Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 04.12.2021 Vulkanausbruch

Ferienhäuser La Palma Ferienhäuser La Palma Casa Martin Ferienhäuser La Palma Casa Martin Casa Martin La Palma La Palma Casa Martin Ferienhäuser La Palma



Vulkantagebuch



04.12.2021 Tag siebenundsiebzig der Eruption


Samstag 04.12.2021 El Paso 06:30 Uhr

Der Vulkan der vier Himmelsrichtungen
Erneuter Zielwechsel in den Süden, aber ohne Schmackes


Bei manchen Leuten habe ich schon vorzeitigen Piccolo-Erguss feststellen können. - Langsam, das ist noch nicht vorbei, auch wenn so wenig Lava fließt, wie seit Beginn der Eruption nicht. - Das ist die gute Nachricht vorab, es ist am gesamten Horizont von uns aus Richtung Süden keine glühende Lava zu sehen. - Das ist ein Novum und stecken wir gerne als Punkt für uns weg. - Das heißt nicht, dass keine Bewegung mehr in der Lavazunge steckt, aber wohl, dass keine frische Lava im Moment weiter anschiebt. Allerdings spiegelt weiter die äußere Aktivität am Vulkan nicht das wider, was der Tremor anzeigt. - Die Beben werden sehr viel weniger, auch im flachen Bereich, obwohl wir dabei auch vier Ereignisse melden müssen, die rund um die 30 Kilometer stattgefunden haben. Vier Beben, zwischen 2,8 und 3,4 innerhalb von drei Stunden, das lassen wir gerade noch mal so durchgehen und nennen es noch keinen Schwarm. - Wichtig wäre halt, dass das nicht weitergeht, es darf doch kein weiterer Nachschub aus der Tiefe kommen oder wie es hier auch so oft hieß, der Barthel soll nicht mehr in den Keller und Most holen. - Gestern Abend noch hat sich ein neuer, alter Schlot im Südosten des Hauptkraters aufgetan. - Der liegt allerdings hinter dem fetten Monster am Kuhkopf von unserem Sichtfenster aus, wir können also nicht sehen, ob da nur pyroklastisches Material herausgeschleudert wird, oder auch reichlich Lava fließt. - Zu Beginn der Nacht haben wir an der Nordostseite noch einen kleinen Lichtschein gesehen, der glühendes Material angezeigt hat, der ist allerdings inzwischen verloschen. - Was man gegen frühen Morgen sehen konnte waren Gase und Bomben, nur noch aus dem Südosten, also von uns aus hinter dem alten Krater, welche von dem neuen/alten Schlot hochgeschleudert wurden, allerdings gar nicht mehr kraftvoll. Ein paar Explosionen waren zu hören, mittendrin schwarzer Qualm, aber auch nicht viel und von dem wir nicht erkennen konnten, ob der jetzt vom alten Sack stammt, oder auch aus dem neuen Auswurfgebiet kommt.

Keine Meldung ist zu bekommen, ob denn Lava dort im Süden in bedrohlicher Menge fließt und wenn, wohin. - Da bin ich ein bisschen überrascht, dass man, trotz der enormen Anzahl an Instituten und Organisationen mit viel Personal hier vor Ort niemand erreichen oder befragen kann, was denn nun dort im Südosten und Süden abgeht. Selbst das Livebild der Kameras vom TV-Canarias zeigt nur den alten Krater und einen rötlichen Lichtschein dahinter und ab und zu vulkanische Bomben fliegen. - Die müssen jetzt auch erst reagieren und irgendwie weiter in den Süden fahren. - Da wäre Los Campanarios jetzt der richtige Standort um wieder dem neuen Schlot ins Maul blicken zu können. - Weiter bleiben wir in der Unsicherheit zurück, wie denn der aufgeregte Tremor und die Bodenhebung zu dem doch deutlich wahrnehmbaren Abflauen der äußerlichen Aktivität am Krater passt. - Es bleiben weiterhin viele Fragen offen, die wichtigste scheint im Moment zu sein, wie lange dauert es noch, das Magma "abzuarbeiten", welches sich noch in den oberen Reservoirs befindet. - Das natürlich unter der Voraussetzung, dass der Barthel nichts mehr zu Saufen findet im tiefen Keller. - Die andere Frage, wie es denn um die Farblehre dort am alten Krater steht, also das mit dem weißen Zeug, dann gelb und jetzt rot, die beantwortet uns Dr. Andreas Klügel mit eiserner Aussage: Zu Deinem Foto mit dem weiß - gelb - roten Zeug: Über das weiße haben wir uns ja schon Gedanken gemacht. Das gelbe könnte fein verteilter Schwefel sein, der bei den Entgasungen ausblüht; er muss nicht aus den weißen Ablagerungen entstanden sein. Die Rotfärbung hat eine andere Ursache: Das ist keine neue Ablagerung, sondern eine Veränderung des bereits festen Basalts durch hindurchströmende heiße wasserdampfreiche Gase. Dabei werden die zahlreichen kleinen Magnetit-Kristalle oxidiert und es entsteht der tiefrote Hämatit ("Roteisenerz"). Auch andere Minerale können sich dabei umwandeln, wodurch ebenfalls etwas Hämatit entsteht. Wir nennen das "hydrothermale Alteration". Das kann offenbar sehr rasch gehen, bereits während einer Eruption und lokal begrenzt sein. Man sieht das auch gut am Teneguía, wo rote neben schwarzen Bereichen vorkommen. Gerade im Kraterbereich steigen die heißen Dämpfe besonders gut auf.



Deutlich weniger Beben und vier sind doch noch kein Schwarm...
Quelle: IGN



Der Tremor tanzt vielleicht den Namen des Vulkans und wir können das nur nicht verstehen
Quelle: IGN




Es dünnt sich aus
Quelle:Volcano Discovery




Aber die Wetterprognose für El Paso sagt Lava voraus... Ist natürlich ein akuter Fehler in der Datenübertragung, aber passte halt gerade. - Es bleibt beim Hochdruck, Passat und eben Wind aus Nordost
Quelle: Wetterzentrale - GFS




Das können wir im Moment sehen: Die Umrisse des Miserablen und den Lichtschein eines neuen Schlotes





Samstag 04.12.2021 El Paso 18:00 Uhr

Miguels Süd-Theorie
Auf der Suche nach Normalität stolpert man über sich selbst


Schreiten wir zunächst die Datenkolonnen ab. - Beben, weniger in der Anzahl, auch im flachen Bereich. - Tagsüber eines unter 30 Kilometer, wird unter "macht doch nichts" abgelegt und soll sich jemand anders suchen, der das wichtig nimmt. - Die Deformation an der Station LP03 ist wieder komplett zurückgegangen und ist jetzt wieder auf einem Niveau wie am Tag der Eruption selbst. - Der Tremor glättet sich allmählich, auch wenn er noch nicht wieder so schlank ist wie noch vor der fragwürdigen, aber hoffnungsvollen Ruhe am "Berg", die uns nun den dritten Tag begleitet. - Unsere Theorie mit dem Alkoholverbot für den Barthel hält also im Moment noch, so lange kein Bebenschwarm mehr die Magmapumpe in der Tiefe unter 30 Kilometer anzeigt, wagen wir weiter vom 42. November als Piccolo-Tag zu träumen. - Bleibt noch das zwischengelagerte Zeug in 10 - 15 Kilometer Tiefe und hier wissen wir eben überhaupt nicht, von welcher Hausnummer wir sprechen. - Die sinkende Anzahl von Beben auch im flachen Bereich und der sich verengende Tremor deuten ja auf ein Absinken des Drucks im System hin. - Aber auch sichtbar am Krater, flogen nachts noch ein paar Bomben und anderes pyroklastisches Zeug in den Himmel, so sehen wir heute eine Menge an Wasserdampf aber auch den grauweißen Qualm, der Lava vorgibt. - Kein Jet mehr, kein Jaulen und kein Sausen. - Im Norden soll noch eine Stelle ein bisschen Lava ausgeben, ich kann die allerdings von unserem Standort nicht ausmachen, obwohl wir guten Blick darauf haben. - Auf der Westflanke erkenne ich zwei Punkte an denen grauweißer Qualm von Lava zeugt, allerdings konnten wir nur heute Morgen kurz etwas glühendes dort beobachten. - Die Aufmerksamkeit richtet sich also auf den Süden und auch wenn ich mich wiederhole, schlechter als heute wurden wir noch nie mit Nachrichten über den Fortschritt einer neuen Lavazunge unterrichtet. - Woran das hakt, das weiß ich nicht. Am schwarzen und auch mitten drin weißen Rauch weit im Süden von uns erkennen wir, dass die Lava Infrastrukturen zerstört und alles was wir bisher vernehmen konnte ist, dass sich die Lava zwischen den "Coladas 3 + 11" bewegen soll. - Das wäre dann zumindest mal schneller als der Fortschritt, welchen vor drei Tagen noch die Bedrohung im Norden entstehen ließ. - Dort scheint aber wieder alles zu stehen, mit Ausnahme ein paar Meter Raumgewinn für den Vulkan. - An der Montaña La Laguna haben sich inzwischen die "Coladas 7 + 8", da aber momentan kein Nachschub an Lava in den Sektor zu fließen scheint, rechnet man nicht mit einem weiteren Fortkommen der Lavaströme dort.

Ich habe seit heute Vormittag meine Spaziergänge oder kleine Wanderungen wieder aufgenommen und Miguel, mein Freund aus der Nachbarschaft war gerne bereit, dieses Stückchen Normalität wieder aufzugreifen. - In die Berge das verbot sich heute nicht nur wegen des Vulkans, sondern auch weil der Nordostpassat als scharfer Fallwind ins Tal zieht und in der Höhe auch Regen auf der Westseite lässt. - Also sind wir nach Puerto de Tazacorte und konnte auch dort dem Vulkan nicht entgehen, die Stimmung ist dort unten genau so vom Vulkan geprägt wie im gesamten Tal. - Zumal eben im Hafen das Tankschiff "Tommaso 5" Frischwasser aufnimmt um das dann ein paar Kilometer weiter südlich in Puerto Naos in das Bewässerungsnetz zu speisen. Die beiden Entsalzungsanlangen welche dort in Rekordzeit installiert wurden liefern Wasser in nicht ausreichender Qualität, so dass aus dem Tankschiff Frischwasser mit beigemischt wird. - Auch liegen die drei Landungsboote im Hafenbecken dort, mit welchen die Plantagenarbeiter und andere dienstbare Geister nach Puerto de Naos gekarrt werden, wenn es denn der Seegang und die Gasentwicklung dort unten zulassen. - Das war heute nicht der Fall, das Meer hat die Leute nicht daran gehindert, allerdings ist wohl die Gaskonzentration zu hoch, besonders das schwere Gas SO2 hält sich in den tieferen Zonen des Tals einfach hartnäckiger, als in den oberen Regionen.

In Puerto de Tazacorte bemüht man sich um Normalität, die aber jeden Moment aufgesetzt erscheint. - Ein paar Unbeeindruckte badeten sogar, der Atlantik lud dazu ein, aber man erhaschte auch einige empörte Blicke, wie man den baden könnte, angesichts des drohenden Vulkans. - Die alte Leier, wie viel Normalität geht denn im Ausnahmezustand und wie viel Pietätsabstand muss ich von Freudebekundungen halten, dass meine Hütte noch steht, wo um mich herum doch Menschen ihre Häuser und Träume verlieren. - Das kann man auch gut in andere Umstände übersetzen, denken Sie mal an Laschet und das Ahrtal, als der Mann lachend die Wahl schon vor der Qual verlor. Da immer den richtigen Ton zu treffen ist äußerst schwierig, aber eben halt in allen sozialen Belangen wichtig. - Mal sehen, ob wir den Tag des vulkanischen Todes des Unaussprechlichen wirklich feiern werden, also nicht nur im kleinen Kreis, oder ob der 42. November Inselfeiertag wirdů Miguel hat da seine ganz eigene Theorie und das von Anfang an: Sobald der Vulkankegel sich nach Süden ausrichtet und von dort Lava spuckt, kommt das Ende der Eruption nah. - Wohin spuckt das Ding gerade?




Der Tremor glättet sich langsam wieder
Quelle: IGN




Die Deformation an der angesagten Station LP03 ist wieder zurückgegangen




Die Beben der letzten Woche
Quelle:Volcano Discovery




Es dünnt sich wieder mal aus, wobei wir besonderen Wert auf die untere Zone legen
Quelle:Volcano Discovery




Zum Vergleich, wie die Lavaströme nummeriert sind
Quelle: IGME - CSIC




Fajana, Delta, Isla Baja, wie immer man will




Bananengießkanne Tommaso 5




Schwerter zu Droschken, hiermit werden die Bananenbauern nach Puerto Naos gebracht








Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Telefon: + 34 922 497 216
WhatsApp: + 34 616 167 775
email: m.siebold@casamartin.de

Casa Martin Ferienhaus auf La Palma