Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 27.11.2021 Vulkanausbruch

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Vulkantagebuch



27.11.2021 Tag siebzig der Eruption


Samstag 27.11.2021 El Paso 18:00 Uhr

Der Barthel holt schon wieder Most
Weniger Lava heute


Die gute Nachricht lautet, das stärkste Beben der letzten 24 Stunden war eines der Magnitude 3,6. - Die weniger gute Nachricht ist, dass das wieder in der Tiefe unter 30 Kilometer lag und die Häufung dieser Beben uns glauben lässt, dass dort wieder Magma in unsere Richtung gepumpt wird. - Unterstützt wird diese Annahme von einem Anstieg der Deformation nach oben an der Messstation LP03, welche am allernächsten der Eruption liegt. - Dort gab es von gestern zu heute einen Anstieg von 4 Zentimeter, von vorvorgestern zu heute von 7 Zentimeter. - Das ist viel, allerdings ein geringerer Anstieg als noch in den drei Episoden mit schnellen Aufwärtsbewegungen, welche gut auf der Grafik des IGN zu erkennen sind. - Man kann den Zeitraum nicht genau abstecken, wann denn die tiefen Beben genau aufhören, dann wieder mehr Lava austritt und wie lange es dauert, bis dann erneut tiefe Beben eintreten. - Allerdings kommt mal wohl auf ein Muster, welches ein Abwechseln von tiefen und flachen Beben aufzeigt. - Aber eben auch gemischte Phasen wie jetzt und dort Striche zu ziehen wird uns leider nicht gelingen. - Da findet eben einiges auch gleichzeitig statt und zu viele Fragen sind offen, um diesen Rhythmus genau zu verstehen und dann vielleicht die Theorie aufzustellen, der Krug mit Barthels Most ist jedes Mal ein bisschen geringer gefüllt. - Ich nutze solche Vergleiche gerne, um auf keinen Fall den Eindruck zu erwecken, ich sei Spezialist in Sachen Vulkanologie. - Ich bin beobachtender Laie und mache mir meine Gedanken dazu und versuche nach vielen Jahren wenigstens die richtigen Fragen zu stellen. - Mehr nicht und manchmal liege ich richtig, öfter unentschieden und oft falsch. - Im Gegensatz zu echten Wissenschaftlern lehne ich mich aber aus dem Fenster und erwarte von Ihnen, also den Lesern, dass Sie mir meinen Amateurstatus zugestehen. - Und der Amateur sagt, es fließt weniger Lava heute, weil er genau auf den Krater blicken kann und dort die Schlote beobachtet. - Jetzt bin ich eben auf der Suche nach einer Regel und einem Zusammenhang, wann in den tiefen Regionen Musik herrscht und wann und wie viel Magma dabei nach oben gelangt, um dann die Musik bis an die Oberfläche klingen zu lassen.

So wie das vorgestern und gestern eben war, als besonders viel Lava dazu führte, dass neue Zungen entstanden sind und ältere wieder so viel Nachschub erhalten haben, dass erneut Zerstörung angesagt war. - Dabei meine ich die Umrundung des "Cogote" vom Süden her, was den Friedhof von Las Manchas etwa zur Hälfte mit Lava bedeckt hat, nun aber, nachdem der Nachschub ausgeblieben ist, nicht weiter auf dem Weg ist. - Dann schiebt die Lava weiter die "Colada 7" an, das ist diejenige, welche am 23.11. versucht hat vom Süden her La Laguna einzunehmen. - Dort ist jetzt wieder leichte Bewegung, die aber am Tag nicht aus der Ferne wahrzunehmen ist und erst nachts sichtbar wird, wenn man die Glut erkennen kann. - Die meiste Lava allerdings, welche in solchen Massen die letzten Tage ausgetreten ist, verteilt sich über die Mitte der drei Kilometer breiten Lavazunge ohne neues Desaster anzustellen. - Nach meinen Beobachtungen müsste es also heute Nacht wieder dunkler über dem Lavafeld sein, da eben weniger Lava aus dem Krater geflossen kam. - Leider gibt es keine weiteren verwertbaren Daten in Sachen SO2 in dem Abgasschlot des Kraters, da die messenden Mitarbeiter von Involcán nicht wollen, dass diese Daten als Gradmesser für die Aktivität des Vulkans genommen werden. - Das ist ein Vorgehen, welches ich deutlich kritisiere, wenn man uns schon für zu blöd hält zu verstehen, dass es extrem schwierig ist, solche Messungen durchzuführen, dann sollte man wenigstens versuchen, es uns zu erklären. - So bleiben wir mit Messungen zurück, welche einen Wert von 1.000 bis 29.900 Tonnen SO2 in der Abgaswolke nennen und werden abgespeist mit dem Hinweis, dass generell die Ausschüttung von SO2 seit September sinkt. - Dabei ist die Transparenz in Sachen Daten viel, viel besser geworden in den letzten beiden Jahrzehnten und besonders das IGN ist da vorbildlich und alle Daten, welche von dem Institut erhoben werden, stehen der Öffentlichkeit jederzeit zur Verfügung. - Andere Institute sind da noch nicht so weit. - Dabei entstehen Falschinterpretationen und Fake-News immer dann, wenn Daten zurückgehalten werden und nicht öffentlich diskutiert werden können. - Aber es gibt halt auch so was wie wissenschaftlichen Neid und eine, schon überwunden geglaubte Hierarchie, wer denn was wissen darf.




In dem Moment, als eine Bebenserie rund um 3,4 in flacher Umgebung einsetzt, zeigt auch der sonst so stoische Tremor eine Wirkung
Quelle: IGN



Die Deformation an der Messstation nahe Jedey. - Ich habe mal die vier Episoden mit deutlichem Anstieg nachgemessen. - Sollte nun morgen die letzte Messung erneut ansteigen, dann muss ich mein Geodreieck neu skalieren... Quelle: IGN




Auch ein Beispiel für einfachen Zugang zu vielen Daten: Volcano Discovery




Der "Jet" zeugt von vorhandener Energie, ansonsten ist die Lava nur durch den grauen Rauch mehr zu ahnen, als zu erkennen




Ein bisschen näher ins Maul gehalten




Nur zum Vergleich hier noch der Schub am 25.11.2021





Samstag 27.11.2021 El Paso 06:30 Uhr

Das Wetter mal auf unserer Seite
Flughafen kann öffnen und Asche fliegt hinaus aufs Meer


OK, ich bin ganz bei Ihnen, es wäre besser, es flöge überhaupt keine Asche. - Aber sicher haben Sie das schon mitbekommen, wir auf La Palma lieben den Passat. Das mit mehr als einem guten Grund. - Die beiden wichtigsten sind schnell genannt: Er bringt Wasser auf die Insel und sorgt dafür, dass wir als Nachbar der Sahara nicht die gleichen Temperaturen ungenießen müssen. - Man könnte mehr darüber schreiben, ich sowieso… Aber das hier heißt Vulkantagebuch und nicht Ode an den Passat. Aber selbst jetzt hilft uns eben dieser Wind aus Nordosten, denn der treibt nun die Asche und die ungeliebten Gase in den Südwesten und aufs Meer hinaus. Auch könnte uns der Passat in den kommenden Tage helfen, den feinen Staub loszuwerden, welcher seit Wochen nun aus dem Schlot kommt und uns immer wieder bepudert. - Im Norden der Insel und dort noch eher im Nordosten wird es aber weiter regnen, allerdings haben die auch, bei weitem, nicht so viel Asche mitbekommen, wie das Aridanetal - Das Zeug wird immer feiner, nachdem anfänglich mal Zentimeter große Lapilli gratis im Tal verteilt wurden, ist das inzwischen Staub. - Der Vorteil dabei ist, sobald es trocknet und Wind kommt, fliegt das Zeug weg. - Der Nachteil ist, sobald das Zeug trocken ist und Wind kommt, steigen die Feinstaub-Werte in unschöne Höhen. - Aber auch das wird der Passat erledigen, der weht das schneller aufs Meer hinaus, als die Messstationen das mitbekommen und der frische Luftnachschub kommt von weit aus dem Nordatlantik, dort wo böse Begriffe wie Kontamination, PM10 oder FDP komplett unbekannt sind. - Allerdings haben wir ja hier noch einen komischen Nachbarn der stinkenden Klasse und auch heute Nacht wieder feuert der aus mindestens zwei Rohren Gase und entlässt wohl gar aus drei Öffnungen Lava. - Sicher, auch hier wieder die Einschränkung, die Gasfontänen waren zu Beginn der Eruption deutlich höher als jetzt, aber beeindruckend bis erschreckend ist das immer noch. - Zumal wir nicht feststellen können, dass der Nachschub an Lava jetzt nachlassen würde. - Das war ein paar Mal die vergangene Woche so, aber heute Morgen präsentiert sich wieder die halbe Lavazunge in glühenden Farben.

Ein Strang zieht sich bis an den westlichen Horizont, ich denke mal, das geht nördlich an der Montaña Todoque vorbei Richtung Atlantik. - Aber mittig steht die glühende Lava und zielt dabei auch ein Stück wieder nach Norden und ich meine rund ums Industriegebiet am Callejón de la Gata auch wieder glühendes Gestein zu erkennen. - Wieder vermissen wir also die Lavaautobahn, welche das Zeug vom Krater bis zum Meer auf schnellstem Weg entsorgt, aber sinnvoller Straßenbau war noch nie unser Klassiker… Die Beben sind wieder deutlich mehr geworden und hier stimmen eben die vielen in der Tiefe wohl darauf ein, wieder Nachschub an Magma aus mindestens 30 Kilometer hoch zu pumpen. - Kaum Beben im oberen Bereich und was grundsätzlich auffällt, die Magnituden haben deutlich nachgelassen in dieser Woche. Sowohl unten, als auch bei den flachen Beben. - Sie wissen doch, mindestens eine gute Nachricht gibt es bei mir immer, und sei es auch nur der Wind, oder das unbewiesene Gerücht, die Schokolade würde aufgrund des Vulkanausbruchs jetzt auch subventioniert. - Dabei strotzen wir nur so vor guten Daten: Der Tremor ist sanft und glatt, die gemittelte Tremor-Amplitude zeigt wieder, wenn auch nur schwach, in unsere Wunschrichtung, nun brauchen wir nur noch jemanden, der dem Vulkan unsere positive Einschätzung in den Rachen stopft. - Aber was haben wir gelernt: Vor allem Geduld! Darüber hinaus müssen wie auf die Tendenzen achten und nicht Tageserfolge feiern oder schnelle Niederlagen lamentieren. - Allerdings wird das mit der Geduld schwierig, besonders für die Menschen, welche weiter im Zielgebiet des Vulkans um ihre Häuser, Grundstücke, Firmen, Träume und Lebensaufgaben bangen.




Beben wieder viel mehr, fast alle tief aber mit niedrigeren Magnituden als noch letzte Woche
Quelle: IGN




Manchmal frage ich mich, ob die da nicht den Tremor aus Big Island einblenden...
Quelle: IGN




Ich arbeite gerade einem gebogenen Geo-Dreieck um den 42. November zu retten...




Geringere Magnituden stellt auch Volcano Discovery fest
Quelle:Volcano Discovery




Viel Glut, viel Lava, viel zu viel Zerstörung








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