Gegenteil, allerdings kann ich auch zuhören. - Mein Vater hat das natürlich politisch oder gesellschaftlich gemeint, aber so ganz verkehrt ist das auch in dieser Situation nicht. - Wir erleben nämlich gerade wieder "große" Zeiten. Wir sind Zeugen der Entstehungsgeschichte der Kanarischen Inseln und sollten wohl eigentlich nicht dabei sein, oder uns ganz klein machen. Was jetzt gerade passiert ist eben ein ganz normaler Vorgang in Sachen, wir basteln uns eine Insel aus Basalt und dazu gehört eben, dass vulkanische Eruptionen Schicht auf Schicht legen, um irgendwann mal ein paar Tausend Meter Insel zu haben. - Dabei legen die Vulkane Lava auf Lava auf Lava und genau das können wir jetzt auch wunderbar bis schrecklich erleben. - Ganz anschaulich passiert das auch gerade oberhalb der Playa del Charcón, wo jetzt die neue Lava des Unbenannten auf die alte Lava des San Juan/Nambroque trifft, welcher wiederum sich bereits auf noch ältere Lavazungen gelegt hat. Ehrlich gesagt, mir hätte es auch gereicht, das in den Büchern nachzulesen, obwohl ich natürlich irrsinnig neugierig in solchen Dingen bin. Also machen wir das Beste draus, hoffen auf kulante Reglungen für diejenigen, welche Hab und Gut verloren haben und lernfähige Wissenschaftler wie kluge Legislative, welcher wiederum auf lernfähige Wissenschaftler hören. So wird das Zusammenleben während des Inselformings mit den Menschen nicht ganz so konfliktiv, aber ganz ohne Risiko wird man auf einem solch jungen Inselchen für lange Zeit nicht leben können. - Ich nehme nicht an, dass es Siedlungsverbote im Aridanetal geben wird, genau so wenig wie im Ahrtal und beide Regionen sind durchaus in Sachen Risiko vergleichbar. - Nicht in der Ursache, aber in der Wirkung. - Es hat also weder Sinn noch Wert mit Vorwürfen gegeneinander anzutreten, wer denn nun die größere Fahrlässigkeit begeht, hier oder da zu siedeln, wir Menschen sind einfach komisch und wenig lernfähig. - Auch ich, darum bin ich ja immer noch hier und bleibe auch, aber dann muss ich eben dem klarkommen, dass mir ein ausgemachter Dreckskerl bei der Arbeit auf meine Terrasse rotzt. - Und da habe ich noch riesiges Glück gehabt, denn anderen hat er die Lava übers Haus gerollt, nur um das wieder einzuordnen.

Und wie er wieder rotzt heute. - Vormittag war gar nicht so schlecht, denn da war Olaf mit Husten beschäftigt und wer ein bisschen in meine Richtung vom Alter her geht, der kennt das doch noch: Olaf hat Husten… Während der explosiven Phase, welche übrigens weiter anhalten kann, kam so gut wie überhaupt kein schwarzer Qualm mit Asche aus dem Krater und ich hatte so Gelegenheit, die Hälfte der Dächer bereits mit Besen und Wasser zu reinigen. - Dann aber legte er wieder nach und dann fiel Ascheregen mit Echtregen, (das Wort gibt es seit es das Wort Echtzeit gibt) zusammen und jetzt liegt auf den Wegen, den Terrassen an Fenstern und Türen ein scheußlicher Matsch aus pulveriger Vulkanasche und Wasser. Nur ein bisschen Regen, ohne Vulkan hätte ich das überhaupt nicht erwähnenswert gefunden von der Menge her, aber jetzt ist das ein kleiner Vorgeschmack auf das, was uns kommende Woche erwarten kann. - Die Aktivität am Vulkan ist heute sehr gemischt. Meist ruhig, bis auf die Explosionen, welche wohl durch Eindringen von Wasser in die von dem Magma geöffneten Kanäle hervorgerufen werden. - Das könne noch häufiger und auch noch heftiger werden heißt es und sei auch Zeichen des langsam abnehmenden Drucks im "System". - Wenn das so ist, dann nehmen wir das gerne hin und schauen dem Vulkan weiter beim Sterben zu. Die Daten dazu sind für geduldige Menschen hinnehmbar, für Leute mit Terminen und klaren Vorhaben weniger. - Die Beben nehmen weiter ab, zumindest die flachen in der Tiefe um 12 Kilometer. - Die tiefen Beben rund um 30 Kilometer bleiben allerdings weiter aktiv, wenn auch nicht mehr in der Häufigkeit und Intensität, wie das noch vor gut einer Woche so war. - Deformation bleibt gleich, mit generell sinkenden Werten in der Gesamtschau der acht Stationen des IGN auf der Insel. - Gasemissionen, SO2 gestern 3.500 Tonnen, also deutlich weniger als die Tage zuvor, allerdings bleibt hier immer die Ungewissheit der großen Spanne der möglichen Messfehler, da es sich eigentlich um eine Hochrechnung handelt. - CO2 hingegen bleibt hoch und wird mit 2.500 Tonnen gestern bewertet. Der Tremor stieg heute im Lauf des Tages unangenehm an, um jetzt wieder deutlich nachzulassen, allerdings hatten wir vorgestern auch schon niedrigere Werte. - Inzwischen ist aber das Sinken der Aktivität des Vulkans auch bereits offizielle Sprachart, nur lässt sich kein vernünftiger Wissenschaftler darauf ein, Prognosen abzugeben. - Wir werden wohl noch eine Weile das Siechtum des Vulkans miterleben müssen, und hoffentlich bleibt es so lange dabei, dass er Lava auf Lava auf Lava schichtet und nicht noch mehr Häuser und Infrastrukturen einreißt. - Wobei die Zerstörung der Bananenplantagen, welche heute auf dem vorgelagerten Stück Insel oberhalb der Playa del Charcón gefallen sind, auch wieder Existenzen bedroht und die Lebensarbeit vieler Menschen vernichtet hat.




Der Tremor spielt mit unseren Gefühlen...
Quelle: IGN




Dementsprechend biegt auch die Kurve der gemittelten Tremor-Amplitude wieder in die falsche Richtung ab
Quelle: IGN




Hier kann man ganz gut das System Lava auf Lava auf Lava erkennen, der Namenlose bedeckt jetzt auch Teile des Lavastroms des Nambroque
Quelle: IGME - CSIC















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