Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 09.12.2021 Vulkanausbruch

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Vulkantagebuch



09.12.2021 Tag zweiundachtzig der Eruption


Donnerstag 09.12.2021 El Paso 06:30 Uhr

Die Lage bleibt ruhig und hoffnungsvoll
Kaum noch Beben


Das heißt nicht, dass wir schon durch sind. Es bleiben halt immer noch die vielen Beben von gestern in der Tiefe als Warnung. - Der weitere Verlauf des Abends und der Nacht kann nur als sehr ruhig betitelt werden, zwischen 20:30 und 05:00 Uhr gab es lediglich zwei Beben und meine Frau wird später, wenn ich ihr den Kaffee ans Bett bringe sicherlich behaupten, das Beben um 05:00 Uhr sei entstanden, weil ich so schnell, energiegeladen und gnugleich aus den Federn gesprungen bin. - Sie merken, die Spannung von gestern Abend ist ein bisschen gelöst und das hat sowohl etwas mit der subjektiven Beobachtung des Vulkans als auch mit den neuen Daten zu tun. - Am Krater ist es sehr ruhig gewesen, kaum noch "Jet" aus dem östlichen Bereich und weiter sind 3 Punkte an der Westflanke des alten Kraters zu erkennen, aus denen Lava durchscheint. - Ich drücke das so vorsichtig aus, da ich annehme, dass nur aus einem, dem obersten auch wirklich Lava austritt und die anderen beiden beleuchteten Punkte lediglich flache Stellen im Kanal sind, der weiter von Nord nach Süd den Auswurf Richtung Kraterfuß führt. - Ob unter dem Krater weitere Spalten oder Schlünde liegen, wie es oft auch heißt, mir aber zu sehr nach Schlachthof klingt, das kann ich natürlich nicht erkennen, es ist aber anzunehmen. - Der Spalt unterhalb des Friedhofes von Las Manchas wird in mehreren offiziellen Meldungen als nicht mehr produktiv bewertet und für die Menge der Lava, welche sich weiterhin ziemlich mittig auf der großen Lavazunge nach Westen bewegt, scheint der einzige Kanal am Krater wohl bisschen zu klein. - Scheint, denn weiter gibt es keine belastbaren Daten darüber, wie viel Lava denn so am Tag oder gar in der Stunden austritt. - Alles andere ist ja gut mit berechenbaren Eckpunkten versehen und führt vielleicht dann auch dazu, dass man zu sehr auf die Daten blickt und den spuckenden Rüpel im Hintergrund nur wahrnimmt, wenn der seine zornigen Phasen hat. Mein morgendliches Foto ergibt nach dem Augenschein, dass es wenig Lava ist, welche dort vom Krater ausgeht.

Wir müssen den heutigen Tag und die halbe Nacht noch abwarten, um wirklich wieder in den Entspannungsmodus einzutauchen. 24 bis 36 Stunden dauert es, haben die bisherigen Erfahrungswerte ergeben, bis das Magma aus den Bereichen unter 30 Kilometer die Aktivität am Krater zu bestimmen beginnt. Also wissen wir auch noch nicht genau, ob denn die Bodendeformation an der Station LP03, welche meist erst kurz vor 09:00 gemeldet wird, bereits aussagekräftig ist. Dort eine Hebung von mehreren Zentimetern könnte einen Hinweis geben, ob denn der Barthel bereits wieder mit "Stoff" beladen aufsteigt. - Vielleicht wird das auch eine kleine Mischung aus vielen Möglichkeiten, Unsicherheit lässt eben alles offen. - Ein bisschen Magma kommt wieder hoch, einige der Beben waren wirklich die berühmten "reajustes" wie man die Ausgleichsbewegungen hier nennt und die Aufregung war für die Katz. - Bei uns keine Seltenheit übrigens, denn wer acht Katzen hat, eine weitere in der Aufnahmeschleife, für den ist fast alles immer nur für die Katz. - Ein kleiner Schreck noch heute Morgen, zunächst dachte ich, es fällt wieder Asche. - Im Schein der Außenleuchte blitzen viele kleine Partikelchen auf und automatisch fasse ich mir an den Kopf, um die Menge der Asche im Glatzenstreichverfahren festzustellen, die überraschenderweise schon wieder fällt. - War aber nicht so, sondern es regnet diese wunderbaren kleinen Tropfen, welche die Passatwolken manchmal bis weit ins Tal hinein schicken. "Chirizo oder chiriso" genannt, (auf den anderen Kanaren chirimiri) nicht Chorizo, das ist die Wurst, oder der Delinquent und dieser feine Regen macht zwar kaum nass, aber Brillenträger nahezu blind. - Meine Aufregung hat sich wieder auf ein erträgliches Maß gesenkt, aber selbst ich merke eben Abnutzungserscheinungen meines Nervenkostüms, welches eigentlich recht stabil ist. Jetzt muss ich nur aufpassen, dass ich nicht ständig die Webseite des IGN aufrufe, um die weitere Entwicklung an der Bebenfront zu eruieren, sondern das Leben auch so ganz von alleine weitergeht und es nicht an mir liegt, sollte der widerliche Kerl da am Kuhkopf immer noch nicht um Gnade und einen Namen flehen.




An diese Grafik hat man sich schon gewöhnt. Heute früh mit erfreulichem Bild
Quelle: IGN




Im sehr niedrigen Bereich, man weiß kaum noch, dass im "echten Normalzustand" in beiden Feldern oben eigentlich jeweils nur ein blauer, horizontaler Strich zu sehen sein sollte.
Man könnte diese Grafik auch das Clearblue der Vulkanologie bezeichnen. Beide Striche blau und voll: Eruption...
Quelle: IGN




Die gemittelte Tremor-Amplitude will aber noch nicht so ganz mitmachen mit dem friedvollen Tagesbeginn. - Die hat halt, genau so wie ich, die Beben von gestern noch auf dem Schirm
Quelle: IGN




So sieht das heute Morgen aus, Lava im Dunst verpackt. - Es geht aber nicht um die Ästhetik des Bildes, sondern um die Menge an Lava, die dort am "Verteiler" auf den Weg geschickt wird. - Und es ist wenig Lava im Vergleich zu Wochenbeginn





Donnerstag 09.12.2021 El Paso 17:00 Uhr

Die ersten Evakuierungen werden aufgehoben
Kommt ein solches Zeichen zu früh?


Noch ist der Barthel nicht zurück und vom Most haben wir auch noch kein Zeichen gesehen. - Die Deformation an der Station LP03 ist sogar ein Zentimeterchen gesunken, was eigentlich nicht erwähnenswert ist, aber da es eben die Androhung eines Anstieges gab, sehen wir das mit Zufriedenheit. Die Beben haben weiter abgenommen und die höchste Magnitude erreichte lediglich einen Wert von 3,1 in den letzten 24 Stunden. - Der Tremor bleibt im sanften Bereich ohne Variationen und seit dem wir die wunderbaren Tabellen des IGME entdeckt haben, dürfen wir ein kontinuierliches Absinken des SO2 Gehaltes in der Luft melden, welches inzwischen einen dauerhaften dreistelligen Wert erreicht hat. - Diese Anzeichen deuten allesamt auf ein nahes Ende der Eruption hin, sollte eben der Vulkan uns keine weiteren Überraschungen servieren. - So oder so wird er Rekordvulkan hier auf der Insel, sowohl was die eruptiven Tage angeht, als auch in der Ausdehnung und der Menge des ausgeworfenen Materials. - Was die Zerstörungen angeht sowieso, das hat aber natürlich auch was damit zu tun, dass diese Eruption fast ein Volltreffer in die Siedlungsgebiete im Aridanetal war. - Es hätte sogar noch katastrophaler kommen können, noch weiter nördlich und El Paso, Los Llanos und Tazacorte wären in Gefahr geraten zerstört zu werden. - Sollte also keine Überraschung mehr passieren, wahrscheinlich beginnend über eine Reaktivierung der Beben in der Tiefe, sind das die letzten Tage oder Wochen der Eruption. - Wie das dann vor sich geht, ob einfach keine Lava mehr kommt und das Vulkangebäude noch weiter Gase und Dampf ausstößt, oder ob es "Blubb" macht und das Ding erlischt komplett, lassen wir uns überraschen. - Schön wäre natürlich, wenn der "Blubb" vom "Plopp" der Piccolos übertönt würde. - Übrigens würde ein Aus der Eruption am Krater noch nicht das Ende der vulkanischen Ausnahmesituation bedeuten, bis das ganze Gebäude des Kraters und auch die Lavazungen ausgegast sind kann es noch weitere Wochen dauern. - Darüber hinaus bleibt eben die Gefahr, dass der Barthel doch wieder rückfällig wird und erneut Magma aus der Tiefe des Raumes schöpft.

Aber es sieht wirklich nach Mut machen aus und als ein Zeichen lässt man jetzt bereits die ersten evakuierten Einwohner zurück in ihre Häuser. - Es sind zwar nur knapp 30 Familien aus Las Martelas de Abajo und der angrenzenden Straße Calle Nicolás Brito País, welche Mitte Oktober aus ihren Häusern geholt wurden, aber sicher darf man das als Ausrufezeichen werten. - Die zuständigen Wächter der "Pevolca" also des Krisenstabes überschlagen sich zwar, nicht das "E-Wort" (für Ende) irgendwie zu gebrauchen, aber gleichzeitig setzt man ein Signal, dass doch die Zuversicht ins Tal zurückkehren möge. - Das hat natürlich auch was damit zu tun, dass die "Colada 8" seit dem Raubzug vom 21.10.2021 durch den Süden La Lagunas keine Bewegung mehr hat und somit im Norden des Geschehens die ersten Schritte in Richtung Normalität gemacht werden. - Allerdings ist es durchgesickert, oder man wollte es kolportieren, man sei sich durchaus nicht einig gewesen, was denn der Beginn der Aufhebung der Evakuierungen angeht. - Man habe sich das nicht einfach gemacht und auch auf die Gefahr hin, dass nun noch mehr Bürger wieder verlangen werden in die Häuser zurück zu kehren und man denen dennoch Nein sagen muss, sich dann doch zur Aufhebung dieser Maßnahmen entschlossen. - Es gibt auch deutliche Probleme weiterhin mit der schlechten Luft, besonders im unteren Teil des Aridanetals. - Der stramme Passat weht eben die Gase, und hier besonders das SO2, in Richtung Las Manchas und die Region El Remo, Puerto Naos und La Bombilla und auch wenn dort alle evakuiert sind, befinden sich in dem Raum immer wieder Arbeiter in den Bananen oder auf den Dächern um Asche zu räumen. - Die dürfen dann nicht mehr hin oder müssen wieder abgeholt werden, sollten die Daten Alarm schlagen. - So sieht das Panorama nach dem Ende einer Eruption noch nicht abrupt nach Normalität aus und irgendwie kennen wir das doch schon, dass am Ende der Seuche immer noch die Maske hängen bleibt. - TaburienTec arbeitet zusammen mit Timezer an einer Impfung gegen Vulkane. Hält aber auch nur 20 - 50 Jahre lang, dann muss geboostert werden




Neue Grafiken braucht der Vulkan
Quelle: IGME




Die Station ganz nah am Krater. Wir haben einen Anstieg befürchtet, eine kleine Deflation bekommen, was will man mehr. - Morgen das gleiche...
Quelle: IGN




Unser Hauskrater




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