Nachrichtenarchiv La Palma Aktuell 13.09.2021

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Vulkantagebuch - Präludium



Vom 13.9. - 18.9.2021, die Tage vor der Eruption



Montag 13.09. 2021 El Paso 10:00 Uhr

Cumbre Vieja hat Rücken
Mensch, ich hab´ die Koffer doch gerade wieder ausgepackt!


Das Leben ist eben kein Linienflug. - Da wollte ich doch eigentlich was Schlaues zur Vermeidung von Bränden schreiben, oder dem plötzlichen Auftauchen der noblen Ryanair, da pfuscht uns doch ein alter Bekannter in den Alltag. - Es grummelt wieder unter der Insel, wenn ich richtig gezählt habe, das Neunte Mal innerhalb der letzten Jahre. - Wir wissen natürlich alle, dass die Cumbre Vieja ein aktiver Vulkan ist, aber Wissen und Erleben sind dann doch noch ganz verschiedene Dinge. - Wir müssen feststellen, dass die Intensität, wie auch die Tiefe (oder eben Höhe) der Beben seit gestern Früh doch eine andere, heftigere Qualität aufweisen, als bei den anderen schwarmartigen Bebenepisoden, welche uns im Abstand meist mehrerer Monate zumindest wach gehalten haben. - Das heißt bislang noch gar nichts, außer dass sich Magma unterhalb der Insel bewegt und wohl noch nicht so genau weiß, wo es hin soll. - Das wissen wir natürlich auch nicht, also müssen wir abwarten und beobachten, ob sich vielleicht ein Szenario wie unter El Hierro, vor nunmehr auch schon 10 Jahren wiederholt, als es dort im Oktober zu mindestens einer Eruption kam. - Auf El Hierro dauerte es mehrere Monate, bis sich die Magma einen Weg an die Oberfläche, die dort allerdings unter dem Meeresspiegel vor der Südküste lag, gefunden hat. - Auf La Palma liegen die Epizentren der vielen Hundert Beben auf einer Höhe zwischen El Remo und Zamora im Westen und entsprechend die selbe Lage auf der Ostseite, so wie das in den vorherigen Episoden auch war. - Ab San Nicolás Richtung Süden könnte man also sagen: Leute, überlegt mal gut, wo ich denn all die wichtigen Papiere habe und was ich für die kommenden Tage brauche, um im Zweifelsfall dann zügig Haus und Hof verlassen zu können. - Nicht jetzt gleich aufschrecken, das ist keine Warnung, nur eine Anregung. - Es ist immer noch eher wahrscheinlich, dass gar nichts passiert, als dass wir alle Zeitzeugen einer erneuten Eruption im Gebiet der Cumbre Vieja werden. - Aridanetal, und sowieso der Norden der Insel, sind momentan nicht im Auge des seismischen Motors Cumbre Vieja, aber auf einer aktiven Vulkaninsel lohnt sich ein Blick auf die folgenden Seiten des Nationalen Geografischen Institutes, des IGN, immer.





http://www.ign.es/web/resources/volcanologia/tproximos/canarias.html

Seismische Ereignisse auf den Kanarischen Inseln


https://www.ign.es/web/ign/portal/vlc-senales-sismicas/-/senales-sismicas/getDetalleDia?diadetalle=2021-09-13&estacion=PA01&tipoFO=2&tipoSP=2

Aufzeichnungen der Messstation TBT (Angustias) auf La Palma


https://www.ign.es/web/resources/volcanologia/html/CA_noticias.html

Aktuelle Notizen seitens des Geografischen Institutes zur Lage





Dienstag 14.09. 2021 El Paso 09:00 Uhr

"Herr Pevolca" zieht die Gelbe Karte
Planspiele und die kunstvolle Vermeidung schmutziger Worte


Das Leben ist kein feiner Strich. Es gibt natürlich weder Herrn oder Frau Pevolca, noch gibt es die Pevolcenden. Pevolca steht für "Plan de Emergencias Volcánicas de Canarias" und im Rahmen dieses "Plans für vulkanische Notlagen auf den Kanaren" tritt ein illustres Komitee zusammen, welches unseren Puls vorgibt. - Da sind Wissenschaftler, genau so wie Politiker und Sicherheitsbehörden beteiligt, und dieses Komitee hat nun beschlossen: Unsere vulkanische Ampel wird von Grün auf Gelb geschaltet, wir sollen also aufmerksam sein. - Weiter geht es mit "Orange" und dann vielleicht "Rot", es ist also noch reichlich Platz für gruselige Steigerungen. - Viel mehr als Aufmerksamkeit wird dem Volk ja eh meist nicht abverlangt, nur wissen wir natürlich nie so genau, auf wen wir denn eigentlich hören sollen. - Was im Falle von Covid, Feuer, Ryanair und FDP noch irgendwie kanalisierbar ist, wird im Falle einer vulkanischen Androhung deutlich konfuser. - Es weiß halt einfach keiner, was passieren wird und je mehr Ahnung die Leute in ihrem Titel wie Palmares mit sich schleppen, um so weniger werden diese auch konkret. - Darum schlägt in solchen Fällen die Stunde der Auguren und Poesiealbenvertreter und die allermeisten bemühen sich dabei hingebungsvoll, schmutzige Worte zu vermeiden. - Diese könnten lauten: Eruption, Evakuierung, Ascheregen und erneuter touristischer GaU. Also belassen wir es lieber bei der Aufmerksamkeit. - Wobei das mit dem Überlegen, wo man denn die wichtigen Sachen hat, nicht erst seit dem überraschenden Feuer im Aridanetal, vor nunmehr auch schon fast vier Wochen, doch eigentlich schon Alltag sein sollte. - Mehr können wir im Moment eh nicht tun und wenn jeder immer die Webseite des IGN alle zwei Minuten anklickt, dann kann niemand mehr diese Seiten erreichen. - Fakten gibt es ein paar Neue. - Es geht weiter mit den Beben, deren Hypozentren sich leicht nach oben richten, kaum noch ein Ereignis unter der 10 Kilometer. Marke. - Zwischen 7 und 9 Kilometer ist der momentane Stand und die Epizentren der Beben der letzten Stunden wandern Richtung Nordwest. - Der Osten ist kaum noch belegt, was aber nicht bedeuten muss, dass man dort schon wieder Katzenvideos gucken kann. - Insgesamt war die Nacht etwas ruhiger als die vorhergehende, wobei ein dicker Klopper von 3,9 um Sieben Uhr viele Leute im Aridanetal aus den Federn geworfen hat. - Aufgrund der Wanderung der Epizentren kann man die Anregung mit der virtuellen Kofferpackung inzwischen bis an die Kreuzung von Tajuya rücken und auch Puerto Naos deutlich mit einschließen. - Ansonsten werden wir heute im Laufe des Tages sicherlich wieder viel Sanftmut in den einschlägigen Medien erfahren und freuen uns den ein oder anderen Wissenschaftler, der sich vielleicht dann doch zu einer Aussage hinreißen lässt. - Wäre gar nicht verkehrt, dann müssten die Unwissenden nicht so häufig ranů




Hier meint man eine kleine Entlastung gegenüber dem Vortag (unten) erkennen zu können.




Unsere Ampel mit den vier Farben




Mittwoch 15.09. 2021 El Paso 10:00 Uhr

Ene mene miste, es rappelt in der Kiste
Sollen wir schon mal einen Namen suchen?


Das Leben ist kein Betriebsausflug. - Es geht munter weiter mit den seismischen Bewegungen im Westen der Insel La Palma. - Allerdings haben sich die Epizentren seit gestern nicht weiter in Richtung Nordwesten bewegt. - Sucht man einen imaginären Mittelpunkt der Aktivitäten, dann würde man wohl einen Platz oberhalb El Remos ausmachen, also ziemlich nah im Rahmen des Ereignisses, welches im Jahr 1949 als Eruption des San Juan Eingang in die vulkanische Geschichte der Insel erlangte. Allerdings ist das ungenau, da nur an die 20% der Beben überhaupt richtig lokalisierbar sind. - Die Hypozentren zeigen weiter eine ansteigende Tendenz, allerdings nicht in der Geschwindigkeit, welche deutlich auf eine baldige Eruption schließen lassen. - Aber auch hier ist der Unsicherheitsfaktor bei den Messungen groß, die meisten kleineren Beben gehen im "Krach" der größeren Ereignisse einfach unter und können nicht bestimmt werden. Insgesamt hat die Aktivität über Nacht wieder leicht zugenommen und manch einer wurde wiederum heute Morgen im Aridanetal leicht schüttelnd geweckt. - Unter uns bewegt sich also Magma und scheint unter Druck Ausgleich zu suchen und dazu sucht sich diese Masse den Weg des geringsten Widerstands. - Die seismischen Bewegungen entstehen beim Durchbruch der Magma in weitere Kammern und so heißt es auch nicht automatisch, dort wo das tapfere IGN das Hypozentrum ermittelt hat, befindet sich auch bereits Magma. Meist liegen noch mehrere Hundert Meter zwischen Bruchpunkt und Magma, manchmal auch mehrere Kilometer. - Auch liegt der Punkt des geringsten Widerstands nicht unbedingt dort, wo sich ein möglicher Mittelpunkt der Epizentren ermitteln lässt. Findet das Magma neue Wege, oder mehr Platz, dann sind schnell andere Koordinaten auf der Karte bepunktet. - Das IGN hat in den letzten Tagen eine Bodendeformation von 1,5 Zentimeter gemessen, was angesichts der vielen Beben und bereits freigesetzter Energie ziemlich gering erscheint. - Allerdings hinken hier die Daten auch immer ein bisschen der Aktualität hinterher und natürlich überlegen sich auch die Institute, wo und wann welche Daten veröffentlicht werden sollen. - Nicht unbedingt, weil man da Dinge geheim halten will, sondern weil man Alarmismus und Falschinformationen zu verhindern sucht. - So meldet zum Beispiel ein Online-Magazin: Magma befände sich bereits 1 Kilometer unter El Paso, nur weil das gemessene Hypozentrum eines seismischen Ereignisses mit 1 Kilometer Tiefe angegeben wurde. - Aber wir wissen doch bereits, die Tiefenmessungen sind sehr schwer und oft ungenau und wo ein Hypozentrum eines Bebens gemessen wird, muss noch lange kein Magma sein. - Zwischen Wachsamkeit und Alarmzustand liegen viele frei belegbare Felder und es fällt jedem schwer, auch den Spezialisten, genaue Analysen für ein ungenaues Phänomen zu finden. - Seien wir weiter aufmerksam, es ist auch nicht feige, die Papiere greifbar zu haben, aber noch sind wir nicht im Alarmzustand und weiter gilt die Parole: Es ist wahrscheinlicher, dass nichts passiert, als dass wir Zeitzeugen eines weiteren Bauabschnitts der Insel La Palma werden.




Auffällig, zwischen 09:00 und etwa 18:00 Uhr deutlich geringere Aktivität. - Ebbe und Flut auch bei Magma?



http://www.ign.es/web/resources/volcanologia/tproximos/canarias.html

Seismische Ereignisse auf den Kanarischen Inseln


https://www.ign.es/web/ign/portal/vlc-senales-sismicas/-/senales-sismicas/getDetalleDia?diadetalle=2021-09-14&estacion=PA01&tipoFO=2&tipoSP=2

Aufzeichnungen der Messstation TBT (Angustias) auf La Palma


https://www.ign.es/web/resources/volcanologia/html/CA_noticias.html

Aktuelle Notizen seitens des Geografischen Institutes zur Lage


https://www.facebook.com/VolcanesyCienciaHoy/

Sehr interessante Daten und Bemerkungen über unser rappeliges Thema





Donnerstag 16.09. 2021 El Paso 08:00 Uhr

Angespannte Ruhe
Kaffeepause oder Rückzug?


Das Leben ist kein Tarifvertrag. - Zunächst begann der gestrige Mittwoch reichlich bewegt. - Viele Beben und nun recht schnell ansteigende Hypozentren ließen viele Beobachter dann doch nervös werden. - Einige der seismischen Bewegungen wurden, selbst nach Überprüfung durch das Nationale Geografische Institut, bei nur noch 1 bis 3 Kilometer Tiefe registriert und spätestens jetzt musste man feststellen, das Ding wird ernst. - Dazu reichte das IGN auch noch die geodätischen Daten nach und meldete nun eine maximale Deformation des südwestlichen Teils der Cumbre Vieja von doch 6 Zentimetern in vertikaler Richtung. - Also deutlich mehr, als noch die 1,5 Zentimeter, welche am Vortag gemessen wurden und auch bereitete man eine eindrucksvolle Karte, wo denn die Bodenanhebung stattgefunden hat. - Inzwischen begannen die Stadträte wie Gemeindemitarbeiter El Pasos die Mitbürger San Nicolás´ wie Jedey zu besuchen, um ihnen Hinweise über das Verhalten bei einer drohenden Eruption zu geben. - Darüber hinaus wollte man natürlich auch feststellen, wo denn im Falle einer Evakuierung hilfsbedürftige Menschen wohnen, um diesen Transporte zur Verfügung zu stellen. - Ein sicherlich guter Schritt der Gemeinde, welche sich nicht scheut, lieber Vorsicht als Gelassenheit zu demonstrieren. - Liegt sicherlich auch daran, dass es noch reichlich Bewohner des Tals gibt, welche gleich zwei Eruptionen (San Juan 1949 und Teneguía 1971) mitbekommen haben. - Eigentlich keine "große Sache", allerdings hatten wir in beiden Episoden mehr Glück als Verstand und vor allem war die Region bei weitem nicht so dicht besiedelt wie heute. - Inzwischen sah man auch Fahrzeuge der Regierung der Kanarischen Inseln mit dem Hinweis auf Vulkanologie und auch schickten IGN sowie die Involcan Mitarbeiter nach La Palma, um uns noch ein bisschen nervöser zu machen. - Dabei ist das Sammeln von Daten äußerst wichtig, gelingt es doch deutlich besser eine vulkanische Eruption zeitlich zumindest rahmen zu können, als ein tektonisches Beben vorherzusagen. - Dazu allerdings braucht man jede Menge Daten und diese stehen inzwischen auch zur Verfügung, wobei natürlich gut dosiert auch diese Grafiken, Tabellen und Zahlenkolonnen unter das Laienvolk und Journaille gestreut werden. - Ich kann es immer nur wiederholen: Schlecht interpretierte, oder gar wissentlich dramatisierte Meldungen sind nicht nur kontraproduktiv, sondern können sogar gefährlich sein.

Etwa gegen Mittag des gestrigen 15.9. trat dann eine Änderung im Gesamtbild der vulkanischen Aktivität auf. - Die Hypozentren sanken zum Teil wieder auf bis zu 10 Kilometer ab und sowohl Anzahl als auch Stärke der Beben nahmen deutlich ab. - Auch scheint es eine Rückwärtsbewegung der Epizentren zu geben, nachdem bislang sich alles nach Nordwest begeben hatte, rücken nun die ermittelten Daten wieder mehr Lokalitäten weiter im Süden. - Das letzte seismische Ereignis (Beben ist eigentlich bis Stärke 3 eine Übertreibung) mit einem Wert von über 2 fand kurz vor 22:00 Uhr statt. Danach zählten wir bis 05:00 Uhr morgens lediglich weitere 30 Bewegungen, welche allesamt rund um den Wert 1 bewertet wurden und deren Hypozentren die Technik des IGN zwischen 4 und 11 Kilometer lokalisiert hat. - Klarer Kurswechsel, oder nur eine Kaffeepause der schwer arbeitenden Vulkanschaffenden? - Mit der richtigen Antwort könnte man damit den goldenen Bimsstein gewinnen. - So einfach kommen wir aber nicht davon, wir wissen aus anderen Episoden, auch aus der jüngsten bei, vor und unter El Hierro, dass solche Pausen wohl auch zum magmatischen Vorspiel gehören können und wir noch nicht durch sind. - Kann natürlich auch sein, dass diese Schwarmbeben jetzt zunächst vorbei sind und wir erst wieder in ein paar Wochen dran sind, wenn der Hotspot unter unserem Archipel wieder mal die Cumbre Vieja besuchen will. - Auffällig dabei ist, wenn auch nicht wissenschaftlich konkretisiert: Immer, wenn es unter La Palma ruckelt und brodelt, dann haben die anderen Zentren der Aufmerksamkeit vulkanischer Aktivität der Kanaren Pause. - Auch jetzt wieder ganz deutlich: In den letzten Tagen fand weder unter El Hierro, noch im südwestliche Bereich des Teide und auch nicht zwischen Tenerife und Gran Canaria seismische Aktivität von auch nur geringer Bedeutung statt. - Der aktive Hotspot unter der Kanaren scheint also vier Türen zu haben, von denen eine die Cumbre Vieja auf La Palma ist und hier klopft gerade das Magma an und bittet um Auslass. - Der heutige Tag beginnt aber sehr ruhig und mit der Hoffnung, wieder mal nur einen kleinen Schreck erfahren zu haben. - Von Entspannung sind wir aber noch weit entfernt und weiter gilt der Hinweis: Ab Kreuzung Tajuya nach Süden dürfen alle schon mal überlegen, was denn in den Ausflugskoffer muss, sollte man das Zeichen für eine eventuelle Evakuierung geben.




Deutlich zu sehen, besonders im Vergleich zu den Vortagen (runterscrollen), viel geringere seismische Aktivität




Grafische Darstellung des IGN, wo sich denn vertikale Veränderungen auf der Insel zeigen. - Dort im roten Bereich, im Südwesten, dort lokalisiert man auch die größte Möglichkeit einer Eruption. - Allerdings gibt es genügend Fallbeispiele, in denen auch außerhalb der ermittelten Zonen Eruptionen stattgefunden haben.




Freitag 17.09. 2021 El Paso 08:00 Uhr

Schichtbetrieb im Vulkan
Die Vierte Welle


Das Leben ist kein Maßanzug. - Auf den Grafiken des Instituto Geográfico Nacional kann man ganz gut verfolgen, dass die seismische Aktivität der Cumbre Vieja in Wellen vor sich geht. - Augenblicklich befinden wir uns in oder nach der Vierten Welle und keiner weiß auch nur annähernd, wie viele noch stattfinden müssen oder werden. - Weniger leicht sichtbar ist, dass die Dritte und Vierte Welle schwächer ausgefallen sind, besonders als der erste seismische Schwarm, bei Beginn dieser vulkanischen Episode am 12. September. - Das kann einerseits bedeuten, dass der Druck des nachströmenden Magmas aus dem Hotspot unter den Kanaren nachlässt. Auf der anderen Seite allerdings mag das auch heißen, das aufsteigende und sich ausbreitende Magma findet momentan weniger Widerstand. - Dass es überhaupt wellenförmige Bewegungen in der Heftigkeit der seismischen Aktivität gibt, lässt sich wieder einfacher erklären: Nach jedem größeren Geländedurchbruch, der eben mit stärkerem Lärm stattfindet, kann sich das Magma einfacher und ohne größeren Widerstand ausbreiten. - Stoßen die flüssigen Massen dann erneut auf dichtere Schichten, dann ist wieder seismische Aktivität im größeren Umfang angesagt. - Was bleibt ist die, inzwischen leichte Tendenz der Hypozentren nach oben, allerdings lässt sich keine Beschleunigung der Wanderungen erkennen. - Aus den bereits gewonnenen Daten errechnete man inzwischen eine Menge von 11 Millionen Kubikmeter Magma, welche unter der Insel in Bewegung sind. - Das ist im Vergleich mit El Hierro (330 Millionen Kubikmeter allein bei der letzten und einzig nachgewiesenen Eruption) sehr wenig. Allerdings errechnet sich die Menge des Magma aus dem derzeitigen Stand der Bodenerhebung von 10 Zentimeter im südwestlichen Bereich der Cumbre Vieja und müsste natürlich bei jeder Veränderung auch angepasst werden. - Zugleich ist die bereits freigesetzte Energie der seismischen Bewegungen um ein Vielfaches höher als auf El Hierro. - Das steht zunächst im Widerspruch, kann aber auch mit der unterschiedlichen geologischen Zusammensetzung im Untergrund beider Inseln zu tun haben. - Aber es bleiben eben viele Fragezeichen und als wir uns vor 10 Jahren eingehend mit den Vorgängen auf El Hierro beschäftigt haben suchten wir dafür, meist vergeblich, nach Vergleichen. Heute neigen wir El Hierro als Blaupause unserer vulkanischen Episode zu betrachten und könnten dabei zu datenverliebt agieren.

Das allermeiste ist reine Spekulation, was denn in den kommenden Wochen und Monaten passieren wird. - Aber spielen wir mal das Szenario einer Eruption an der Oberfläche durch und nehmen dazu als Vorlage die Ausbrüche der letzten paar Hundert Jahre auf den Kanaren. - Im nahen Vorfeld der Eruption steigen sowohl die Anzahl der kleinen Beben wie auch deren Hypozentren stark an. - Eben bis ein, oder mehrere große Beben, wohl zwischen Stärke 4 - 5 endgültig den Weg des Magma an die Oberfläche ermöglichen. - Wie explosiv diese letzten Meter verlaufen, hängt sehr von der Geländestruktur ab und auch ob sich Wasser in der zu durchdringenden Gesteinsschicht befindet. - Kurz vor dem Ausbruch findet man starke Bodendeformationen, welche mehrere Meter ausmachen können. - Heiße Gase treten aus, die Vegetation nimmt Schaden und Spalten wie Risse im Boden tun sich auf. - Was man jetzt macht, das ist rennen und die 112 anrufen, in der Reihenfolge. - Sobald sich der Schlot öffnet, kann das Magma entweichen und so sinkt der Druck augenblicklich ab und aus den vielen vorhergegangenen Beben wird ein ständiger Tremor von sehr geringer seismischer Wirkung, welcher eben die Fließbewegung des flüssigen Gesteins wiedergibt. - Je nach Windrichtung formt sich, besonders zu Beginn der Eruption, ein Krater aus Lavagrus, welcher dann auch in Maßen den Weg des abfließenden, nun Lava genannten flüssigen Gesteins, bestimmen kann. - Die Gefahrenstelle, rund um den Schlot und Krater ist meist gar nicht groß, vielleicht kann man 500 Meter Umkreis nennen, allerdings sind die Auswirkungen, auf alles was unterhalb des Auswurfkraters liegt, enorm. - Unsere Lava fließt sehr zäh und langsam, man sollte theoretisch zu Fuß da mithalten. Allerdings kann man kein Haus und keinen Garten mitnehmen und auch die vorhandenen Infrastrukturen nicht schützen. - Aufgrund der dichten Besiedlung unserer Insel im Westen kann dabei erheblicher Schaden entstehen. - Wie lange dann solch ein Lavafluss dauert, das hängt von der aufgestiegenen Menge Magma unter der Insel ab und auch, ob sich lediglich ein Schlot aufgetan hat oder gleich mehrere dieser Auslässe geöffnet haben. - Eine Woche bis mehrere Monate stehen als Beispiele an. - Die Frage der Nachfahren Gretchens ist nun: Wo genau entsteht nun die Auswurfstelle und darauf fällt eine Antwort nicht nur schwer, sondern ist, seriös betrachtet, unmöglich. - Man kann davon ausgehen, dass es wohl im Bereich der meisten vorangegangenen seismischen Ereignisse auch zu einem Ausgang an die Oberfläche kommt, aber es gibt auch genügend Beispiele, dass sich das Magma einen anderen Weg an die Oberfläche sucht. - Wir spielen das ja auch nur durch, ganz laienhaft und ohne jeglichen Anspruch auf Richtigkeit. - Weiter bleibt die Grundaussage der wirklichen Spezialisten klar: Es ist nach wie vor deutlich wahrscheinlicher, dass es nicht zu einer Eruption kommt. - Eher erwartet man, dass die vorhandene Menge an Magma nicht den ausreichenden Druck ausüben kann, sich einen Ausgang über die Oberfläche zu verschaffen. - Vorerst nicht. - Aber wir bleiben äußerst wachsam und saugen weiterhin alle Daten und Nachrichten zu dem, ausgesprochen autochthonem kanarischen Thema, gierig auf.




Richtig am Arbeiten, nur zwischen 10:00 und 16:00 Uhr...




Aus dieser Grafik geht wunderbar hervor, wie sich die vier bisherigen Wellen aufbauen. - Danke an Volcano Discovery





Samstag 18.09. 2021 El Paso 09:00 Uhr

Weniger ist näher
Hinhaltetaktik


Das Leben ist kein einzelnes Kapitel. Den gestrigen Tag über war es sehr ruhig, man konnte kaum noch Beben feststellen. - Inzwischen erkennt man auf dem Seismogramm sogar schon wieder den "normalen" Tageskrach, welcher durch menschlichen Einfluss wie Maschinen und Erdbewegungen verursacht wird. Gegen Abend wurde es wieder etwas bewegter mit einem stärkeren Beben von 3,2 um 03:26. - Die anderen Bewegungen waren meist unter 2 und wenn man überhaupt eine Migration der Epizentren wahrnehmen möchte, dann geht es ein bisschen zurück in Richtung Süden. - Die Hypozentren verändern sich auch nicht mehr, wobei seit drei Tagen bereits kaum mehr Tiefen im zweistelligen Bereich zu finden sind. - Auf einer Grafik des "Vulcano Dicovery" erkennt man die Aufwärtsbewegung der Hypozentren sehr gut, wobei das in der letzten Nacht nicht mehr auffällig war. - Es geht also weiter, wer gestern bereits an eine dauerhafte Entspannung glauben wollte, der muss sich noch etwas gedulden. - Die geringere Anzahl an Beben kann auch bedeuten, dass das Magma sich momentan einfacher in der jetzt vorgefundenen Schicht bewegen kann und nicht mehr so viel Fels brechen muss, um sich Platz zu verschaffen. - Wir müssen weiter abwarten und heute will man alle Messergebnisse zusammentragen und auf einem erneuten Treffen der "Pevolca" zur Auswertung bringen. Auch erwarten wir heute ein interessantes Flugzeug, auch wegen seiner Bauart, die Cessna Skymaster verfügt über 2 Propeller. - Das alleine ist nichts ungewöhnliches, allerdings befindet sich einer davon wie üblich am Bug, der zweite am Heck. - Eingesetzt wird diese Maschine üblicherweise bei der Waldbrandbekämpfung und jetzt will man die Cessna zur Überwachung der Cumbre Vieja einsetzen. - Was da alles für Technik an Bord ist, das wird man uns schon noch in wärmsten Worten erklären, auch jeden Fall erkennt man auch daran, dass die nationalen Geologen und zuständige Behörden unsere kleine Rumpelkrise mit eventuell eruptivem Finale schon ernst nehmen. - Ab Nachmittag sollten wir dann mit Presseerklärungen rechnen können und sehen vielleicht schon etwas klarer. - Interessant dabei ist natürlich auch, wie sehen mögliche Evakuierungspläne aus und wer vor allem soll bereits den Koffer packen und nicht nur darüber nachdenken, was man denn da alles reingeben könnte. - Nichts Neues im Westen über Nacht. - Es war ruhig, bis auf eine zittrige Ausnahme und es bleibt weiterhin äußerst spannend.




Zwischen 06:00 und 19:00 Uhr ist einiges an Krach auf dem Seismogramm menschlichen Ursprungs. Grafik IGN




Hier ein Überblick über die Anzahl der lokalisierten Beben seit dem 11.9.2021 unter La Palma Grafik IGN




Hier werden Tiefe und Magnituden der lokalisierbaren Beben seit dem 11.9.2021 angezeigt. Grafik Vulcano Discovery





Samstag 18.09. 2021 El Paso 16:00 Uhr

Informationsveranstaltungen in Sachen möglicher Vulkaneruption

Für die Einwohner aus Las Manchas de Abajo, San Nicolás und Jedey um 18:00 Uhr heute, Samstag den 18.9.2021.

Für die Bewohner aus La Bombilla, El Remo und Puerto Naos um 19:30 Uhr, auch heute Samstag den 18.9.2021

Treffpunkt das Stadion für Lucha Canaria in San Nicolás. (Abzweig LP 212 / LP 2) Pro Haushalt nur eine Person, sonst gibt es Platzprobleme.









Familie Ingrid & Mathias Siebold
Calle el Torreón 5/7
E-38750 El Paso
La Palma, Islas Canarias, Spanien
Telefon: + 34 922 497 216
WhatsApp: + 34 616 167 775
email: m.siebold@casamartin.de

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