Kolumne La Palma Aktuell

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Neuester Eintrag vom 01.03.2023


Mittwoch 01.03.2022 El Paso 16:00 Uhr

Nur reiche Indianer sind gute Indianer
Das Kreuz mit Traditionen und unkultureller Aneignung



Zunächst allerdings müssen Sie die paar Zeiten Weltschmerz überstehen, die meist am Anfang meiner auslassenden Einlassungen gleich potenzielle Querleser abwürgen soll. - Warum gibt sich eigentlich der Putin so viele Mühe, wenn Erdbeben und schlechte Bauweise mindestens die gleichen Bilder produzieren können wie in Mariupol und Grosny? - Und wie schaffen wir es hier, mit unserer "Katastrophe" angesichts der Bilder aus der Osttürkei und Syrien noch mehr Hilfen aus Öffentlicher Hand ganz selbstverständlich zu fordern? - Wohl dem, der die Frage zuerst stellt, der stiehlt sich so zumindest aus der Pflicht der Antwort und der Peinlichkeit der Gegenfrage. Die Nähe einer Katastrophe ist natürlich wichtig, daraus entwickelt sich eine Hierarchie der Betroffenheitspflicht und zeigt an, ab welchem Kilometer man der Scham entbunden ist, trotz der Bilder aus der Todeszone, die ungenaue Härte seines Frühstückseies zu kritisieren. Kein Spendenaufruf, keine Kleidersammlungen, keine Solidaritätskundgebungen. - Mag auch sein, da bei uns sehr wenige türkische und noch weniger syrische Akzente den Alltag mitbestimmen, aber dennoch bleibt mir ein schaler Beigeschmack nach getrocknetem Eiter im Halse stecken. - Immerhin, eine Protestkundgebung gegen den erlahmenden Geldfluss in Sachen Vulkanopfer aus Händen der öffentlichen Hand wurde abgesagt. - Mein Gott, wo denke ich hin? - Doch nicht aus Pietät, sondern weil das zusammen mit dem Karneval einfach nicht machbar ist. - Dann würde doch keiner kommen, man muss doch klare Prioritäten setzen und in Sachen traditioneller Freudverkündungen kennen wir keinen Spaß. - Aber auch ich habe meinen Alltag wegen der Erbeben im Kurdengebiet nicht verändert und es gelingt mir erschreckend einfach, mir meine eigenen Entschuldigungen wie einen zu breiten Mantel hinzuhalten. - Aber so sind wir Menschen halt, mal große Sünder, mal kleine Sünder, aber immer Groß oder Kleinů Gut, dass menschliche Gehirne große Ablaufrinnen für selbst gebrautes Moralin haben, sonst könnten wir ja kaum weiter über den Alltag plaudern.

Der Gipfel des schlechten Geschmacks könnte ja sein, wenn man sich jetzt auch noch über acht Wochen Kälte am Stück aufregt. - Aber das dient ja auch nur dem wissenschaftlichen Interesse und ob das jetzt Wetter wie "früher" war, oder bereits die Folgen des angekündigten Klimawandels. - Nein, es wird nicht überall wärmer werden und sowieso nicht andauernd, auch das haben wir doch längst kapiert. - Wenn wir uns nun die begleitende, (eigentlich ursächliche) Großwetterlage zu der Kälte seit Jahresende angucken, dann stellen wir schon klimawandeltaugliche Übereinstimmungen fest. - Die Wetterlagen werden stabiler und so bleibt es eben länger kalt, nass, trocken, heiß, als bei schnellen Wetterkapriolen sonst. - Wir haben die ganze Zeit Hochdruck, wie meist im Sommer, also Azorenhoch stabil wie Strack-Zimmermanns Frisur. - Für den Winter halt ungewöhnlich, da uns in der Jahreszeit sonst tropische Tiefausläufer, auf ihren schnellen Galopp über den Atlantik von West nach Ost, immer mal wieder besuchen. - Das bedeutet meist, eine Woche wärmere Luft und ein bisschen bis reichlich Regen aus dem Westen. - Und damit ein Auf und Ab der Temperaturen, da diese Tiefs warme Luft aus dem Golf von Mexiko zu uns bringen. - Ist allerdings das Hoch über dem Nordatlantik so stabil wie diesen Winter, dann treibt es die Tiefs viel zu weit nördlich an den Kanaren vorbei und wir bleiben mit unserer kalten Luft aus dem hohen Norden auf Pulswärmerniveau. - Was im Sommer unser Klima auf Höhe der Sahara wunderbar erträglich macht, das kommt im Winter halt in Unaussprechlichen daher und ob das jetzt gut ist oder nicht, das überlasse ich jedem selbst zu entscheiden. - Es gibt zwar auch Vorsagemodelle, welche auch für die Kanaren eine deutliche Erwärmung prognostizieren, allerdings spüren wir das noch nicht. - Aber bitte Vorsicht, ich weiß ja auch immer noch nicht, ist das jetzt noch komisches Wetter, oder schon morgiges Klima?

Für die Vegetation hier ist das bislang überhaupt kein Problem, eher im Gegenteil. - Das Wasser kommt trotzdem in Form von feuchten Passatwinden. Im Westen sorgen häufiger auftretenden Höhentiefs für, oft sogar reichlich ausfallende Niederschläge. - Was dem Landmann gut gefällt, ist meist nicht im Sinne des Urlaubsgastes und so gab es lange Nasen wie Unterhosen reichlich in diesem frühen Jahr. - Selten haben wir so viel geheizt, wie diesen Winter, aber Sie wissen ja, das machen wir entweder mit eigenem Schnittholz, oder aus Solarenergie, also lasse ich dabei mögliches schlechtes Gretagewissen weit außen vor. - Aber noch was können wir beobachten. - Twomey nennen wir das Ärgernis für Reisende und Solaranlagenbesitzer hier im Tal. - So gegen 10:00 Uhr beginnt das Spektakel zunächst als unscheinbares weißes Wölkchen über dem Vulkan, um dann ab 11:30 als schwarze Wolke fast das ganze Aridanetal abzudecken. - Was früher, als alles anders und nur manches besser war, die "Wolke von Jedey" war, das ist momentan die Vulkanwolke nach "Twomey" und der entgehen wir meist nur bei Südwind oder überhaupt sehr kräftigem Passat. - Dabei kommt die Wolke nicht wirklich nur aus dem Krater, sondern auch der obere Teil des Lavastromes scheint noch so viele Schwefelpartikel auszustoßen, dass es zu dieser Wolkenbildung kommt. - Mal sehen, wie lange uns dieses Phänomen noch begleitet und überhaupt, ob sich der Eindruck mit den noch stabileren Wetterlagen auch dieses Jahr erneut verhärtet. Aber die Insel und auch das Aridanetal sind die vergangenen Jahre wieder grüner geworden. - Sehen wir mal von den, immer noch schwarz dominierenden Ascheablagerungen südlich der Lavazunge ab, dann finden wir saftigere Berghänge als noch vor 10 Jahren. - Wir haben uns doch so beklagt, dass die Südseite des Bejenado schon eher gelblich daherkommt und viele der Mandelbäume unterhalb der Kiefernzone nicht mehr blühen. - Das ist dieses Jahr anders, selbst bei uns um Garten beweisen zwei alte Mandeln, dass es richtig war, diese noch nicht zu fällen, obwohl wir schon lange dachten, die seien längst tot.

Unser Garten hat sowieso von dem Ascheregen profitiert, inzwischen gibt es nur noch ganz wenige Pflanzen, die unter dem Lavasand leiden. - Die Aloe gehört noch zu den Zauderern und manches andere Dickblattgewächs, aber einmal in die Erde eingearbeitet, führt die Lavaasche dem Boden und somit den Pflanzen nicht nur Mineralien zu, sondern hält auch die Feuchtigkeit besser. - Allerdings muss man, auch dünne Schichten unbedingt in den Boden einarbeiten, liegt der Lavasand oder der Grus auf der Erden, dann entzieht das schwarze Pulver den oberen Erdschichten sogar das Wasser. - Liegt allerdings so viel Asche wie in vielen Regionen südlich der Lavazunge, dann muss das Zeug auf jeden Fall weg. - In vielen privaten Grundstücken ist das nun bereits geschehen, allerdings weht der Passat immer wieder reichlich des Sandes über bereits geräumte Flächen und viele Gärtner und Eigentümer dort haben es verzweifelt aufgegeben, gegen die Sandmassen wieder und wieder anzuarbeiten. - Da man ja davon ausgehen sollte, dass der obere Teil der Lavalandschaft (wahrscheinlich ab LP2 nach Norden) zum Landschaftsschutzgebiet wird, bleibt also den meisten Anwohnern dort der Aschesegen sicher noch viele Jahre erhalten. - Der Wein hat wenig gelitten, die Palmen sowieso nicht und selbst nahe Kiefern am Vulkan treiben bereits wieder aus. - Es gibt sie also schon, die Nutznießer der Katastrophe, denn viele kleinere Gewächse in der Umgebung sind weg, also wieder mehr Raum für Kiefern, Wein und Palmen. - Gemüse baut man im lavanahen Teil im südlichen Bereich kaum noch an, der ewige Kampf mit dem Sand macht nicht nur den Kohlrabi mürbe, sondern noch eher den Gärtner. - Die Zweiteilung des Aridanetals bleibt also auch über ein Jahr nach Beendigung des Vulkanausbruchs erhalten und der Süden ist weiterhin deutlicher Verlierer in Sachen Rekuperation. - Darüber hinaus könnte man als aufmerksamer Beobachter der Situation auch darauf schließen, dass es gar keine wirkliche Hingabe seitens der Behörden gibt, auch den Bereich San Nicolas, Todoque bis hin nach Jedey wieder ins Aridanetal zu holen. - Betrachtet man die Urbanisierungspläne, welche nach und nach in die Öffentlichkeit gelangen, dann finden wir neue Bebauungspläne lediglich für die Nordseite und angrenzend an den Lavastrom von La Laguna aus. - Natürlich hat man dabei im Hintergrund den Gedanken: Es wird sowieso wieder passieren und eher südlich des jetzigen neuen Lavastromes und wohl weniger nördlich davon.

Dennoch hat man auch mit reichlich öffentlichen Geldern versucht, den Eigentümern im südlichen Bereich der Lavazunge eine Wiederkehr schmackhafter zu machen. Die Hilfskräfte der "Gesplan" (Gesplan - Gestión y Planeamiento Territorial y Medio Ambiental, S.A.) taten sich hier besonders hervor. - Extra für den Zweck hatte man tausende an Arbeitskräften eingestellt und leider die Mehrzahl davon im letzten November bereits wieder entlassen. - Mit "Zamuros" Schaufeln und Schubkarren zogen diese Vulkansoldaten gegen die Aschemassen in einen, fast aussichtslosen Kampf. - Ein paar Hundert allerdings arbeiten noch weiter für den Betrieb in der Hand des Gobierno de Canarias, allerdings werden wohl die Regional- und Kommunalwahlen im Mai darüber entscheiden, wie es mit den vielen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen weitergeht. - Man fürchtet halt generell, dass dieses viele Geld, welches mit und nach dem Vulkan auf La Palma angekommen ist, nun bald wieder versiegt. Als bunte Nebenschauplätze im generellen Neidgerangel gibt es natürlich auch immer die gleichen Vorwürfen, nie käme das Geld dort an, wo es eigentlich hingehöre. - Aber das kennen wir ja von überall her und ich kann Ihnen leider auch nicht erklären, warum es noch keiner verantwortlichen politischen Gruppe gelungen ist, Hilfsgelder nach tatsächlicher Notwendigkeit zu verteilen. Von den vielen Bürgerplattformen in Sachen Opfervertretung, der vom Vulkan Geschädigten, sind nur noch wenige aktiv. - Jetzt geht es meist um juristische Beratung für diejenigen, welche sich über den Krater gezogen fühlen. - Andere versuchen Fahrlässigkeiten im Umgang mit der Vulkankatastrophe finden, wohl mit dem Hintergedanken, daraus Schadensersatzansprüche zu kreieren. - Weiter ganz offen bleibt die Entwicklung in Puerto Naos und La Bombilla. - Die gemessenen Werte in Sachen gefährlicher Gase, vor allem CO2, sind weiterhin sehr hoch. - Zwar nur an wenigen Stellen und in Kellern und Erdgeschossen, aber es lässt sich immer noch nicht voraussagen, wann man denn diese beiden Siedlungen wieder öffnen könnte. - Nicht nur, weil der touristische Markt auf der Insel Puerto Naos deutlich braucht, auch belasten ja die vielen Ausquartierten weiterhin den Immobilienmarkt deutlich.

Dabei fällt auf, wie wenig diese dringlichen Probleme im Kommunalwahlkampf herangezogen werden. - Im Mai wählen in Spanien die Autonomen Regionen und die Gemeinden ihre neuen oder alten Vertreter und zusätzlich wird dabei auch noch die politische Resteverwertung Richtung Brüssel bestimmt. - Landesweit finden im November die nächsten Wahlen statt, erst dann muss Pedro Sánchez um weitere verantwortliche Jahre kämpfen. - Wenn er denn überhaupt will. - Das Wollen scheint auch hier auf La Palma in so einigen Gemeinden das Hauptproblem zu werden. - Dort, wo eine Partei stark ist, dort sucht der Protagonist meist einen Weg in kanarische Parlament und in anderen Kommunen, da fällt es zusehend schwerer, anständige Bürger für ein anständig anstrengendes Amt begeistern zu können. - Nehmen wir als Beispiel El Paso. - Unser Derwisch in Sachen Bürgermeisteramt, Sergio Rodríguez, der möchte ganz sicher ins kanarische Parlament, handelt man ihn in seiner Partei, der Coalición Canaria, doch als Mann mit großer Zukunft. - Allerdings braucht man ihn auch als Zugpferd in El Paso selbst, denn große Leute hinterlassen unter und besonders neben sich meist große Lücken oder Hohlräume und so könnte das Ganze zum Faeserschen Bauerntheater verkommen. - Die anderen Parteien in El Paso trauen sich allerdings gar nicht irgendwelche Kandidaten zu nennen, wer schon bitte opfert sich der übermächtigen Sergiokratie als willfähriges Oppositionsschlachtvieh. - Und um ihn herum sind die Stadträte seiner Gruppierung komplett ausgebrannt, denn Sergio fordert nicht nur von sich permanente Präsenz und Aktivität. - So steht zum Beispiel in El Paso, aber auch in anderen Gemeinden, zwei Monate vor den Wahlen noch kein einziger Kandidat der einzelnen Gruppierungen fest. - Wahlkampf gegen Unbekannt könnte man das nennen, aber dennoch begleitet uns diese Brunstphase der plakativen Demokratie bereits in vollen, meist sehr plumpen medialen Schüben.

Böse Zungen, von denen ich natürlich keine persönlich kenne, die behaupten ja oft: Der Wahlkampf sei die einzige Zeit in welcher regionale Politiker wirklich kurz arbeiten müssen. - Das stimmt in den meisten Fällen nicht, nur geschieht eben die Tagesarbeit der Rätinnen und Räte nicht immer in breiter Öffentlichkeit. - Meist interessiert sich auch niemand wirklich dafür, denn Tagespolitik auf kommunaler- oder regionaler Ebene ist vieles, aber nicht prickelnd. - Noch schwerer hat es da die Opposition, außer Pressemeldungen mit Jammercharakter kann man sich sonst gar nicht zeigen. - So bleibt auch in der Demokratie die Aufmerksamkeit den paar brüllenden Alphas überlassen, wobei inzwischen das Geschlecht dabei so gut wie keine Rolle mehr spielt. - So sind Medienprofis wichtiger für die Parteien, als Fachkompetenz und mal so ganz unter uns, das liegt auch wieder daran, weil wir, das Wahlvolk, sich überhaupt nicht die Mühe machen will, mal hinter die Kulissen der scheinbar fremden Welt Politik blicken zu wollen. So zeigt man uns Prestigeprojekte und Personalien mit Conférencierqualitäten, der Maschinenraum der Legislative bleibt aber auch heute wieder weit versteckt unter der Wasserlinie. - Brücken, Straßen, Hotels und einfach mal 2 Milliarden Vulkanaufbauhilfe, statt nur einer, so läuft dann der Wahlkampf in der Öffentlichkeit ab. - Auch wenn kaum eines dieser Projekte überhaupt eine Chance hat, auch nur den nächsten Wahltermin zu erleben, die Presse greift diese Fanale gerne auf, denn neue Handläufe für die Altentagesstätte, oder verbesserte Müllcontainer für den Alltagsgebrauch, sind nicht wirklich lockend. - Echte Innovationen sucht man aber auch auf der virtuellen Ebene vergebens. Wie wäre es denn mit Wasserstoffproduktion statt Bananen auf der Lava? Oder Neuerfindung des öffentlichen Nahverkehrs, statt breiten Magistralen damit der zukünftige Individualverkehr schnell an allem vorbeifahren kann? Nichts Neues an der Front, die Politik passt sich gnadenlos dem Desinteresse der Bevölkerung an und kümmert sich weiterhin meist um ihre Kernkompetenz, die Erfüllung von lobbyistischen Feuchtträumen.

Touristisch läuft es weiterhin stockend. - Die meisten Probleme sind ja allseits bekannt, auch wenn Covid und der Vulkan bereits leidlich abgearbeitet sind. - Bleiben noch der Krieg und seine unbekannten Folgen, außer der Angst, das sowieso alles anders werden wird. Es muss ja aber nicht immer alles schlechter werden, nur baut sich ja seit Jahren bereits das Schreckgespenst Monopol auf, welches in Form von booking.com nach Amazonschen Ausmaßen greift. Auf der einen Seite bringt uns diese Form der Buchungsmöglichkeiten auch neue Kunden, allerdings nimmt uns diese Plattform bereits mittelfristig sämtliche Entwicklungsmöglichkeiten. - Auch verschiebt sich die Wertschöpfungskette in Sachen Vermittlung weg von der Insel und Qualitätsstandards werden nach internationalen Kriterien abgearbeitet und nicht nach den Eigenarten der Region. - Langfristig ist allerdings die Monopolisierung der Vermittlung sogar noch dramatischer als Covid und Vulkan zusammen, nur wollen die meisten Menschen das nicht wirklich begreifen. - Wir geben da was aus der Hand, was eigentlich extrem wichtig ist, nämlich die Vermittlung zwischen Gast und Gastgeber und erlauben Dritten und sowieso fremd bewerteten Algorithmen den Rhythmus unserer touristischen Entwicklung vorzugeben. - Wenn dann irgendwann auch KI, also künstliche Idiotie die zukünftige touristische Entwicklung unseres Inselchens übernehmen soll, dann wissen wir doch schon locker im voraus, wer dann der reelle Idiot sein wird. - Man muss nicht alles mitmachen, nur weil es andere machen und vielleicht ist die Nische der Inkompatibilität und Massenuntauglichkeit ja doch eher unsere Heimat als gesichts- und kantenlose Vergleichbarkeit. - Die Fluggesellschaften sind momentan erneut das Hauptproblem für reibungslosen La Palma Urlaub. Seit Flugpläne generell nur noch flatterhafte Serviervorschläge sind, bröckelt unser, bislang bruchsicher geglaubtes Stammpublikum, langsam weg. - Weniger die Kosten für den Flug schrecken manche ab, aber wenn man in der gleichen Zeit auch nach Boston oder Dubai fliegen kann oder gleich mehrere europäische Flughäfen kennenlernt, auf einer Mittelstrecke, dann machen wir es vielen Menschen unnötig schwer, zu uns zu kommen. - Fehlt wirklich nur die "Kritische Masse" an Hotelbetten, um die Carrier beruhigt La Palma ansteuern zu lassen, oder ändert sich einfach die komplette Branche der Ferienfliegerei dramatisch? - Im Sommer setzt man wieder komplett auf nationalen Tourismus, am liebsten von den anderen Kanareninseln. - Dazu wird der "Bono La Palma" wieder aufgelegt, ein tausendfach ausgestellter Gutschein über 250 Euro soll Nachbarn auf die Grüne Insel locken. - Das bringt viel an der Zahl der Gäste, sicherlich, und wenn man lieber in der Statistik Anzahl der Klienten statt Übernachtungszahlen als Grundlage für Erfolgsermittlung nimmt, dann erreicht man so sein Ziel. - Allerdings ist die mittlere Aufenthaltsdauer für La Palma Urlauber seit Jahren rückläufig. Von lockeren 10 Tagen noch vor Corona, sind wir jetzt bei 3 Tagen angekommen. - Schlecht für alle Übernachtungsbetriebe, denn häufig wechselnde Gäste sind viel aufwendiger als solche, die eine oder gar mehrere Wochen bleiben. - Darüber hinaus machen die Wochenendbuchung über den "Bono La Palma" viele andere Buchungen unmöglich, da eben ein Wochenende dann schmerzvoll eine mögliche Langzeitbuchung über vielleicht drei Wochen unmöglich macht. Aber wir haben schon viele sorgenvolle Sommer begonnen und sind immer irgendwie über die Runden gekommen im Tourismus, wenn auch mit blauen Flecken, Pflastern und Selbsthilfegruppen für nicht leitfähige Reiseleiter.

Hauptsache wir haben immer was zu feiern. Nach Covid und Vulkan werden wir wieder losgelassen und irgendwie herrscht ja sogar Nachholbedarf in Sachen lustiger Gesellschaftsspiele im gutturalen Breitbandspektrum. - Andere nennen das auch Karneval, Fasching oder einfacher, Saufen im Reich der sinnlichen Traditionen. - Das scheint allen sozialen oder territorialen Gruppen humaoider Trockennasenaffen gemein: Traditionen gelten als allgemeine Amnestie für schlechten Geschmack und mangelndes ethisches Verhalten, wie auch offen oder versteckt getragenen Rassismus und mindestens kultureller Aneignung. - Wobei der Vorwurf der kulturellen Aneignung in den allermeisten empörten Fällen schlichtweg auch als Lernverhalten durchgehen kann, denn wenn andere Gruppen etwas besser können als man selbst, dann schreibt doch die Evolution bereits Nachahmung vor. - Jetzt kann man sogar den Bogen weiterspannen und Traditionen als Bollwerk gegen kulturelle Aneignung ins geistige Rennen schicken, aber auch hier gibt es weder klare Grenzen noch allgemein gültige Verhaltensregeln. - Zumal wir hier die Fähigkeiten besitzen, spontane Kulturcocktails posthum in die Desoxyribonukleinsäure aller erdachter Vorfahren einzuspritzen. - Das führt öfter mal dazu, dass wir hier feiern und überhaupt keine Ahnung haben, was denn eigentlich. - Also alles ganz normal, darum sagt man ja wohl auch anderswo "Jecken und Narren" zu den Leuten, wobei unser Spaß an der Freud durchaus knurrend-zornigen Charakter haben kann. - Man darf nämlich nichts falsch machen dabei, das könnte als private Aneignung innerhalb der kulturellen Aneignung missverstanden werden und dann berufen wir uns sofort auf Artikel eins der Traditionsnomenklatur: Nur unsere Indianer sind die echten Indianer und alles andere taugt höchstens als rührseliger Ethnoschmonsens aus der Mottenkiste der Missverständnisse.

Falls Sie es noch nicht gewusst haben: Am Rosenmontag feiert man auf La Palma, genauer gesagt in der Hauptstadt Santa Cruz, den "Día de Los Indianos". Diese Veranstaltung ist inzwischen ohne Konkurrenz der absoluten Hauptgang unseres Karnevals. Das war früher mal anders, da war der Karneval noch durch und durch mit Lokalpatriotismus behaftet, aber seit dem das Tragen von Uniformen aus Fremden Einheimer macht, kann jeder mal einen Tag lang echter Indianer sein. Stellen Sie sich aber bitte nun das Bild eines solchen Indianers nicht nach dem guten Dünken des Karl May vor, der meist sogar noch einen wackerer Kuhjungen aus Gründen der der ethnischen Balance dem hehren Stammeshäuptling zur Seite stellt. - Immer wenn gerade mal wieder Geschichte aus Geschichten zusammengepfriemelt wird, sollte man höllisch aufpassen, dass nicht solche Dussel wie Putin oder Sarah, die patzige Pazifistin, befremdende Stricke daraus drehen. - Unsere Indianer sind weiß gekleidet, durchaus europäischer, genauer gesagt, palmerischer Herkunft, und kommen zu Besuch auf das Heimatinselchen zurück. - Über Jahrhunderte wanderten, meist arme Palmeros aus den ländlichen Regionen nach Amerika aus, meist auf die Antilleninseln, um dort ein neues, bitte einfacheres Leben zu suchen, als hier. - Manchen gelang das auch und wenn man seine Heimat nicht komplett hinter sich gelassen hatte, oder ganz vergessen, dann besuchte man La Palma auch wieder mal, oder schickte seine Nachkommen und Erben. - Diese Leute, auf Besuch, oder in der Rückwanderung begriffen, die nannte man hier "Indianos", also Indianer, weil sie eben aus dem Teil der Welt kamen, welches irrtümlicherweise mal Indien sein sollte. - Weiß, oder beige gekleidet, da Klamotten in diesen Farben Reichtum widerspiegeln sollen und mit Koffern voller Geld beladen, so stellte man sich das vor. - Auch brachte man dunkelhäutige Menschen im Tross mit, heute dargestellt durch die "Negra Tomasa", in der eigentlich ein Mann steckt. - Als Kompott kommt jetzt noch das Talkumpulver hinzu, welches man sich tonnenweise, ja wirklich in Tausenden an Kilo, über die Köpfe schüttet. - Was das nun auf sich hat, darin stecken gleich mehrere unkulturelle Eignungen an sich. - Einmal wird "echar un polvo" also "bepudern oder pudern" genau so dünnhäutig eindeutig benutzt wie im Süddeutschen oder Österreichischen Raum. - Wer also sein Gegenüber einpudert, der deutet einen Geschlechtsakt an, aber eher in dem Sinne, "ich besorge es dir". - Das darf man an Karneval eben mal, ungefragt und wird halt als unausweichlich hingenommen, oder man pudert kräftig zurück. - Allerdings verdanken wir diese, frivole bis schlichtweg geschmacklose Geste wohl ursprünglich dem Umstand, dass man lange gereisten Schiffspassagieren bei der Ankunft an Land zunächst Läusepulver über die Körper und das Gepäck streute, bevor man ihnen Landgang gewährte. - Auch eine Art der Vergewaltigung, vielleicht heute vergleichbar mit einer Zwangsimpfung, so wie sie die armen Querdenker alle ertragen musstenů

Von kultureller Aneignung bis hierher also keine Spur und in der Tat, es scheint was komplett eigenes zu sein, unsere Art den Karneval zu feiern. - Wäre da eben nicht der komische oder gar verwirrende Name. - Seit dem größten Irrtum der Weltgeschichte: Ein Ausländer (fast alle Leute sind Ausländer, besonders diejenigen, welche sich irren) fragwürdiger Herkunft, entdeckt statt Indien Amerika. - Nun herrscht größte Verwirrung, wie man denn die störenden Ureinwohner dieses Gelände nennen muss, da sie doch eigentlich Inder sein sollten, aber irgendwie weder waren noch sind. - Dennoch blieb es bei dem Namen, Indians, woraus wenigstens die spanisch sprechende Bevölkerung einen Eigennamen schuf. - Indios wären die Inder gewesen, also steckt man in Indians was spanisch klingendes rein und raus kommt der Indiano. - Hat übrigens überhaupt nicht mit dem Indigenen an sich zu tun, das wiederum kommt vom Lateinischen und hat nur zufällig Ähnlichkeiten mit Indien oder Indianer. - Inzwischen aber hat man weithin den Irrtum erkannt und für die Bezeichnung Indiano gibt es, selbst in dem Land, in dem die größte Brotbäckerei Bimbo heißt, zumindest einen gerüffelten Blick. - Indigenos Americanos wäre der richtige Ausdruck und so bleibt dann selbst die Bezeichnung Indianos was ganz Palmerisches, mindestens haltbar bis Aschermittwoch. - Ganz interessant ist übrigens, dass auch viele nordamerikanischen Ureinwohner sich selbst "Indians" nennen. Inder in Amerika, also die aus Indien gezielt nach Amerika kamen übrigens auch, meist aber "I am from India" dazusagen. - So ist unser Weißer Karneval in Santa Cruz, der Día de Los Indianos somit frei von kultureller Aneignung. Wir haben den ganzen Scheiß freiwillig und im generellen Einverständnis selbstständig missverstanden und sind aus Tradition einfach dabei geblieben und finden es toll, uns gegenseitig Babypuder ins Gesicht zu schütten. - Allerdings schwingt in der ganzen Angelegenheit, neben närrischem Treiben und Geschichtsvergessenheit, eine kräftige Portion Aporophobie mit. - Dieses, von der Philosophin Adela Cortina geschaffene Wort beschreibt so wunderbar unseren soziopathischen Umgang mit Fremdem und Fremden. - Ein armer Araber ist ein, maximal geduldeter Migrant, ein reicher Araber mindestens ein gern gesehener Devisenbringer. - Ein armer dunkelhäutiger Mensch kann höchstens Asyl bei uns beantragen, tritt er allerdings äußerst geschickt gegen einen Ball, dann wird daraus schnell der reiche Vorzeigeimmigrant und bis zu gewissen Vorfällen, sogar der gern gesehene Nachbar. - So ein bisschen ist das auch mit den Indianos, denn die sind alle reich geworden auf Kuba, in Venezuela oder sonst wo, wo es Menschen gab, die Inder sein sollten, aber nicht mal Indianer waren, sondern lediglich Indigene. - Zumindest taten alle Rückwanderer aus Südamerika so, als wären sie erfolgreich auf der drübscheren Seite der Welt, denn niemand will doch als gescheiteter Rückwanderer vom Abenteuer auftreten. - Außer die Dussel aus Goodbye Germania im Entwürdigungs -TV. Noch schlimmer als arme Migranten sind ja arme Tröpfe aus den eigenen Reihen. Die kann man ja nicht mal mehr zum dahin schicken, wo der Pfeffer wächst, oder der Kümmel getürkt wird. - Also lieber einen reichen Migranten als einen armen Nachbarn und so lernen wir ja auch, dass Neid nicht so schlimm sein kann, wie Habgier. - Ich muss dringend mal meinen Pflanzendealer fragen, ob der mir nicht ein paar Pfeffersträucher besorgen kann. - Nur für den Fall, dass man mich da jetzt hinschicken will. Jetzt noch als nachdenklich Fußnote: Falls ein Auswanderer nicht wirklich erfolgreich wurde in der, damals noch Neuen Welt, dann kam er auch meist nicht zurück. - Die Hiergebliebenen, meist Frauen mit Kindern und Schulden, die nannte man "Weiße Witwen". Wer jetzt den Sinnschluss zwischen Weißem Karneval und verlassenen Frauen ohne Fettnäpfchen hinbekommt, der hat von mir die Erlaubnis, kommendes Jahr am Día de Los Indianos als Winnetou aufzutreten.





Südlich der Lavazunge weht der Passat immer noch große Mengen Asche über die Landschaft
Foto: Monika B.




An manchen Tagen gast der böse Onkel immer noch wild vor sich hin. - Morgens, wenn es kalt ist, sieht man das natürlich am besten




Immer wieder kommt es auch vor, dass hinter dem Krater, nahe am Wanderweg nach Fuencaliente auch plötzliche Fumarolen Wanderer erschrecken




Der Twomey-Effekt kann lästig werden, wenn dann so gar nicht mehr die Sonne durchkommt




So sehen echte Indianer aus, glauben Sie nicht dem Mayschen Fakewerk




Allerdings frage ich mich bis heute, warum es für viele Männer so attraktiv ist, sich als Frau zu verkleiden.




To Putin with Love Hope






Dienstag 24.01.2023 El Paso 10:00 Uhr


Man kommt nicht nur schneller hinů
ůsondern auch schneller wieder weg



Seit Tagen bläst der, bei uns liebevoll "Brisa" genannte Fallwind des Passats, mächtig ins Aridanetal hinein. - Das Azorenhoch arbeitet herkunftsgerecht und robust, schiebt so alle Tiefs und damit warme Luft so weit in den Norden des Atlantiks, dass den Kanaren Frischluft nur so um die Hügel geweht wird. - Das ist gut für uns, auch für Mitteleuropa. - So bekommt jeder "sein" Wasser ab. - Das Zentrum des Europäischen Kontinents trieft inzwischen wieder gegen die Trockenheit der vergangenen Jahre an und unser Passat füllt auch wieder die Kavernen an, welche das große, aber noch sehr unbekannte Wasserreservoir der Insel im Gleichgewicht halten. - Kalt ist es, der Sprühregen reicht hinunter bis knapp nach Los Llanos und als ich neulich mit einer Freundin nahe des Cumbre-Tunnels Eselsmist holen ging, waren wir nach einer halben Stunde nass bis auf die Gesinnung. - "Chirizo" nennt man hier auf der Westseite dieses feinen Regen, welcher eigentlich unterhalb El Pasos nicht mehr wirklich nass macht, aber dennoch spürbar ist. - Dieses Wort kommt wohl ursprünglich, wie viele andere Bezeichnungen aus dem ländlichen Raum auf den Insel aus Portugal, aber so ganz genau weiß man das nicht. Oberhalb El Pasos reichen die Regenmengen allerdings aus, auch dem Boden genügend Feuchtigkeit zu geben und wer aufmerksam die LP3 zum Tunnel hoch fährt, der kann an der Vegetation gut ablesen, bis wohin der Passat selbst auf der Westseite noch reichlich Wasser liefern kann. - Allerdings bläst die "Brisa" nicht immer so steif und nass. - Das hängt eben immer davon ab, wie nah die, von West nach Ost über den Atlantik jagenden Tiefs unseren Inseln kommen und damit dem Nordatlantischem Hoch deutlichen Schwung verleihen. - Der Nordwesten der Insel ist dann meist komplett vom Wind befreit, der Osten und der Nordosten der Insel allerdings dienen uns jetzt wie ein Wasser aufnehmender Schwamm. - Gut, als Inselgast ist man jetzt schon ein bisschen eingeschränkt in der Auslaufzone, wer die Vulkanroute jetzt machen will, der sollte nicht wasserscheu sein und sowieso die Aufzeichnungen Scotts wie Amundsends verinnerlicht haben. - Erst gegen Ende des Monats könnte uns mal wieder ein Tief so nahe kommen, dass der Passat gewisse Ruhe findet. Bis dahin regiert hier auf der Insel purer Atlantik.

Der Vulkan ist so meist kaum auszumachen, so selten ragen die Umrisse aus den jagenden Wolken hinaus. - Aus dem Krater dampft weiterhin aus mehreren Stellen heißer Atem und an manchen Tagen riecht es immer noch deutlich nach Schwefel. - Aber seltener als noch vor ein paar Monaten und wenn man die Daten der Seismografen und der geodätischen Stationen verfolgt, dann lässt die vulkanische Aktivität langsam, aber nachvollziehbar, weiter ab. - Interessante weitere Studien sind jetzt in der Zeitschrift Nature veröffentlicht worden. - Unter anderen auch die, welche die Vermutung unterstützt, der Barthel hätte ab November den Most in viel tieferen Regionen abgeholt. - Auch wagt man sich an die Erklärung heran, warum denn die Beben entweder zwischen 8 und 15 Kilometer stattgefunden haben und dann erst wieder zwischen 28 und 38 Kilometer Tiefe. - Das hatten wir ja während der Eruption wenig professionell so beschrieben und jetzt können wir das in Grafiken, Tabellen und fein ziseliertem Wissenschaftsenglisch nachlesen. In einem anderen Artikel lernen wir auch, dass das Magma wohl gleich dreimal versucht hat, den mächtigen Druck über die Oberfläche der Insel los zu werden. Auch wieder in der "Nature" kann man das nachlesen und vielleicht steckt ja auch da eine mögliche Erklärung, warum denn immer noch so viel CO2 mitten in Puerto Naos und auch La Bombilla gemessen werden kann. - Überhaupt beantworten sich inzwischen ein paar brennende Fragen und dazu gehört auch, warum denn viele Wissenschaftler, und damit auch der Krisenstab hier auf der Insel, vom Zeitpunkt der Eruption überrascht wurden. - Es ging alles sehr viel schneller als erwartet. Vom deutlichen Aufstieg des Magna bis zur Eruption, sollten sich nach den Lehren, die man aus früheren Ereignissen gezogen hatten, mindestens Wochen vergehen. - Bei unserer letzten Eruption allerdings waren es lediglich Tage vom "letzten Hinweis" bis zum tatsächlichen Ausbruch. - Auch wartete man noch auf eine Serie von starken Beben rund oder plus 4 und auch die blieben zunächst aus, die Eruption erfolgte aber dennoch. Das bringt natürlich auch wieder die Wissenschaft in, mindestens leichte Erklärungsnot und es sind nicht wenige, welche deutliche Kritik an den Vulkanologen und auch dem vulkanischen Krisenstab äußern. - Hier haken auch mehrere Bürgerplattformen ein und wittern Verantwortlichkeiten, aus denen man möglicherweise sogar rechtliche Konsequenzen ziehen könnte. Was in der Tat wenig transparent gehalten wurde waren die Diskussionen innerhalb des vulkanologischen Krisenstabes, der "Pevolca" (Plan de Emergencias Volcánicas de Canarias) welche ja letztendlich zu Entscheidungen und vor allem zu den Evakuationsplänen geführt haben. - Wenn man früher gewarnt hätte, dann wäre es vielen Anwohnern möglich gewesen, mehr private Dinge und Wertsachen noch aus den Häusern zu retten. - Das gilt vor allem für die Bewohner in "El Paraiso" und den südlichen Teil Tacandes, denn dort mussten die Anwohner tatsächlich fliehen, um nicht von der Lava eingeholt zu werden.

Ob man daraus Verantwortlichkeiten basteln kann oder sollte, das kann ich nicht beantworten. Erinnert so ein bisschen an die Diskussionen um die Wetterdienste, welche ja auch bei Unwettern nicht immer ganz konkret sein können. - Transparent ja, natürlich, allerdings wird man keinen Mitarbeiter irgendwelcher Dienste noch finden, der in Krisenstäben dienen will, zieht man diese im weiteren Verlauf einer Katastrophe dann auch noch zur Verantwortung. - Immerhin hat die Kommission für Transparenz (Comisionado de Transparencia) den Forderungen einer Bürgerplattform teilweise recht gegeben. - Für die Tage vor der Eruption muss die Pevolca die Beschlussakten herausrücken und öffentlich machen, nicht allerdings die Mitschnitte und Protokolle der vorangegangenen Diskussionen. - Das würde die Persönlichkeitsrechte der einzelnen Mitglieder des Stabes verletzen, aber genau auf diese Meinungen war man ja "scharf". - Es geht halt immer noch der Vorwurf um, die Wissenschaftler hätten längst Tag und Ort der Eruption vorausgesagt, die Politik aber hätte noch gezögert, die imminente Gefahr öffentlich zu machen. - Ich nenne das den "Brody-Vaughn-Konflikt" und wem diese Namen nichts sagen, der muss heute Abend den Film "Der Weiße Hai" noch einmal in ganzer Länge sehen. - Man darf natürlich hinter der Forderung nach Verantwortlichkeiten immer auch den Wunsch nach mehr Entschädigungen vermuten, welche dann in Schadensersatzansprüchen definiert würden. - Schnell wieder raus aus dieser Materie, wo man singt da lass dich nieder, es sei denn, Anwälte schreiben die Liederů

Dabei ist für die Geschädigten auf finanzieller Basis einiges getan worden. - Das staatliche Konsortium der Versicherer in Spanien hat schnell bezahlt. Und auch wer nicht versichert war, der hat bislang für den Verlust seines Hauses 60.000 Euro erhalten und es kommen noch weitere 30.000 vom Gobierno de Canarias hinzu, wohl im Februar dieses Jahres. - Darüber hinaus gibt es Mietzuschüsse, Lohnfortzahlungen, auch für Selbstständige und allerlei Vergünstigungen für Menschen, welche neu bauen wollen. - Ob das alles genug ist, das kann ich nicht einschätzen, allerdings kennen wir aus anderen Regionen, auch "hoch zivilisierter" Art, deutlich geringere Ausgleichszahlungen im Fall einer Naturkatastrophe. - Einige sind allerdings auch leer ausgegangen, meist haut da irgendwas mit den Papieren nicht hin. - Also erwischt zwischen Bauantrag und Baubeginn oder Notartermin, oder die Häuser, welche mit einer Hypothek belastet sind und somit Eigentum der Banken sind und auch diese die Versicherungssumme einstreichen. - Dann gibt es noch die Leute, welche komplett dazwischen stehen. Damit meinen wir die vielen Evakuierten aus Puerto Naos und La Bombilla, die zwar kein Anwesen (bislang) verloren haben, aber seit mehr als einem Jahr nicht in ihre Häuser oder zur Arbeit können. - Nicht wirklich gegenrechnen kann man den Verlust von Gewerbetrieben oder eben generell die Lebensleistungen, welche ja hinter solchen Häusern und vor allem Firmen stehen. - Manch einer verkraftet das nicht wirklich und von den psychischen Schäden wird zwar gesprochen und Therapien angeboten, aber beziffern kann man solche Leiden natürlich nicht.

So stellt sich in den betroffenen Zonen auch der Alltag nur zögerlich ein, aber man muss auch ganz klar sagen, selbst diese Katastrophe war und ist ein lokales Ereignis. - Andere Regionen der Insel haben sogar Vorteile aus der Misere hier im Tal ziehen können, was sicherlich auffällig aber keineswegs verwerflich ist. - So hat vor allem Santa Cruz de La Palma wieder verloren geglaubtes Terrain gegenüber der "Boomtown Los Llanos" zurückgewonnen und zumindest touristisch konnte auch der Norden der Insel Zugewinne verzeichnen. - Allerdings hat sich der, auch von mir erwartete Umzug vieler Bürger aus dem Aridanetal in den Norden der Insel, nicht eingestellt. - Die allermeisten sind wieder zurück gekommen und drängen erneut in die Regionen um Tazacorte, Los Llanos und El Paso. Garafía, Puntagorda und selbst Tijarafe kämpfen weiterhin, mal mehr, mal weniger, gegen das Gespenst Landflucht. Warum die "Gallos", so nennt man die Leute aus dem Aridanetal ein bisschen abfällig, nicht so richtig glücklich werden im Norden der Insel, das wäre und ist wohl mindestens eine eigene Geschichte. - Allerdings fallen jedem hier auf der Insel wohl die Unterschiede der einzelnen Regionen auf und wer sich bislang das pulsierende Aridanetal ausgesucht hatte, der kommt mit der, zum Teil als Stilmittel genutzten Abgelegenheit des Nordens der Insel einfach nicht zurecht. - Man muss nicht so weit gehen und das gleich eine "andere Welt" nennen, aber es lebt sich schon grundverschieden in Garafía oder gar Barlovento, gegenüber dem Tagesgalopp hier im Aridanetal. - Die meisten Wunden des Vulkanausbruchs haben natürlich auch nur eine, schnell bröckelnde Halb- bis Viertelwertzeit und da nach dem Vulkanausbruch bei uns an der Cumbre Vieja auch immer vor dem Vulkanausbruch bedeutet, bin ich mal gespannt, wie lange wir noch nach Alltag unter dem Vulkan gieren.

Alltag bedeutet natürlich auch immer, Straßenbenutzung ohne nachzudenken um auf dem schnellsten Weg von J nach M zu gelangen. - Freie Fahrt für Wohlstandsbürger mindestens und in der Tat ist die verkehrstechnische Anbindung der Regionen an die Zentren ein wichtiges und bedenkenswertes Unterfangen. - Die Lava soll nicht trennen, was tüchtige Ingenieure und Raumplaner einst zusammengeführt haben und so machen wir es uns einfach hier um Tal und wollen auch alle Straßen so wieder haben, wie sie einmal waren. - Also unterhalb der beiden Hügel (La Laguna und Todoque) eine von Nord nach Süd, (Ex LP2132) eine oberhalb, (LP213) dann die Inselumrundung Süd, die LP2 und noch weiter oben die Verbindung von El Paso nach San Nicolás, die LP212. - Wobei letztere vielleicht nicht wieder hergestellt wird. - Einmal ist dort der Lavapanzer so dick, dass es wohl Jahrzehnte dauern könnte, bis alles ausgekühlt ist und darüber hinaus wird man ja wohl auch eine, wenn gedanklich auch immer kleiner ausfallende Schutzzone, um den Vulkankrater einrichten wollen. - Die wichtigste Verbindung allerdings, die LP2, die wird wohl am längsten auf sich warten lassen. Man hat sich zwar oberhalb der Trasse bereits bis zu nicht zerstörten Häusern vorgearbeitet, aber robust angefangen, diese wichtige Straße wieder komplett herzustellen, das hat man nicht. - Umso heftiger diskutiert man immer häufiger, warum denn die, eigentlich sehr selten benutzte LP2132 so dringend wieder erschlossen werden soll, man aber keine Mittel in die LP2 investiert. - Gut, die untere Straße, immer wieder fälschlicherweise "Küstenstraße" genannte Trasse, wird aus Madrid bezahlt, was wohl irgendwann dem, fleißig La Palma besuchenden Pedro Sánchez, während der Eruption aus der Portokasse gefallen ist. - Es zieht sich aber, selbst nach dem Vulkanausbruch weiter stringent über die Insel, beim Straßenbau sind wir unermesslich und vor allem unergründlich. - Mag was mit unserem Hang zum Katholischen zu tun haben und der immer noch gültigen Wahlkampffloskel für fleißige Bürgermeister: Guckt mal, wie viel Straßen ich gebaut habe! - Eigentlich dachten wir ja, diese Zeiten wären längst vorüber, kennt man doch den Begriff "Cambio climático" hier auch bereits und den damit erhofften Denkwandel in Sachen Urnengänger. - Allerdings hatten wir, ja in heller Vorfreude auf des Paradies auf Erden, bereits vor fast 2 Jahrzehnten schon den Nationalismus für verkrüppelt erklärt. Man sieht also, auch wir Internationalisten können brutal irren. Immer noch sehe ich die tropfenden Lefzen globaler Wirkungslenker aus dem District of Columbia vor mir, welche nach Putins Charmeoffensive 2001 vor dem Deutschen Bundestag, Russland bereits in der Nato wähnten. - Gott sei DAX kam das nicht so, kein ordentlich wachstumsorientiertes Wirtschaftssystem kann sich den Verlust von reibungsintensiven Feindschaften auf die Dauer leisten.

Schnell wieder aufs Inselchen und ich arbeite doch seit drei Kapiteln bereits an der Überleitung zu den ausladenden Straßenplänen hin, nicht nur in Sachen Vulkan. - Manch ein erlauchter oder gar erleuchteter Leser wird sich noch an die vielen Nachrichten zu den Straßen- und eben auch insbesondere zu den Autobahnplänen auf der Insel erinnern. Dabei war es wohl mehr das fehlende Geld, als unser hartnäckiges Insistieren, dass die Autobahn zumindest nicht mehr so genannt wirdů Sie erkennen zwischen aufkeimendem Sarkasmus sicherlich auch das Eingeständnis einer niederen Lage, denn auch in den zukünftigen Plänen zieht sich weiterhin eine neue Straßentrasse durch das Aridanetal. - Nicht mehr so groß, aber eben immer noch grundsätzlich aggressiv, denn man baut keine vorhandenen Trassen aus, sondern belegt neue. - Das war ja auch der Hauptgrund unserer Proteste, nicht der kontinuierliche Ausbau bereits vorhandener Verkehrswege, sondern der ungehemmte Landschaftsverbrauch und damit einhergehende Fragmentierung gewachsener sozialer und gesellschaftlicher Strukturen. - Ähnliches stößt nun gerade auch wieder im Norden der Insel auf. Da werden eben gerade wieder die Pläne laut und sichtbar, wie man sich zukünftig die Verkehrsführung auf der Inselumrundung Nord, der LP1 vorstellt. - Gerade aus, statt drum herum, Bagger, Brücken und Tunnel, statt Respekt vor gewachsenen Kulturlandschaften. - Sicher, man spart Zeit, wenn es geradeaus geht, gerade so, als sei Zeit der Faktor, den zukünftige Generationen als Gegner oder Hauptaugenmerk fokussieren müssten. - Ist natürlich Quatsch. - Wir stehen am Rande eine gewaltigen Zäsur in Sachen Umwelt, setzen aber planerisch den Raubbau an natürlichen Ressourcen fort, gerade so, wie man das noch aus den sechziger Jahren kennt. - Kann man dagegen noch was tun? - Eigentlich nicht, denn das sind alles bereits abgesegnete Pläne. Nur die Geldfrage, oder echter politischer Wille könnte da noch was erreichen. - Und glauben Sie bitte nicht, man könnte diese Pläne "wegklicken" indem man Empörungswebseiten nutzt und "die da oben" hart bis ausfällig beschimpft. - Wir stehen hier immer wieder vor den gleichen Problemen, der politische Wille der Bevölkerung etwas zu ändern ist nicht da, denn wir mischen uns ja nicht ein.

Der lustige bis zynische und oft bereits gefährliche Missglaube, es gäbe die Politik auf der einen Seite und auf der anderen das Volk, ist Grundlage wie Werkzeug jeglicher Diktatur. - Da setze ich mich gerne dem Vorwurf der Naivität aus, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es nur ein "oben" gibt, wenn wir uns selbst da "unten" verorten und aus allem raushalten. - Allerdings ist es fruchtbar anstrengend, sich von stundenlangem Gelaber in Ortsgruppen demokratischer Parteien bis hin zu echten Entscheidungsszenen zu hangeln. Aber Demokratie funktioniert genau so und ist halt nicht mal halb so geil und interessant wie auf den Putz hauen. - Das ist und wird aber unsere Aufgabe sein, wir müssen uns einmischen und zwar nicht als Gegner der Planung und Politik, sondern als Teil davon. - Von innen ändert man die Dinge, von außen bekämpft man diese und ich hatte das immer noch so verstanden, dass wir Evolution wollen und nicht Revolution. - Als Gegenüber zieht und festigt man ja nur irgendwelche Linien, mögen die nun rot, blau oder schlichtweg total bescheuert sein. - Also rein in die Politik, hin zu den Ortsgruppen und mitmachen. - Nur so können wir alle rechtzeitig Planung so gestalten, dass nicht bekannte bis kriminelle Seilschaften die Dinge laufen lassen, so wie es immer schon war. - Was glauben Sie können 15 neue und ehrgeizige Köpfe bei der PSOE, der Coalición Canaria oder der PP in Garafía oder auch El Paso erreichen? - Alles, auf jeden Fall Schwung und das verhindern, wo bislang gefehlt wird: Die Kontrolle über die Finanzmittel und längerfristige Planung nur und ausschließlich mit aktiver Einbeziehung der An- und Bewohner. - Ich weiß, es ist anstrengend, nervig, stressig und zeitraubend, gerade wenn man von innen kritisch ist, aber es lohnt sich. - Ob jetzt alte weiße Männer unbedingt die lokalen Parteizentralen stürmen sollten, ich weiß es nicht. - Viel besser wäre natürlich, die jungen Leute in die Parteien zu bekommen, vor denen haben nämlich die Nutznießer unserer demokratischen Faulheit noch deutlich mehr Angst, als vor uns selbstkompostierenden Altkadern. - Also, sollten Sie gerade mal nicht an der Straße kleben, rein in die Parteien, mitarbeiten in Kommissionen für Raumordnung, Infrastruktur und was sonst noch so im Bodensatz der politischen Arbeit lauert. Nur so kann man auch wirklich was erreichen. - Gut, das bringt jetzt nichts mehr für dieses Jahr, auch nicht für das kommende, aber wir müssen auch nicht alle Probleme jetzt gleich erledigen und ich kann Ihnen allen versprechen, wir werden in späteren Generationen auch noch genügend Dinge haben, die zu regeln wären. - Vielleicht werden aber auch die zukünftigen Umweltschützer gleich selbstklebend geboren und weiter stellt sich das "Volk" freiwillig dort hin, wo manche es auch haben wollen. - Auf die anderen Seite und selbst verortet: "unten". - Was für ein Blödsinn.

Die Straßenpläne hier auf der Insel sind meist bereits über ein Vierteljahrhundert alt und im Master(of Disaster)plan "PIOLP" Plan Insular de Ordenación de la Isla de la Palma) zusammengefasst und auch zur Schau gestellt. - Wobei ich einfügen muss, nicht alles dort ist aktuell, denn selbst solch ein Dokument ist permanenten Änderungen unterworfen. - Mal von außen, weil neue Vorschriften oder Gesetze eingearbeitet werden müssen, mal von innen, weil sich Anforderungen ändern. - Genauer zeigt uns Kai von Schauroth in seinem Facebook-Auftritt was dort im Nordwesten an Massen von Material bewegt werden soll, um der Doktrin von schnelleren Verbindungen auf den Straßen La Palmas weiter zu dienen. - Es gab kürzlich noch eine, fast vierstündige öffentliche Veranstaltung, in dem sich 2 Politiker (Yeray Rodríguez und Borja Perdomo beide PSOE/PSC) und der Planungsdirektor (José Luis Delgado) den Fragen eines beunruhigten Publikum gestellt haben. - Die Fragen wie die Antworten erinnern mich stark an die "Umtriebe" in Sachen Autobahnpläne hier im Aridanetal, als ähnliche Ängste und Einwände gegen, meiner Meinung nach aufgesetzten Fortschrittsglauben trafen. - Hauptargument ist immer wieder: Der Norden der Insel muss einfacher erreichbar sein, sonst droht weitere Landflucht und der damit verbundene wirtschaftliche wie soziale Niedergang. - Dabei muss man feststellen: Schnelle und leistungsfähige Verkehrswege haben noch nirgendwo ländliche Gebiete erschlossen, welche von sich aus keine wirtschaftliche Struktur haben. - Es läuft oft sogar anders herum, denn wer schneller irgendwo hin kommt, der kommt auch schneller und einfacher von dort wieder weg. - Als Beispiel: Wenn man zukünftig dann in 25 Minuten von Garafía aus ins Aridanetal kommt, dann muss kein neuer Laden in Garafía aufmachen und man braucht dort auch keine Schule mehr, da die verbleibenden Familien dann ihre Kinder doch lieber gleich nach Los Llanos in die größeren Schulen schicken. - Man tut ja auch so, als gäbe es so gut wie gar keine Straßenverbindung mehr hinter dem Time und das ist ja nicht der Fall. - Touristisch, auch dieses Argument kam, sind schnelle und breite Durchgangsstraßen sowieso kontraproduktiv, da der Reisende dann einfach an der Region vorbei fährt und diese nicht besucht. - Der Weg ist dann nicht mehr das Ziel, sondern der Endpunkt der Straße. - Darüber hinaus verlöre die dortige Landschaft Teile ihres Charakters, sprechen wir doch vom pittoresken Norden der Insel. Dort formt sich das Landschaftsbild aus Schluchten, wilden Vegetationen, windschiefen Weilern und einer gefühlten Zeit, welche langsamer zu laufen scheint. - In dieses Bild hinein passen auch nur kurvige Straßen, welche zu erarbeiten und zu entdecken sind. - Eine breite Durchgangsstraße, mit einzigem Berührungspunkt zur Landschaft mit Hilfe von Hinweisschildern, die hat dort nichts verloren. - Allerdings gibt es auch reichlich Bürger dort und überall auf der Insel, welche genau diese breiten und leistungsfähigen Straßen fordern und immer noch nicht zwischen Fortschritt und Wachstum unterscheiden wollen. - Ich gehe sogar so weit zu behaupten, in einer heutigen Umfrage, ob man denn solch große Straßen im Norden wolle, käme eine Mehrheit pro Schnellstraße zustande. - Ich weiß, das wollen Sie nicht hören, ich auch nicht, aber ich habe das lange von vorderster Front in der Gemeinde El Paso und in den vielen Diskussionen um die Autobahn genau so erlebt.

Ein sehr quer gedachtes Argument für die gerade Schnellstraße fiel dann auch noch: Man müsse sich für die Zukunft wappnen und dann kämen ja Elektroautos und diese könnten mit den Steigungen nicht umgehen. - Dass die Zukunft des privaten lokalen Straßenverkehr elektrisch sein wird, das kann und wird wohl gut sein, allerdings können Elektroautos sogar besser mit Steigungen umgehen als Verbrenner. - Woher ich das habe? - Ich fahre seit Weihnachten eine "Zoe" und das mit Begeisterung und Freude. - Wenn es bergauf geht, geht es danach auch wieder bergab. - Eigentlich immer. - Ein normaler "Verbrenner" muss dann bergab bremsen und vernichtet viel von der vorhandenen Energie auf thermische Art. - Ein Elektro-Auto regeneriert einen Großteil dieser Energie wieder und ist auf diese Art und Weise selbst im Auf und Ab hier auf der Insel einem Verbrenner deutlich überlegen. - Sicher gibt es noch viel zu verbessern in Sachen Technik bei den Stromern, aber diese Autos sind längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern präsent in der Gegenwart angekommen. - Gut, nach vier Wochen Elektroauto bin ich noch nicht wirklich erfahren genug, alle Pro und Kontra aufzulisten, aber unsere "Zoe" und wir sind längst ein wunderbares Team. - Wir laden natürlich nur grünen Strom, geliefert von der Solaranlage die uns Max aufs Dach gepackt hat. - Allerdings musste da SolarMax, mit ihrem kongenialen Elektriker, noch einen kleinen Kunstgriff anwenden, damit die "Zicke Zoe" sich auch mit dem ländlichen Stromangebot vom Dach zufrieden gibt. - Das klappt nun hervorragend und so lade ich die kleine Französin alle 5 bis 10 Tage einen Nachmittag lang bei uns und schon haben wir genug Leistung für unsere, meist natürlich kurzen Wege. - Sollte ich dann mal zum Flughafen müssen, oder in den Norden, lieber Nils, dann lasse ich Zoe halt einen ganzen Tag in der Sonne stehen und schon kann ich bis 300 Kilometer am Stück fahren. - Kommt wirklich hin, bei einem Durschnittsverbrauch von 10 - 12 kWh auf einhundert Kilometer, selbst auf La Palma, brauche ich keinerlei Reichweitenangst im Handschuhfach mit mir führen. - Klar, ich fahre Strom sparend, aber ohne ein Verkehrshindernis zu sein und wenn es wirklich mal sein muss, dann lässt Zoe auch bergauf alle überraschten anderen Verkehrsteilnehmer einfach stehen. (Unter Zoe-Fahrern kennt man das Gefühl, wenn man mal den Knopf auf der Konsole links neben dem Schaltknauf drückt...)

Natürlich stellen wir mit unseren Anforderungen einen Sonderfall dar. - Wir müssen nicht irgendwo hin auf Arbeit fahren, wo dann das Auto den ganzen Tag steht. Das sind dann andere Anforderungen, die müssen woanders laden, es sei denn, der Arbeitgeber erweist sich als zukunftsorientiert und ermöglicht seinen Mitarbeitern das grüne Aufladen während der Arbeitszeit. - Zukunftsmusik auch wieder nur, weil es noch kein häufiges Beispiel ist, von der Technik her ist Elektromobilität und auch grünes Aufladen kein Hexenwerk mehr. - Allerdings ist der Preis für dieses Autos immer noch deutlich zu hoch. - Auch wir mussten uns strecken und Zoe auf Gran Canaria kaufen, vom großen und bekannten Autohändler Miguel Leon S.L. - Das konnten wir stemmen und auch verantworten, Zoe ist drei Jahre alt und hat knapp über 10.000 Kilometer hinter sich, also noch eine ganz junge Dame. - Die haben das Auto dann mit der Fähre nach La Palma gebracht und wir einen Familienweihnachtsabend in Santa Cruz verbracht, indem wir das neue Familiengefährt alle zusammen im Hafen entgegengenommen haben. - Noch auf der Rückfahrt lernten wir dann auch die Apostasiphobia, also die Angst vor Entfernungen (OK, selbst gebastelt) kennen. - Der gute Mann, welcher uns Zoe gebracht hat, ließ uns laut Restreichweite 90 angezeigte Kilometer übrig. - Sollte reichen, von Santa Cruz nach El Paso - Tajuya, das sind doch schließlich nur 35 Kilometer. - Allerdings waren wir am Krankenhaus bereits auf restliche 55 Kilometer runter und machten dann Radio, Heizung und Bordcomputer aus, um bloß genügend Strom bis nach Hause zu haben. - Mit 26 Kilometer Restreichweite waren wir dann am Tunnel, also 74 Kilometer von Santa Cruz zum Tunnel? - Natürlich nicht, aber Zoe war nicht auf der Sorbonne, sondern "denkt" immer sehr direkt. - Wenn es bergauf geht, dann meint die lustige Französin, es geht von jetzt ab immer bergauf und zeigt halt an, wie weit man noch käme, wenn die Passstraße direkt in den Himmel führen würde. - Zu Hause angekommen, hatten wir dann wieder 35 Kilometer auf der "Uhr", denn bergab "denkt" Zoe dann auch wieder, das geht jetzt immer so weiter, immer nur runter. - Leider scheint es keine Möglichkeit zu geben, dem Auto den echten Ladezustand in Prozent zu entlocken, außer man schließt es nach dem Abstellen neu auf. - Die Angabe in Restreichweite ist also blanker Humbug auf einem steilen Ding wie La Palma, aber daran kann man sich ja gewöhnen und selber ein bisschen mitdenken. - Gut ist halt, dass es immer auch wieder bergab geht und Dank der Rekuperation der Energie durch den Motor kommt es dann im Schnitt wieder hin. - Nach Santa Cruz sind es hin und zurück dann doch wieder "nur" 70 Kilometer, auch wenn Zoe zwischendrin etwas wirre Zahlenspiele vermittelt. - Was ich ein bisschen vermisse ist, während der Fahrt den Widerstand des Motors verändern zu können. So könnte man sich immer dem Gefälle anpassen und deutlich smarter bergab kommen. - Gut, aber das ist was für die Oberklasse in Sachen Elektroauto und wir haben mit der ZOE 40 halt doch ein Basismodell. - Aber zufrieden wie Bolle und das Gefühl, den eigenen Treibstoff für das Auto gleich neben dem Parkplatz zu produzieren, das ist elektrisierendů Ich gebe es zu, meinen 33 Jahre alten Pickup habe ich auch immer noch, ich konnte einfach (noch) nicht loslassen. - Wie sonst hätten wir den Eselmist sonst auch transportieren könnenů

Jetzt kommt wieder der E-Auto erfahrene nils.k aus dem hohen Norden der Insel zu Wort, denn der weiß viel besser Bescheid, wie man denn zum Beispiel Urlaub mit einem Elektromobil auf der Insel machen kann.

Wer nach La Palma kommt, sucht die Natur, die wunderschöne Landschaft, Ruhe und saubere Luft. Was liegt da näher, als auch die eigene Mobilität umweltverträglich zu gestalten?

Natürlich kann man hier im Urlaub komplett auf ein Auto verzichten und mit Bussen und Taxi unterwegs sein. Außerhalb der Hauptschlagader der Insel zwischen Flughafen, Santa Cruz de La Palma, Los Llanos de Aridane und Tazacorte ist das allerdings ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Wer zum Beispiel im Norden unterwegs sein will, muss sich dann schon ordentlich einschränken. Für die meisten Urlauber führt daher kein Weg am Mietwagen vorbei. Könnte es dann auch ein Elektroauto anstelle eines Verbrenners sein? Das schauen wir uns mal genauer an.

Von den Rahmenbedingungen spricht sehr viel für die Elektromobilität auf La Palma. Die Insel ist klein, die Geschwindigkeiten sind gering, es gibt unzählige Kurven, steile Anstiege und Abfahrten. Es ist das ideale Terrain für die kleinen Elektroflitzer mit geringerer Reichweite, dafür aber enormem Drehmoment und Beschleunigungsvermögen. Bergab muss man kaum noch bremsen, das macht der Motor, der damit sogar wieder Energie in den Akku zurückschieben kann. Abgasfahnen berghoch gibt es nicht, die Autos sind nicht zu riechen und kaum zu hören. Das Problem der Heizung oder schwächelnder Akkus bei tiefen Temperaturen ist hier unbekannt.

Selbst das Argument, dass für den Strom der Elektrischen ja doch wieder das Kraftwerk Los Guinchos Abgase in die Luft bläst, ist deutlich kleiner geworden. Ein wesentlicher Teil der Elektroautos bekommt seinen Strom aus Fotovoltaikanlagen.

Dass der Anteil der Fotovoltaik für die E-Mobilität so groß ist, hat aber auch mit ihrem größten Problem auf La Palma zu tun, der Ladeinfrastruktur. Die Karte von Electromaps zeigt es deutlich: Ladesäulen sind hier spärlich vorhanden - und selbst die wenigen sind häufig außer Betrieb oder werden über viele Monate nicht angeschlossen. Die Ladesäulen sind nicht vernetzt und man kann nicht in einer App sehen, ob sie verfügbar sind. Der Zugang mit den in Mitteleuropa üblichen Ladekarten oder -apps klappt hier nicht. Aber die meisten arbeiten ohne Authentifizierung und alle sind (noch) kostenfrei!

Die gut funktionierenden Säulen werden zumeist von privaten Unternehmen angeboten, zum Beispiel von den großen Supermärkten. Sie befinden sich auf dem Gelände dieser Unternehmen und sind außerhalb der Öffnungszeiten nicht zugänglich. Auch einige Gemeinden bieten ihren Besuchern Ladesäulen an. In Tijarafe wurden im letzten Jahr zwei Anlagen mit großen Fotovoltaikdächern gebaut, die einen eigenen Akku haben und so rund um die Uhr sauberen Strom liefern können. Auch in Garafía und Puntagorda gibt es Ladesäulen mit Solardächern. Die können aber nur tagsüber Sonnenstrom liefern.

Eine interessante Entwicklung zeigt sich bei immer mehr Ferienhäusern. Viele von ihnen sind in der letzten Zeit mit Fotovoltaikanlagen ausgerüstet worden. Meist haben diese Anlagen deutlich mehr Potential als im eigenen Haus genutzt wird. Da bietet es sich geradezu an, auch Elektroautos zu laden! In der Regel wird das dann nur tagsüber möglich sein, wenn ausreichend Strom vom Dach kommt. Für Urlauber, die jeden Tag von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang unterwegs sind, wird es schwierig, aber für alle anderen ist diese Möglichkeit sehr gut geeignet.

Und was machen die Autovermieter? Nun, da unterscheidet sich La Palma kaum von Europa. Elektroautos werden selten angeboten und sind teurer als die üblichen Autos. Die großen (kanarischen) Anbieter haben zwar auch Autos mit alternativen Antrieben, aber das sind zumeist Hybridautos, seltener Plugin-Hybride und noch seltener reine Elektroautos. Zu allem Überfluss kann man sich bei der Buchung nicht sicher sein, auch wirklich ein E-Auto zu bekommen. Die Anbieter garantieren das nicht. Besser funktioniert das - wie so oft - bei den kleinen Autoverleihern wie Monta. Dort bekommt man auch den Elektrischen, den man gebucht hat.

Fazit: Wer bei seinem nächsten Urlaub von seinem Vermieter die Lademöglichkeit für ein Elektroauto angeboten bekommt, kann sich guten Gewissens ein E-Auto ausleihen, auch ohne viel Erfahrung mit diesen Fahrzeugen. Man kommt bei den heute üblichen Reichweiten ohne Probleme einmal um die ganze Insel und immer noch wieder nach Hause. Zwei Wochen Urlaub sind dann eine gute Gelegenheit, ein Elektroauto gründlich auszuprobieren, ohne sich gleich dauerhaft entscheiden zu müssen. Wer diese Lademöglichkeit nicht hat, sollte sich allerdings schon ziemlich gut auf La Palma auskennen, um mobil zu bleiben. Dann steht dem grenzenlosen Fahrspaß eigentlich nichts mehr im Wege.





Um seinen Gipfel jagen... Nebelschwaden




Vulkanbild mit Damen




Neues aus dem Biogarten: Die Yoga-Rübe




Einzig gültiges Planungspapier ist der PIOLP. Hier der Ausschnitt Aridanetal mit der Umgehungsstraße El Pasos und dem unteren Teil, welcher nördlich an Celta vorbei führt durch eine neue Urbanisation




Die Trasse des Anstoßes im Norden zwischen Las Tricias und Llano Negro - unter anderem




Zoe wird ausschließlich mit veganem Bio-Strom gefüttert




So sieht das dann in der Fronius-Grafik aus. - Man kann auch gut die Wolke erkennen, welche zwischen 14 und 15 Uhr das Ladevergnügen störte




Zoe beim Fischen




Der Verbrauch liegt zwischen 10 und 12 kWh pro einhundert Kilometer, auch bergauf-bergab




Allerdings ist die Anzeige der Reichweite von 379 Kilometer nach einer Bergabfahrt entstanden




Die Ladesäule am Rathaus von Santo Domingo




Und die Station im Barranco de Garome





Donnerstag 29.12.2022 El Paso 18:00 Uhr


Das Jahr Null nach dem Vulkan
Subventionen und Barackensiedlungen



Das Jahr verabschiedet sich hier mit erfreulichem Regen. - Niederschläge gab es auch, aber das kommt im weiteren Verlauf des Textes noch vor. - Wir hatten Besuch der Halbbrut, also eine Tochter samt Geschwieger, aber auch die musste gleich noch am ersten Feiertag wieder zurück, auf die groß genannte Kanareninsel. - Die andere Tochter konnte erst gar nicht kommen, die Arbeit ließ sie nicht los. Beide arbeiten in Branchen, welche keine Feiertage kennen und da man natürlich zuerst den Kollegen mit Kindern die besonderen freien Tage gibt, passiert das dann halt so. - Macht uns Spezialisten für Alltag nicht so viel aus, Symbolik kommt in unserem Leben eher knapp vor. - Allein am ersten Feiertag 25 Millimeter frisches Wasser aus dem Himmel, das kann sich sehen lassen und macht Mut für den Gemüsegarten. Gegen Anleitung meiner Nachbarn pflanze ich nämlich sogar noch während des Regens und habe damit eigentlich ganz gute Erfahrung gemacht. - Natürlich wächst jetzt alles ganz langsam und der Wechsel von Sommer- zu Wintergemüse verläuft wenig spektakulär. - Kohl überall, Salate, die vielleicht nicht mehr bereits in Handtellergröße zu schießen anfangen. Sellerie, Lauch und Rettiche, rot und schwarz, die wir gar nicht schnell genug vor dem Verfall ernten können. - Für den Garten war der Vulkanausbruch ein Glücksfall, zumindest hier auf der Nordseite des Geschehens. - Im Süden mag das anders aussehen, die konnten eine Schicht von einem Meter Asche/Sand nicht so einfach einarbeiten, wie wir unsere 15 Zentimeter. - Jetzt warte ich noch auf eine Lieferung von "Waldfrüchten". - So kündigt man Johannisbeeren, Himbeeren und die blauen, dicken Kugeln an, welche mal Blau- und mal Heidelbeeren genannt werden. - Es wird sich zeigen, ob die Versprechung, das seien alles Sorten, welche auch bei uns gedeihen, stimmt. - Der "Beerengarten" ist seit Monaten bereits fertig, mit tiefen Pflanzlöchern, jeder Menge Kompost und Bewässerungsanlage, wartet er nur noch auf die Stecklinge. - Stachelbeeren haben wir bereits aus Gran Canaria bekommen und vielleicht haben wir ja im Sommer bereits die ersten Beerencocktails.

Überhaupt ist das Gärtnern wieder in Mode gekommen. - Das war 2008 auch schon so, als den "Brothers Lehman" erst die kapitalistische Kunst und dann auch noch das Kapital ausgegangen ist, und wir Unkapitale das alles ausbaden mussten. - Gut, in Deutschland hat man die "Krise 2008" bereits 2007 erledigt, hier aber kämpften wir locker bis 2012 heftig mit den Folgen. - Erst dann atmete man hier wieder langsam auf, die Arbeitslosigkeit ging wieder zurück und manch einer ließ darauf hin die Guataca gleich wieder auf dem Feld liegen, da man sich jetzt Salat wieder im Supermarkt leisten konnte. - Jetzt gräbt man wieder aller Orte und Gärten, der Rost von der schweren Hacke mit den gekrümmten "Ohren" ist längst wieder ab, so heftig schlägt man das Arbeitsgerät erneut in den steinigen Boden, um die heftigen Auswirkungen der Inflation zu bekämpfen. Zum Teil gelingt es, zum Teil nicht wirklich und wie das weitergeht, wenn die vielen subventionierten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen ab kommenden Monat nicht mehr aufrecht erhalten werden, das muss noch abgewartet werden. - Die gestiegene Inflation, übrigens eine Erfindung, geboren aus Schuld und Zins, kommt überall zur Unzeit. - Natürlich auch wegen der vielen Leute hier, die nun ihre neue Heimat wieder aufbauen wollen und überall, besonders im Aridanetal fleißig "Häusle baue". - Zwar bekommt man als "damnificado" des Vulkans alle möglichen bürokratischen Erleichterungen, aber die Teuerung bei Baumaterialien, die muss anders aufgefangen werden. So rechnen wir durchaus damit, dass viele Baustellen, nach anfänglichem Rekordtempo, nun wieder dem uns bereits bekannten Schneckentempo anheim fallen und manch einer muss vielleicht sogar ganz den Traum vom neuen Eigenheim aufgeben.

Die Barackensiedlungen, mal Container, mal Holzhaus in Los Llanos und El Paso, sind nun in voller Auslastung, wobei ich an vielen Hütten in El Paso noch keine Gardinen flattern sehe. - Mehr Stellplatz für das Auto als für Blumenkästen und dort ist nun wirklich kein Platz für eine Gemüsegarten, aber man soll sich ja sowieso nicht für "ewig" dort einrichten. - Keine Angst, ich will jetzt nicht mit Ihnen über die Bedeutung des Adjektives ewig sprechen, denn das könnte genau so lange dauern. - Weiter bleibt die mediale Stimmung in Sachen Vulkanaufarbeitung ziemlich angespannt, wobei wir aber auch immer bedenken müssen, über die "Nichtforderungen" von "Nichtunzufriedenen" zu berichten, überfordert unsere verwöhnte Presse deutlich. - Die Kunst, über das zu berichten, was nicht passiert, fällt eben nicht gleich neben die vielen vorgefassten Presseerklärungen, welche das tägliche Brot unserer Medien mit bereits leicht ranziger Margarine befetten. - Natürlich steckt da auch ein bisschen die Wanderung der Medienkonsumenten Richtung Halbalphabetismus dahinter, mehr als ein paar Zeilen triefender Aktion und vermeintlicher Fakten, gilt doch fast überall bereits als Laberei oder Zeitverschwendung. - Kann man also wieder das "selber Schuld" über miserable Berichterstattung oder schlampiger, bis keinerlei Recherche, als Ausrede hängen. Natürlich kenne auch ich diesen Drang, gleich nach dem Betrachten eines, bitte bedeutenden Bildes bei Facebook, gleich weiter zu scrollen, ohne den Text beachten zu wollen. - Aber ich darf Sie alle warnen, hinter jedem Katzenvideo, und ich habe sie alle gesehen, und fast immer vor Begeisterung fast geheult, steckt meist jemand, der ohne Ihre Aufmerksamkeit irgendeine Schmutzität begeht oder anzettelt. - Das hat alles schon was mit unserer Faulheit zu tun. Kritisch zu sein und Dinge weiter zu verfolgen kostet Zeit und Energie. - So neigen viele inzwischen ja sogar ihre Kritikfähigkeit dem "Outsourcing" hinzugeben und einschlägige Bauernfängerkanäle als Informationsquellen zu nutzen, um alles, meist mühsam recherchierte Arbeit gelernter Journalisten, dann als Lügenpresse abzugelten. - Auch wieder selber Schuld, wer seine kritische Stimme quer hinterlegt, der kommt halt einfach nicht gerade hinaus.

Ich gebe Ihnen hier einfach mal ein gesundes Beispiel für ungesund angewandte Nachrichtenlage. - Das Cabildo Insular, also die Inselregierung, verbreitet in einer Presseerklärung, angesichts der furchtbar hohen Kraftstoffpreise, nun endlich dagegen handeln würde. - Man lasse die, selbst eingeführte "Inselkraftstoffsteuer" nun fallen, um die Verbraucher auf der Insel zu entlasten. - Hintergrund dafür ist auch, dass der Tankrabatt von bislang 20 Cent pro Liter, am Jahresende wieder wegfällt. - In der Presseerklärung, welche von fast allen Medien abgedruckt wurde, hat sich allerdings der Denkfehlerteufel eingeschlichen und dort steht, diese Steuer würde 0,02 Cent betragen. - Das ist natürlich nicht richtig, es müsste heißen 0,02 Euro, also 2 Cent. - Alle schimpfen nun, wie man es wagen könnte, solch eine geringe Entlastung überhaupt in Betracht zu ziehen, das sei eine Frechheit. - Niemand allerdings machte sich die Mühe, das mal nachzurechnen, oder nachzufragen, ob das denn richtig sei, was da steht. - Selbst ein deutschsprachiger Nachrichtendienst hat den Fehler genau so ohne darüber nachzudenken übernommen, allerdings fällt dieses Portal schon seit längerem dadurch auf, dass man lediglich die automatisch übersetzten Pressetexte behutsam wie sparsam überarbeitet. - Auch die Inselregierung kommt überhaupt nicht auf die Idee, die Falschmeldung zu korrigieren, so steht das da weiter in den allermeisten Medien zu lesen, ohne dass irgendjemand den Fehler bemerkt. - So kann natürlich die Presse keine "vierte Macht" sein. Man sollte, gerade in Deutschland, sich deutlicher klar machen, was für ein wunderbarer Luxus das ist, öffentlich rechtliche Medien zu betreiben, welche solch einen Lapsus nie durch den Faktencheck lassen würden.

Mag eine Kleinigkeit sein, an der sich wieder nur jemand reibt wie ich, aber die Beispiele kann man locker weiterspinnen. - Dauerbrenner und wieder aktuell, unser verwirrter Umgang in Sachen Müllmanagement. - "Smart Island" nennt uns keck ein Teil der Inselregierung und auf der anderen Seite kippen wir (fast) den gesamten Inselmüll in eine Schlucht. - Also wie früher, mit dem feinen Unterschied, dass nun der gesamte Müll zunächst zu einem "Umweltkomplex zur Verarbeitung von Abfall in Mazo" (Complejo Ambiental de tratamiento de residuos Los Morenos) durchläuft und dann erst auf die Kippe fliegt. - Da hatte man uns vor Jahren statt der Eierlegenden Wollmilchsau eine Krötenfressende Stinkmorchel verkauft und "verarbeiten" kann diese teure und mit Lorbeeren vorgeführte Anlage nur, was bereits getrennt nach Rohstoffen angeliefert wird. - Der Restmüll, also eigentlich so ziemlich alles hier auf der Insel, der wird weiterhin einfach deponiert. - Lediglich diejenigen Rohstoffe, welche in den dafür aufgestellten Containern noch vor der Abholung separiert werden, die können dem Recycling-Kreislauf zugeführt werden. - Da war mal die Rede davon, man wirft vorne einen Sack Müll rein, und hinten kommen da sauber getrennte Rohstoffe raus. Aber das war wohl nur die Geschichte des eloquenten Verkäufers solcher Anlagen, denn das hochgelobte Technikwunder der vermüllten Branche kann nur verarbeiten, was nicht "kontaminiert" ist. - Und kontaminiert ist eigentlich der gesamte Hausmüll bei uns, denn immer findet sich irgendwas Organisches darin und schon muss das auf die Deponie. - Groß und breit erklärt nun unsere zuständige Rätin, Schuld seien wir, die Verbraucher, weil wir nicht genügend Müll trennen würden. - Nieves Rosa Arroyo ist allerdings nicht neu auf dem Posten, das Problem ist bereits seit der Inbetriebnahme des Müllverwertungszentrums bekannt, und man hat immer noch kaum eine der vielen angedachte Maßnahmen getroffen. - Immerhin plant man inzwischen wieder zurück zur Hausabholung zu steuern, so könnte man die einzelnen Haushalte viel besser kontrollieren. - Das mit den Sammelcontainern, das ist einfach viel zu anonym, da lassen die allermeisten die Müllsau ohne Skrupel raus. - Allerdings wird das noch nicht angewandt, man müsste zunächst halt wieder mehr Geld in die Hand nehmen und dieses müssten die Gemeinden zunächst von den Haushalten kassieren. - Gar nicht erwähnt und auch nicht gefragt in dem breiten Interview, warum es denn hier auf La Palma überhaupt kein Pfandsystem gibt. - Nur die Gastronomie wird noch mit Mehrwegflaschen versorgt, der Handel bietet das überhaupt nicht mehr an. - Einmal im Jahr, kurz nach Weihnachten über den Müll sprechen, das ist einfach zu wenig.

Man kann daraus aber auch deuten, dass der Vulkan inzwischen solche unappetitlichen Themen bereits zulässt. - In der Tat ist für die Allermeisten inzwischen anfänglicher Alltag, mit allen Ecken, Kanten, Geraden oder Gefällen. Für viele andere allerdings bleiben die Wunden, das Heim verloren zu haben, weiterhin weit offen. - Es sind keine wirklichen Zahlen zu finden, wie vielen Menschen denn jetzt noch geholfen werden muss. - Man weiß, einige sind sogar noch im Hotel untergebracht, viele wohnen weiterhin zur Miete, andere in den Baracken oder Container-Siedlungen, aber die Mehrzahl baut sich gerade ein neues Haus und das ist auch gut so. - Dann sind da immer noch die Leute aus Puerto Naos und La Bombilla, zusammen wohl an die 2.500 Menschen, welche keine konkreten Pläne erfahren, wann sie denn wieder in ihr Haus oder an die Arbeit gehen können. Die Gase, allem vorweg das CO2 verhindern das weiterhin. - Auch wird immer noch gestritten, ob das Kohlenstoffdioxid wirklich von Vulkan, also Magma aus dem Untergrund stammt, oder ob da die Sickergruben mit eine Rolle spielen, welche halt seit 15 Monaten nicht mehr benutzt wurden. - Immer neue Ideen tauchen auf, manchmal sogar irrwitzig anmutende Pläne und die nicht betroffenen Beobachter können wählen: Glaube ich der puren Wissenschaft, also den Geologen der "Involcan" und den anderen Instituten oder lasse ich mich auf andere Deutungen ein, die in manchen Kreisen durchaus schon verschwörerische Hintergründe finden.

Nicht alleine die vielen Leute, welche weiterhin zwangsweise zur Miete wohnen haben auch auf La Palma die Mietpreise in, für uns unbezahlbare Höhen, steigen lassen. - So muss man für ein Normalhaus, mit 2 Schlafzimmern und Garten, außerhalb der Städte bereits stringent über 1.000 Euro berappen und die meisten Arbeitnehmer hier, sind so genannte "Mileuristas". Das heißt "Tausendeuroer" also Mitbürger, welche an die Eintausend Euro im Monat nach Hause schleppen und sich somit solche Häuser natürlich überhaupt nicht leisten können. - Für diejenigen, welche ihr Haus beim Vulkanausbruch verloren haben, für die gibt es Mietzuschüsse, aber für Pedro Normalpalmero eben nicht. - Jetzt hofft man natürlich, dass sich die Situation langsam bessert, wo doch immer weniger Menschen auf den Markt der Mietobjekte angewiesen sind und man darüber hinaus doch deutliche Bautätigkeit, besonders hier im Tal, bemerken kann. - Die allerbeste Lösung wäre natürlich auch wieder, man würde die vielen leer stehenden Häuser und Wohnungen auf den Markt werfen können, aber dieser Vorschlag endet halt wieder schnell im Bereich der freien Entscheidungsmöglichkeit der Eigentümer. - Die Forderung nach mehr Staat ist hier genau so unbeliebt wie bei der FDP und dass Eigentum auch Verpflichtung und Verantwortung bedeutet, wird anders dekliniert als wir Salonkommunisten das pfleglich handhaben wollen. - In keinem Fall gibt es da einfache Lösungen, allerdings jagen wir natürlich so auch viele Leute von der Insel. - Und dabei eben meist welche aus dem, ohnehin bereits angenagten Fundus der Menschen aus dem produktiven Teil der Bevölkerung, was uns volkswirtschaftlich natürlich deutlich schadet. - So fragen auch alle immer wieder gerne nach dem großen Plan, der uns in eine brillante wie fast kostenfreie Zukunft leiten wird. - Darauf kann ich weiter nur warnend antworten: Immer wenn wir Pläne gemacht haben, dann ist alles schief gelaufen und krumm gekommen. - Eher die Dinge wachsen lassen und schneller auf Veränderungen reagieren. - Wir sind sowieso nicht in der Lage, überhaupt eigene Entscheidungen zu treffen, wo der absolute Großteil unserer Etats von außerhalb kommt und wir großmäulig auf Berlin machen. - Die allerdings waren, oder sind wenigstens "arm aber sexy" wie es mal Wowereitsch so glamourös hieß, wir aber sind arm und mit Wollsocken wie Maurerdekolleté unterwegs. Das ist eigentlich in Ordnung, wenn man arbeitet und sich bückt, um Unkraut zu jäten, den Häcksler reinigt oder Stein auf Stein Kathedralen aufschichtet, dann hilft einem sexy nämlich nicht so wirklich weiter. - Nur keine Pläne machen, das hat schon in der DDR nicht funktioniert, in Cuba genau so wenig und auf La Palma führen Pläne meist direkt vom Markt in die Wirtschaft.

Der Vulkankegel selbst hat sich inzwischen für die meisten Betrachter längst als normaler Horizont eingeschweißt. - Noch qualmt er vor sich hin, meist schwefelige Dämpfe, wie man an den Ablagerungen auf dem Gipfel erkennen kann. - Regnet es, dann steigt auch viel Wasserdampf auf, denn weiterhin sind, weder Kraterkegel noch Lavazunge, überall ausgekühlt. In vielleicht nur 10 Meter Tiefe unter der Lava sind noch Temperaturen zu finden, welche eben Wasser in Dampf verwandeln. - Aber es gibt keinerlei Anzeichen für eine schnelle Reaktivierung der Eruptionstätigkeit, die jetzt bekannten Magmakammern füllen sich nicht (noch nicht) erneut. Es gibt allerdings eine zarte Bodendeformation der beiden Stationen LP3 und LP4, also der dem brutalen Geschehen am nächsten gelegenen Messinstrumenten. - Zu gering, um bereits wissenschaftliches Interesse in Bewegung zu setzen, zumal die seismischen Ereignisse weiterhin abnehmen. - Überhaupt ist es fragwürdig, ob man den Beben unter 1mbLg überhaupt als Beben markieren sollte, aber die Sensoren sind nun mal derart fein eingestellt. - Neulich waren wir mal wieder Fran besuchen, also die Gedenkstätte für den Feuerwehrmann und Mitarbeiter der Umweltbehörde, welcher vor nun bereits über 6 Jahren ums Leben kam. - Dazu beschreitet man den Forstweg vom Llano del Jable Richtung Fuencaliente, auf der Trasse, welche mal kurz als Notverbindung vom Aridanetal nach Las Manchas dienen sollte. - Da hatte man lockere anderthalb Millionen Euro investiert, um die Piste gut befahrbar zu machen. - Das Geld hätte man wunderbar woanders verwenden können, denn der Weg ist nach den ersten Niederschlägen bereits so wie vorher, für PKW schlecht befahrbar. - Darüber hinaus gibt es ja die Straßen von La Laguna nach Las Norias, also kann man den Weg dort oben wieder locker den Fußgängern und Besuchern Frans überlassen. Ähnlich ergeht es dem Bootsanleger, der in La Bombilla gebaut wird, auch der ist schon wieder beschädigt, noch bevor das Ding überhaupt in Dienst gehen konnte. - War halt auch während der Eruption "übers Knie gebrochen" und wird wohl nie sinnvollen Betrieb erreichen.

Wir sind noch nicht wirklich im Alltag angekommen, allerdings öffnet sich eine Schere zwischen denen, die den Vulkan zwar von nahem erlebt haben, aber nicht finanziell betroffen sind und denjenigen, welche vieles oder gar alles verloren haben. - Das Verständnis bröckelt und ab und zu vernimmt man schon Leute sagen: Jetzt ist aber auch mal wieder gut mit den ganzen Hilfen. - Wobei viele Betroffene wiederum sagen, wir haben noch gar nichts oder viel zu wenig von den versprochenen Hilfen gesehen. - Wäre schade, wenn sich daraus ein Neidwettbewerb entwickelte, denn das würde niemandem helfen oder gar gerecht werden. - Ich kann das nicht einschätzen, ob zu viel, oder zu wenig geholfen wurde seitens aller öffentlicher Institutionen, darüber hinaus sind ja auch alle Fälle völlig unterschiedlich gebaut und auch zu bewerten. - Vielleicht war auch das Versprechen zu groß, oder die Erwartungshaltung an Staat, Behörden und Gemeinden. - Das ist aber sicherlich keine palmerische Bedeutungs- oder Sinnfrage, in wie weit, die berühmte Öffentliche Hand, sich so weit öffnen muss, damit alle Lasten in Krisen, Unfällen und schwierigen Zeiten vom Bürger genommen werden und damit anderen zur späteren Last gelegt. - Weniger Staat wird oft gerufen, meist wenn es um persönliche Freiheiten geht. - Läuft aber dann was schief und krumm, dann kann es nicht Staat genug sein. Ich kann kein Rezept für den richtigen Einsatz gemeinschaftlicher Mittel nennen, dafür fehlt mir auch der Überblick. - Allerdings können wir auch hier wieder feststellen: Nicht derjenige, welcher am dringendsten Hilfe braucht, bekommt auch die meisten Zuwendungen, sonder diejenigen, welche am pfiffigsten sind, den besten Steuerberater haben oder einfach keine Skrupel kennen. - So ganz menschlich halt, so wie wir das alle von überall her kennen. Nicht mal der berühmte Sinnspruch, Hinterher weiß man es besser, lässt sich hier anwenden, man weiß es doch gar nicht wie es gekommen wäre, hätte man es anders gemacht. Dann noch der Aufruf an Menschen, die aus dem Sendebereich des MDR stammen, also Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen und hier auf der Insel vom Vulkan geschädigt wurden. - Der Sender will im Programm "Lebensretter" berichten und hat noch keine Interviewpartner aus dem Stammgebiet des MDR gefunden. - Einfach mir schreiben, Tel.-Nummer nennen und ich gebe das dann weiter.




Immer weniger Beben weisen auf einen weiteren Rückgang der vulkanischen Aktivität unter La Palma hin
Quelle: IGN




Der Krater aus Südosten, vom Feldweg "Pista Fran Santana" aus betrachtet




Trotz des starken Regens Anfang des Monats findet man eher selten solch kontrastreiche Erosion des vulkanischen Materiales. - Das Zeug ist derart porös und scharfkantig, dass es mit Wasser vermengt kaum ins Rutschen oder gar Fließen kommt. Gut für uns!



Mittwoch 07.12.2022 El Paso 10:00 Uhr


Und Antonio hatte doch recht
Bei Regen bleibt man einfach liegen



Seit heute früh, sehr früh, regnet es so, wie es früher mal war. - Da ich generell, allgemein und im besonderen dem "früher" gespalten gegenüber stehe, bemühe ich natürlich sofort meine Tabellen und Messergebnisse, die bis vor die Jahrtausendwende reichen. - Und in der Tat, mit lockeren 70 Millimeter hier in Tajuya innerhalb von drei Stunden müssen wir schon eine Weile zurückblicken, bis wir ähnliche Niederschlagsmengen vermelden können. - Aber auch wieder kein Rekord, nur eben so, wie das früher öfter mal der Fall war. - Dabei erwischt uns lediglich der Ausläufer eines Tiefdruckgebietes auf seinem Weg über den Atlantik, nicht mal die Front komplett. - Aber es kommt eben genau aus der richtigen Richtung für das Aridanetal, nämlich aus Südwesten und wenn wir die Voraussagen richtig verstehen, dann wird es auch bis in den Nachmittag hinein noch zu weiteren Niederschlägen kommen. - Wir hatten das ja schon bereits so vermutet, aber wenn einem das Wasser dann so richtig um die Füße schießt und wir auf knapp 600 Metern Höhe auch "Land unter" melden, dann weiß man nicht so ganz genau, ob man sich jetzt freuen soll, oder sogar ein bisschen Angst bekommen. - Da so viel Landschaft hier auch bereits versiegelt ist,bahnt sich unheimlich viel Wasser den schnellen Weg nach unten und es kann zu deutlichen Schäden führen. - Muren und Lahare sind da zu nennen, wobei die Asche des Vulkanausbruchs nur ganz schwer ins Rutschen zu bekommen ist. - Da hatten wir ja noch während der Eruption befürchtet, beim ersten schweren Regen würde da viel in Bewegung kommen, aber das ist nicht so. - Das Material ist derart porös und scharfkantig, dass es schwer wird und sich ineinander verhakt, so dass es so gut wie nicht zu bewegen ist. - Eher das gröbere Geröll, welches von den Wassermassen über die Straßen gespült wird ist da gefährlich, und natürlich die immer auf Starkregen folgenden Steinschläge und Erdrutsche in den steilen Insellage. - Hier in direkter Umgebung fürchten wir diese nicht, das Aridanetal ist keine Schlucht, sondern lediglich eine flachere Region auf einer steilen Insel, welche durch Absenkung vor, ich weiß nicht wann, entstanden ist.

Wir "ernten" hier immer das Wasser, welches die kleine Straße heruntergespült wird, die zu unserem Haus führt. - Es ist immer knapp davor, dass es wirkliche Schäden gibt und wohl muss ich mal mit der Gemeinde reden, ob man da auf der Straße irgendwelche Maßnahmen durchführen könnte, welche das Wasser nicht mehr auf unser Grundstück leiten. - Kurz reißt jetzt mal die Wolke auf, in der wir stecken und wir können ein paar Bilder schießen von der Umgebung und eben besonders der Lavazunge. - Seit über einem Jahr liegt diese dicke Lavawurst ja inzwischen dort und hatte reichlich Zeit, abzukühlen. - Allerdings verraten uns die klar definierten Dampfwolken über der "Colada" wie man hier zu den Lavazugen sagt, dass da noch viel Hitze im unteren Teil vorhanden ist. - Die Straße zwischen La Laguna und Las Norias musste man auch gleich nach Beginn des Starkregens sperren, vor lauter Wasserdampf was es unmöglich, auch nur ein paar Meter weit zu sehen. - Es hat ja bereits öfter auf die Lavazunge geregnet, besonders im Oktober, und auch schon im Februar und März, aber eben noch nie solche Wassermassen. - Diese dringen halt jetzt besonders tief ein und gelangen an die Stellen, welche immer noch heiße Lava vorhalten. - Ein weiteres Schauspiel gönnen wir Vulkangeschädigte uns, in dem wir den Seismografen der Station TBT des IGN betrachten, welcher in der Caldera de Taburiente liegt. - Der zeigt uns sonst immer, neben den kleinen Beben, die immer noch stattfinden, auch Ebbe und Flut an und die Arbeitszeiten des Steinbruchs am "Riachuelo" auf der anderen Seite des Bejenado, oberhalb El Pasos. - Jetzt aber zeigt uns die Grafik einen "waschechten" Tremor an und wir erinnern uns dunkelgerne an die, fast drei Monate Eruption, als diese Grafik sich anscheinend niemals mehr ändern wollte. - Aber keine Angst, der Vulkan ist nicht wieder aus seiner Pause erwacht, sondern der Tremor zeigt das rauschende Wasser an, welches die Schlucht hinab stürzt um in Puerto de Tazacorte dann den Atlantik braun zu färben. - Das kann dort auch richtig gefährlich werden, vor an die 15 Jahren wäre fast die Straße, welche das Flussbett den letzten Kilometer hinab begleitet, eingestürzt und auch fürchteten wir damals um das beste Fischrestaurant dort, um das Playamont.

Im Haus suchen wir jetzt die neuen undichten Stellen, denn auch wir haben uns der traditionell semipermeablen Bauweise hier angepasst. - Dabei tropft das Wasser auch gerne nach jedem Starkregen durch andere kleine Risse im, ohnehin bereits geflickten Dach. Bis wir dann endlich dahintersteigen, wo denn nun das Wasser herkommt, da hört der Regen auch schon wieder auf, Weihnachten und Karneval folgen und schon haben wir wieder keine Zeit mehr, das Dach umfassend zu flicken. - Unser Nachbar Antonio, der mit nur einem Bein und jetzt auch schon wohl seit 15 Jahren auf dem Friedhof, der ist bei solchem Wetter erst gar nicht aufgestanden. - Inständig hoffe ich zwar, dass er wenigstens zum Pinkeln das Bett verlassen hat, oder zum nahen Nachttopf griff, aber Antonio sah man bei Regen überhaupt nicht und erst mit zeitlichem Respektsabstand nach dem Regen. - Man kann ja eh nichts machen, wird nur nass und alles läuft aufgeregt hin und her, weil irgendwo das Wasser von der Wand tropft. - Freut euch für den Garten, das Gemüse wird prächtig, die Kartoffeln sind noch früh genug in die Erde gekommen und die Mandelblüte wird sicherlich eine Pracht diesen Winter. - Recht hat er gehabt, unser Antonio, auch wenn er sonst ein eher kratzbürstiger Zeitgenosse war. Vom Wetter hat er was verstanden und besonders davon, wie man damit umzugehen hat. - Der Kamin ist eingeheizt, die Fotos gemacht, der Text hoch geladen, also mach ich jetzt auf Antonio und krieche erst wieder aus dem Bett, wenn die Vögel wieder zwitschern.




Quelle: IGN

Bevor Sie jetzt wieder den vulkanologischen Notstand ausrufen: Diese Grafik ist zwar echt, allerdings zeigt sie das rauschende Wasser an, welches sich den Weg, vorbei an der seismischen Station, in den Atlantik bahnt.



Land unter, selbst bei uns in Tajuya




Ein feuchter Treppenwitz




Da schwimmt mir fast der frische Kompost weg




Im Barranco de los Zamuros...




Aus Spalten und Lücken in der Lavazunge steigt heißer Qualm auf




Die Thermen von La Laguna





Freitag 30.11.2022 El Paso 12:00 Uhr


Touristischer Vulkankredit abgelaufen
Santa Cruz erfindet sich aus Versehen neu



Gut, dass ich nichts von Fußball verstehe, so können wir das wenigstens schnell abhaken. - Als Kollateralgewinn dieser Meisterschaft der pomadigen Tretkünstler allerdings haben wir gelernt, dass unteilbare Menschenrechte so etwas Klebriges wie Politik seien und ein glatzköpfiger Schweizer die moralische Instanz für die Zuteilung solcher Rechte patentiert hat. - Dabei könnte ich wetten, man kann auch ohne die Fifa Fußball spielen und sich ohne Twitter verständigen. - Allerdings liegen zwischen der simplen Feststellung der Möglichkeiten und dem Handeln im Vollbesitz seiner Eier immer noch breite Schichten an parasitären wie präkognitiven Claqueuren. - Die Einen wollen mitverdienen, die anderen beklatschen sowohl Macht als auch Machtmissbrauch und wer von den beiden Gruppen an Verwirrten mehr Mitleid oder mehr Verabscheuung verdient, ich weiß es gar nicht. - Auf jeden Fall werde ich das Bild nicht vergessen: Glatze Infantino windet sich neben der blonden Ministerin mit der "One-Love-Binde", als wäre ihm gerade der ganze Kaviar wieder hochgekommen. - Man kann es kaum glauben, für Frau Faeser das größte mediale Ausrufezeichen in ihrer ministeriellen Karriere bislang. - Auch daran kann man erkennen, wie die Zeiten stehen. - Wenn man selbst mit einem weichgewaschenem, also katarisierten Regenbogen schon Protestpunkte einholen kann, dann ist der Gutmenschstandard mal wieder drastisch auf der, nach unten offenen Kim-Jong-Un-Skala gesunken. - Um im Jargon zu bleiben: Fifa 100, Nancy Faeser 1, alle anderen 0. - Dazu darf ich wieder mal einen Satz aus der Phrasenkiste für entrückte Philosphen neu bestücken: Nur die Fifa geht zugrunde, wenn wir ohne Fifa Fußball spielen. - Und schon sind wir wieder durch, mit dem Moralin versuchten Kapitel in der monatlichen Kolumne und können uns voll und ganz dem wunderbaren wie wundersamen Inselchen La Palma widmen.

Die Halbwertzeit von Naturkatastrophen kann in vielen Graden gemessen werden. - Generell sagt man ja, dass in entwickelten Ländern ein solches Geschehen mittelfristig einen wirtschaftlichen Aufschwung für die Region bedeutet. - Das kommt schon hin, auch hier. Nur scheint die Mittelfrist bald abgelaufen, die Gelder fast schon alle verteilt und wer jetzt noch kein neues Häuschen hat aus irgendwelchen Wiederaufbaufonds, der muss sich beeilen auf der richtigen Seite der Hilfeneruption zu stehen. - Wie die Coalición Canaria das hinbekommen hat, dass nun tatsächlich für die kommenden zwei Jahre allen auf La Palma tätigen die Einkommenssteuer um 60% gesenkt wird, ich weiß es nicht. - Eigentlich sollte ich nicht darüber meckern, bin ich doch Nutznießer einer solchen Gabe, allerdings gehöre ich eben zu den vielen Einwohnern der Insel, die nicht wirklich durch den Vulkanausbruch einen finanziellen Schaden davongetragen haben. - Im Gegenteil, wer wirklich schlimm dran ist oder schon vorher wenig hatte, der kann überhaupt keine Einkommenssteuer sparen, weil er eh keine und nur ganz wenig bezahlt. - Die Deutschen haben die FDP, wir die Coalición Canaria für die notwendige Ungerechtigkeit in kapitalistischen Systemen, soll sich also keiner benachteiligt fühlen. Natürlich ist es in Madrid so gut wie nicht spürbar, wenn wir weniger Steuern bezahlen, so unwichtig und ungewichtig sind wir, aber wenn schon die Schönheit und Kraft schwinden, dann bleiben einem doch immer noch die Prinzipien. - Weiß gar nicht, woher ich das nun wieder habe. - Jetzt wo Sie es sagen, fällt es mir aber auch wieder ein: Neulich musste ich wieder mal Zementsäcke schleppen und ich hätte schwören können, das waren wieder die mit 50 Kilo Inhalt. Auf jeden Fall kamen mir die genau so schwer vor, obwohl es natürlich nur die 25 Kilo Säcke waren. Aber daran kann man auch mal erkennen, dass die relative Theorie doch was mit Zeit zu tun hat und damit erneut erstaunliche Trefferpunkte macht.

Die Holzbaracken in El Paso und Los Llanos, genau so wie die Wohncontainer in der Aridanemetropole sind nun allesamt obdachlosen Vulkanopfern übergeben worden. - Lachende Gesichter in den Pressefotos, die Leute vom Gobierno de Canarias versuchen sich dabei vor die nachgerückten Vertreter der Gemeinden zu platzieren und irgendwie erinnert mich das mehr an einen lachenden Laschet, als an einen knieenden Brandt. - Dabei sind die Holzhäuser nicht mal ohne. Die Größeren sogar mit einem angedeutetem Wintergarten, nur blickt man durch die wohlgeputzten Fenster auf zig andere Holzhäuser im gleicher Bauweise und braucht sicher keine Brille, dem Gegenüber dabei beim Sudoku zu helfen. - Als Notunterkünfte genau so wie die Container in Los Llanos sicherlich tragbar, allerdings befinden wir uns deutlich ein Jahr nach Beginn der Eruption und damit der Notlage und eigentlich wäre es nun an der Zeit, langfristige und vor allem weniger gehälfsmäßige Vorschläge zu unterbreiten. - Gut, die Vielzahl derjenigen, welche ihr Haus verloren haben sind untergebracht, meist auf Eigeninitiative und mit dem Geld des staatlichen Versicherungskonsortiums. - Viele wohnen auch zur Miete und wollen das sogar vielleicht beibehalten, da der Preis für Grundstücke und Häuser auf der Insel, oder zumindest im nördlichen Aridanetal, eruptionsartig angestiegen sind. - So spüren wir schon die vermehrte Bautätigkeit um uns herum und was da unten in La Laguna nun seit fast einem Jahr an Steinen geklopft wird, das erschließt sich uns immer noch nicht ganz, ohne die tiefe Verschwörungsdrüse zumindest regional zu aktivieren. - Nur für die Straße zwischen La Laguna und Las Norias kann das nicht sein. - Eher mutet das alles bereits wie ein großer Steinbruch an, in dem Baumaterial für mehr als nur ein "Tal" bearbeitet wird. Wie nun eine private Firma ohne Ausschreibungen und Raumordnung einen "Steinbruch" auf der frischen Lavazunge betreiben kann, oder noch schlimmer, mitten im Ort La Laguna, das erschließt sich vielleicht erst, wenn man nach Zusammenhängen sucht. - So wirbt das Cabildo Insular auf der Messe "Constructec 2022" für den Verkauf von Baumaterialien aus vulkanischem Ursprung und das angebotene "Zeug" scheint nicht einfach nur so aufgesammelt zu sein. - Sicher wäre das ein guter Zug, aus dem Vulkan eine wirtschaftliche Tugend zu machen, allerdings fehlt uns hier mal wieder jegliche Transparenz und öffentliche Aufklärung, warum denn seit fast einem Jahr in La Laguna so etwas wie ein Steinbruch entstanden ist und wer davon profitieren könnte.

Fragen über Fragen begleiten so generell den Wiederaufbau und nachdem wir alle nicht nur Vulkanologen, sondern auch begnadete Raumordnungsplaner und Städtebauer sind , fällt es doch sicher leicht, das alles ausschließlich positiv zu betrachten. - Mir sowieso, steckt doch genug kapitallastige Gießkannenkultur in so ziemlich allen Hilfeplänen. - Als wäre ein Stückchen FDP auf der Insel, oder wie soll man das erklären, dass diejenigen, welche eh am meisten verdienen, auch die meisten Steuern sparen können. - Gut, nur in den beiden kommenden Jahren, aber wie ich uns Schlawinerchen kenne, ziehen wir das auch noch deutlich in die Länge. - Allerdings fürchten wir als kleine, unschuldige Spendenempfänger schon ein bisschen die kommenden Wahlen im Mai 2023. - Es besteht ja die Unruhe, die Partido Popular könnte zusammen mit den Nationalisten der VOX eine Mehrheit in Madrid gewinnen und die sind nicht so zimperlich und chakrengesteuert wie die sensiblen Linken der PSOE und Podemos und könnten schnell Schluss machen, mit der reichlichen Vergabe regionaler Bonbons. - So wissen wir ja auch noch nicht, was aus den, wohl über 2.000 Arbeitskräften wird, welche in Sachen Vulkanwegräumen von den Institutionen in diversen Riegen angestellt wurden. - Die meisten Verträge, welche ausschließlich für die Beseitigung der Folgen des Vulkanausbruchs eingestellten Arbeiter, laufen Ende dieses Jahres ab. Weiter nehmen wir an, stellen schnell lokale Fürsten ein paar von denen wieder ein, um genügend Freunde zu haben für die Kommunalwahlen, aber dann spätestens im Mai 2023 wird wohl der Arbeitsmarkt wieder vulkanbereinigt sein. - Dabei werden in vielen Branchen, vor allem auch in der Gastronomie händeringend Leute gesucht, welche mehr als einen Teller auf einmal, weiter als 10 Meter weit tragen können. - Die "Guten" sind eh alle schon weg, so munkelt man hier, die Jungen, die was auf dem Kasten haben sowieso und übrig bleiben wieder mal wir, also die Einäugigen. Heißt diejenigen, die nur aus Mangel an Konkurrenz überhaupt noch Lohn, Brot und/oder Subventionen bekommen. - Ich nehme mich da nicht aus, auf dem internationalen Arbeitsmarkt wäre ich sicherlich auch nicht nur des Alters wegen bereits aussortiert. - Doppelt links und grün versifft, Besserwisser und Choleriker, seit 30 Jahren selbstständig, so etwas ist auch unter dem Vulkan nicht mehr zu vermitteln.

Also denken wir darüber nach, alle vom Vulkan zerstörten Flächen an Bananen wieder herzustellen, am besten natürlich mit Subventionen aus Europa. - Die sind nämlich so blöd und subventionieren alles, auch die Wiederherstellung von Anbauflächen, auf denen aus den gleichen Töpfen das angebaute Produkt ebenfalls subventioniert wird. Aber es ist ja für einen guten Zweck, für uns, und wer will denn der armen, vom Vulkan gebeutelten Insel auch noch die geliebten und teuren Bananen wegnehmen. - Aber hier wiederhole ich mich gerne, in der Partitur der Landwirtschaftshilfen der EU stehen wir mit einer Null vor dem Komma als nur ganz kleiner Sünder da. - A bisserl was geht immer, auch immer weiter und irgendwas ist schon dran an der lustigen Strategie: Lieber die europäische Landwirtschaft subventionieren, als alles auf dem Weltmarkt suchen. - Haben wir doch gerade wieder gelernt, dass selbst in der kleinsten Matroschka noch ein Skrupel stecken kann und bevor wir Bananen beim Chinesen ordern, schicken wir lieber Geld auf die Kanaren. - Witzig, dabei kommt die Pflanze ursprünglich sogar aus Asien, hat aber seine shareholdertaugliche Karriere dann woanders gemacht. - Um aber überall wieder Bananen zu pflanzen, auch dort wo sie vorher waren, ist nicht nur eine Frage des Laufs der Vulkanzungen, sondern viel mehr der Wasserverteilung. - Noch mehr Plantagen sind aufgrund Wassermangels zerstört worden, als durch den Vulkan direkt. - Gut, irgendwann wird die Wasserversorgung überall wieder stehen, aber bislang ist da lange noch nicht alles geflickt. - Dazu muss es natürlich auch genügend regnen. - Bislang tat es das diese Wintersaison lediglich auf der Ostseite und im Norden der Insel, allerdings kommt dieses Wasser, sei es auch auf Umwegen, auch der Westseite zugute. - Hier im Tal gab es im Oktober zwei nette Höhentiefs, danach und bis zum heutigen Datum allerdings ging der komplett Westen leer aus. - Jetzt aber formieren sich gleich zwei Tiefs auf unserer Höhe und wir dürfen ab dem 4. Dezember dann tatsächlich auch mit reichlich Niederschlägen im Aridanetal rechnen. - Ein großes Hoch über Mittel- und Nordeuropa bremst den Weiterzug der Tiefs nach Osten und so könnte das endlich mal wieder mit saftigen Niederschlägen auf den Westseiten der Kanaren klappen. - Wenn die beiden Tiefs sich geschickt ablösen, also mal landwirtschaftsfreundlich gedacht, dann können wir bis zu 10 Regentage im Dezember erhoffen und so der Vegetation im Westen auch einen gewaltigen Schub verleihen. - Wäre auch schön für die Kiefern rund um den Vulkan. - Die treiben zwar fast alle wieder aus, was jetzt aber noch fehlt, ist ein kräftiger Schluck aus dem Himmel, um wieder richtig frech zu grünen.

Die Zahl der Inselbesucher tröpfelt eher, als einen steten Fluss dazustellen, wobei weiterhin mehr Besucher aus dem Inland anzutreffen sind, also solche mit ausländischer Provenienz. - Aber generell weniger und der Besuch des Vulkans, der immer noch keinen richtigen Namen hat, scheint inzwischen einfach nur weiterer Punkt der to-see-Liste zu sein und nicht ersatzlos triftiger Grund auf die Insel zu kommen. - (Ich weiß auch, dass viele den Vulkan "Tajogaite" nennen, aber da es kein offizielles Organ gibt, welches ein solches Naturmöbel endgültig benennt, sind die meisten deutlich unzufrieden mit den aufgezwungenen Namen) Egal, bis zur nächsten Eruption kann man auch einfach "der Vulkan" sagen und so wird das auch von den meisten gehandhabt. - Allerdings trifft uns hier auch ein bisschen wieder Mitschuld, da wir den Vulkan und seine Lavazungen nicht gut vermarkten. - Wir werden zu sehr auf Abstand gehalten, nur ausgewählte und bezahlende Leute kommen dem Ding auf geführten Wanderungen näher, aber wie auf Island oder Hawaii, wo man sich der Lava bis auf wenige Meter nähern kann, keine Chance. - Sicher steht der Aspekt des Schutzes der Gesundheit und des Lebens komplett vorne an, aber wir dürfen ja nicht mal näher als 10 Meter an die bereits erkalteten Außenränder der Lava. - Noch weniger in Richtung Krater, dabei wäre das natürlich der echte Hammer, sich den noch dampfenden Schloten nähern zu können und dabei dem Vulkan so richtig in die Magengrube zu riechen. - Aber wenn was passiert? - Böse Zungen behaupten jetzt sogar, es wäre gut, wenn irgendwo jemand in den Krater plumpst. Dann kommen wir wieder in die Zeitungen und ins Fernsehen, aber das wäre dann so ähnlich gruselig, wie die vielen Berichte über die Ukraine. - Wieder fehlt die kluge und stringente Hand, die uns gute Regeln mitgibt und den Leuten ein bisschen mehr Eigeninitiative aufgibt. - Wenn wir nicht ran können an den Vulkan, dann wird der uns auch nicht mehr als Lockmittel dienen. - Gerade wo wir wissen, wie heute Werbung gemacht wird und in ein- und ausschlägigen Medien Bilder dafür sorgen, für Destinationen zu werben.

International gesehen steht dann aber noch die Flugreise an, welche ganz schnell für Verdruss sorgen kann. - Wenige Verbindungen bleiben bestehen, andere müssen einen ganzen Tag reisen, um 3.500 Kilometer zu überbrücken, da Uhrzeiten und Flugrouten nicht immer um den Nabel der Welt, also uns, gesetzt wurden. - Was für ein riesiges Glück, dass dennoch viele Stammgäste uns weiter besuchen, auch weil Corona und dann der Vulkan das "La Palma Ereignis" die letzten Jahre verhindert haben. - Die Aussichten werden auch kurzfristig nicht besser, auch wenn man aus dem Cabildo schon wieder mit Geld droht, welches man allerdings schon längst nicht mehr hat. - Aus Madrid will man sich noch Honigtöpfe erschließen, um dann wieder mit dem Scheckheft lustige "Werbeverträge" mit gewissen Airlines abzuschließen, welche dann plötzlich doch wieder auf die garstige und so sehr eigenwillige Insel fliegen. - Wir sind halt wieder da, wo wir bereits Anfang des Jahrtausends waren: Die geringe Verfügbarkeit an Fluggastplätzen auf die Insel hindert uns daran, internationalen Tourismus breiter aufzustellen. - Natürlich kommt auch hier wieder die Nischengeschichte, welche ich erzähle, seit Windows 3.11uns den Kugelschreiber aus der Hand geschlagen hat. - Wir müssen in den Nischen unser Produkt suchen, da wir auf dem "normalen" Markt der Destinationen in Sachen Mittelstrecke niemals mithalten können und das eigentlich auch gar nicht versuchen sollten. - Da ist der Vulkan schon nicht schlecht, noch besser wenn man ihn anfassen könnte, aber generell ist es wohl interessanter, ein ungeschliffenes Inselchen mit Kanten, Ecken aber Authentizität zu besuchen, als ein touristisch weich geklopftes Standardziel der Hotel und Strand Klasse. - Eben ohne den Segen internationaler Konzerne, ein bisschen wild und störrisch von Anfang an und wenn es halt schwierig ist, zu uns zu kommen, dann wird das doch auf der anderen Seite wieder wertvoller, bei uns zu sein. - Also lassen wir die ganze dämlich Planung doch wieder sein und finden uns ab mit dem, was wir sind. Die größte Zwerginsel auf dem Ozean, der kleinste Scheinriese im touristischen Konzert und jeder unserer Besucher kann sich sicher sein: Das ist kein Schauspiel hier, sondern alles echt. - Jetzt haben wir den Slogan doch noch gefunden: ECHT!

Dass man bei uns die Sachen nicht wirklich planen kann, nicht mal im negativen Sinne, macht uns die charmante Renaissance der Hauptstadt deutlich klar. - Wir erinnern uns. - Um die Jahrtausendwende hat Los Llanos die Hauptstadt Santa Cruz deutlich hinter sich gelassen. Sowohl, was die Anzahl der Einwohner angeht, als auch in Sachen wirtschaftlicher Bedeutung. - So zogen seinerzeit Banken (zum Beispiel DB-España) und andere Geschäfte auf die Westseite und was an größeren Läden sonst Leute in die Stadt lockte, das zog nach La Grama in Breña Alta, was man heute als "Rund um den Lidl" kennt. - Wären da nicht die vielen Institutionen, die man als Hauptstadt so führen muss und der harte Kern an Städtern, vielleicht hätte sich diese Neuerfindung Santa Cruz´ nicht wirklich entwickeln können. - Die Voraussetzungen sind eigentlich klar und negativ. - Kein Raum um zu wachsen, keine bequemen Parkplätze, in der Rushhour hektisch, danach verschnarcht. - Die meisten Besucher mussten meist notgedrungen nach Santa Cruz, dam man was zu erledigen hatte und weil die Busanbindungen weiterhin schlecht sind und der Bus nur in den Süden der Stadt fährt, wählen fast alle das Auto und wissen dann nicht, wohin damit. - Das Parkhaus hat da kaum geholfen, da schlecht gelegen und schwer zu finden und ebenso kurvig zu gebrauchen. - Der stationäre Handel zog langsam nach Breña Alta, auch weil der dortige progressive Bürgermeister Blas Bravo strategisch wohl gelegene Teile der Gemeinde als weiche Industriezone auswies und damit den Handel an sich riss. - Fast trotzig zog man sich zurück in der Hauptstadt und seit dem man dann auch noch die Umgehungsstraße hatte, konnte man nicht nur durch Santa Cruz fahren, sondern locker auch daran vorbei.

Schon damals haben manche, ab und zu kluge Kreise gefordert, Santa Cruz müsste den Mut haben, sich neu zu orientieren. - Einen deutlichen Strukturwandel sollte es schon sein und weniger auf Tradition pochen, sondern charmanter und lockerer werden. - Kleine Geschäfte, welche appetitliche Dinge feil bieten und nicht mehr Waschmaschinen oder landwirtschaftlichen Bedarf in einer Fußgängerzone. - Bummeln, schlendern, gucken und verweilen, statt hektisch von einem Amt zum anderen den kürzesten Weg zu schlagen. Das Umfeld dafür war ja immer da, auch weil man es in den gefährlichen Wachstumsjahren versäumt hatte, grausame Straßenschluchten und Wohnparks durch die Altstadt zu schlagen. - Gut, solche gibt es außerhalb der Kernzone der Stadt wohl, allerdings kann man diesen Sünden des Wachstums einfach und ohne viel Mühe entgehen. - Ein bisschen "Schuld" haben sicher die Kreuzfahrer auch am Wandel der Stadt, ein wenig mehr der so strittig diskutierte Stadtstrand, aber am meisten hat sicherlich der unbändige Wille der Städter selbst dazu beigetragen. - Inzwischen hat sich aus einer Stadt im grassierenden Ausverkauf wieder ein launiges Städtchen berappelt und seit dem der Vulkan und seine Wirrungen auch noch aschemüde Westler der Insel zum kurzzeitigen Charmeschnappen nach Santa Cruz lockt, lässt es sich nicht mehr verheimlichen: Santa Cruz hat sich gewandelt und versprüht wieder ein bisschen Glanz und sowieso geläuterte Patina über deren Besucher wie Einwohner. - Noch mehr spürt man das natürlich, ohne Bürobetrieb und auch ohne Kreuzfahrer, also in den Abendstunden oder im Sommer, wenn die dicken Pötte eh in der Arktis und in den Fjorden rumlungern. - Charme, ganz viel von dem sogar, südliche Gerüche und Geräusche, welche von bewegtem Treiben und sinnlichen Streben zeugen. - Der Strand wird längst angenommen, auch wenn weiterhin eine sinnlose Straße Stadt und Strand voneinander trennt, aber in dem angenehmen, wie auch leicht anarchischem Schlendrian der neuen Stadt, steckt eben genau dieser gewachsene Ausdruck von Leben. - Nicht planen, sondern einfach wachsen, so wie der Wunsch der Menschen nach Muße und Zufriedenheit auch keine gerade Linie ist. - Also auch hier wieder: ECHT.

Ein bisschen trägt man die Nase zwar schon wieder nach oben, aber das muss man einer Hauptstadt schon gönnen, besonders wenn man eben gerade mal wieder einer Demütigung durch die Boomtown Los Llanos entgangen ist. - Hier kommt natürlich auch der kurzfristige Doppelwumms des Vulkans dazu: Die Schockstarre Teile des Aridanetals und das jetzt hektische Treiben um die Folgen des Vulkans zu besiegen, machen es der Hauptstadt leicht, eine Verlockung darzustellen. - Kleine, durchaus schicke wie adrette Läden haben sich etabliert, die eben keinen Alltag mehr anbieten und auch die Gastronomie ist durchaus wieder konkurrenzfähig geworden. - Manch ein Händler hat auch den Spagat zwischen, Ramsch für die Kreuzfahrer und nützliche Dinge für die Hauptstädter, sein gelassen und bietet nun allen schicke Waren an und nicht mehr Tand und Schand aus Plaste und Elaste. - Natürlich gibt es weiterhin auch solche Läden, aber als geübter, millenniumtauglicher Schlendergeselle hat man doch längst ein selektives Wahrnehmungsorgan entwickelt: Die Trashabwehrdrüse. - Diese kann wunderbar zwischen aufgesetzt oder ehrlich gewachsen unterscheiden und führt einen fast unbemerkt an globalem Tand und geistloser Weltküche vorbei, hin zu den kleinen Edelsteinen diverser Branchen in Sachen Leistung im Dienst. - Immer die Nischen suchen, lieber noch mal um die Ecke biegen, anstatt der ersten Verführung zu erlegen und schon gelangt man zum Beispiel auch in den "Banana-Garden". - Nie im Leben hätte ich ein Hotel gebucht, welches einen solchen, fast blasphemischen Namen trägt. (Denn Plátanos sagt man hier zu unserer kleinen, gelben Wappenfrucht) - Bis ich es gesehen habe und alle Vorurteile nachverhandeln konnte. - Eben nicht aus dem Boden gestampft, sondern eingefasst in die Altstadt, so krumm und schief diese eben auch gewachsen sein mag. - Dennoch hell, freundlich und sogar in diesem Jahrtausend angekommen, auch weil der junge Chef eben schon ein bisschen in der Welt unterwegs war und den Schritt zurück nach La Palma nicht, oder noch nicht bereut hat. - Selbst das kleine Café in dem kleinen Hotel läuft prächtig, da es ab dem späten Vormittag für jeden zugänglich ist. - Abends gibt es sogar Biere aus La Palma und Cocktails, deren Namen wir noch nie zuvor gehört haben. - Das alles mit einer Nonchalance, als wäre es schon da gewesen, als sich noch die Piraten um Santa Cruz balgten und nicht die Kreuzfahrtschiffe um einen Liegeplatz. - Ein kleines Stadthotel dort, wo es hingehört, mitten in die Stadt. - Auch als Kombination mit einem Wanderurlaub, der natürlich bei uns im Tal anfängt. - Wenn der Flugtag sich mit der Verfügbarkeit der Unterkunft brennend überschneidet, dann kann man wunderbar ein paar Tage am Anfang oder am Ende des Urlaubs dort in Santa Cruz verbringen und mal nachgucken und spüren, ob denn der Siebold noch alle Sinne am richtigen Platz hat. - Warum das "Banana-Garden" heißt und nicht "Jardín de Plátano" erklärt sich übrigens so: Erfunden auf La Palma, bei gutem Wind auch irgendwann den Rest der Welt zu beglücken. - Meinen Segen haben die und allzeit eine gute Belegung unter allen Kielenů




Der Krater vom Aussichtspunkt in Tacande aus betrachtet




Immerhin hatte die Lava Respekt vor unserer Stromversorgung




Wenn man möchte, könnte man ab Mitte Oktober einen Anstieg des Bodens rund um die Messstation LP3 (Jedey) erkennen. - Allerdings im Millimeterbereich.
Quelle: IGN




Aber wir finden keine Entsprechung bei Anzahl oder Stärke der Beben, warum an der Station LP3 ein leichter Anstieg gemessen wird
Quelle: IGN




Die staatliche Wetteragentur AEMET sieht das an Niederschlägen für uns Anfang Dezember voraus. Gut erkennbar, die beiden Tiefdruckgebiete, eines geht, eines kommt.
Quelle: AEMET




So sieht das in der Druckverteilung aus, könnte nach dem Motto: Freuen wir uns mit dem Landwirt ablaufen...
Quelle: AEMET



Das Global Forecast System sieht das ähnlich und meldet diese Niederschlagsmengen für El Paso Anfang Dezember
Quelle: Wetterzentrale (beste Übersicht auf Deutsch über alles, was mit Wetter zu tun hat)




Santa Cruz de La Palma




Santa Cruz für Anfänger...




Santa Cruz für Fortgeschrittene...




Santa Cruz für Könner...




Künstlich aufgeschütteter Strand vor der Hauptstadt. - Viel diskutiert, auch kritisiert, aber wie man sieht, selbst Ende November, wenn eigentlich niemand mehr Baden geht, gerne genutzt.




Banana Garden, wenn es mal nicht das Aridanetal sein kann




Belohnung für Stadtbummel im Banana Garden





Freitag 28.10.2022 El Paso 18:00 Uhr


Direkte Demokratie oder fehlende Kahn-Partikel?
Antiautoritärer Autoritätsverlust



"Hay que tener cojones" wäre die glaubhafte Übersetzung für das berühmte Kahn-Zitat aus der Pre-MeToo-Epoche. Heute würde man den blond gebliebenen Hünen dafür steinigen, wobei man natürlich darauf pochen könnte, dass eigentlich Frauen die Eier haben. - Aber das geht genau so schief, wie der Spruch "All lives matter" und wir landen wieder einmal in der Einbahnstraße der schnell gestrickten Geschichte: Um Recht zu haben muss man nicht nur im richtigen Umfeld seine Äußerung kund tun, sondern auch die Regeln der momentan angesagten Semantik verstehen und bedienen. - Sollte also, und nun werde ich selbstkritisch, mal ein FDPler was richtiges sagen, was eigentlich kaum möglich ist, dann wird das automatisch falsch, weil es der Falsche gesagt hat. - Ein Dilemma, eine Mühle mit zwickendem Charakter und wie oft in meinem Leben habe ich mir gewünscht: Komm du von der AFD, der Coalición Canaria oder schlimmeren Vereinen der kollektiven Verarschung bitte nicht auf die Idee, irgend etwas vernünftiges zu fordern, denn dann müssten wir das ja als verklärte Bürger der wohltemperierten Mitte doch als falsch abtun. - Bei der FDP brauchen wir da nicht so viel Angst zu haben, die glauben immer noch Atomkraft sei billig und sicher, nur weil es heute weniger Schadstoffe ausstößt, als ein Kohlekraftwerk. - Und kommen Sie mir jetzt nicht damit, Greta hätte das auch gesagt, denn das stimmt so nicht. - Natürlich lässt man die laufen, anstatt Kohle zu verstromen, so lange die Brennstäbe tragen, das weiß der flotte Robert auch. Aber Fukushima und Tschernobyl werden dadurch nicht zu tragbaren Kollateralschäden, bloß weil die "Richtigen" in den letzten 17 Jahren zum Teil nicht immer alles richtig gemacht haben. - Wir lassen da viele Möglichkeiten liegen, nur weil immer noch gilt: Wenn der Richtige was sagt, dann ist es auch richtig. - Sagt der Falsche das Gleiche, dann wird richtig zu falsch und schon plätschert wieder eine, vielleicht gute Idee, das Bächlein runter. Aber gehen wir doch zu den wichtigen Dingen über. Diese lausigen Entscheidungen zwischen richtig und falsch oder sein oder nicht sein, das überlassen wir vielleicht besser den Amateurenů

Wichtig ist zum Beispiel, dass wir in unserem Garten inzwischen in Tomaten fast ersticken. - Nachdem die Tomatenminiermotte, oder flotter gesagt, Tuta absoluta, uns letztes Jahr alles versaut hat, was nach Tomate aussieht, konnten wir dieses Jahr immerhin den späten Anbau zum Blühen bringen und damit auch füllige Ernte ermöglichen. - Ab Ende September gelangen uns die ersten Erfolge und ob das nun ein Ergebnis der ständigen Gaben von Bazillus thuringiensis war, oder das Vieh im Spätsommer einfach verschwindet, so ganz genau weiß ich das noch nicht. - Mit den Pheromon-Fallen werden wir auf jeden Fall nicht mehr arbeiten, das war komplett wirkungslos. Im Gegenteil. - Fast hatten wir das Gefühl, die Fallen locken noch mehr Tiere aus der Umgebung an, um dann eben NICHT auf den bereits von Vulkanasche verklebten Gelbtafeln hängen zu bleiben. - Mag sein, dass das anderswo funktioniert, aber unsere Fallen waren spätestens nach zwei Tagen unbrauchbar, da bereits mit toten Kadavern übersät wie auch von Asche belegt. - Noch weniger gießen, kaum noch, wenn es erst zur Blüte kommt und alle 10 Tage eine Behandlung mit der Thüringer Spezialität aus der Bazillenstube. - Allerdings wären die allermeisten Tomaten nicht verkaufsfähig, die schwarzen Flecken zeigen deutlich, welche Kinderstube die Paradeiser hatten, aber uns stört das überhaupt nicht und so werden wir, wohl locker bis Mitte November Tomaten in erfreulichen Mengen haben. - Wenn mir jetzt auch noch irgendwann mal einer der Rhabarbersamen keimen würde, dann blieben mir beim großen Zampano mehr Wünsche übrig für den Weltfrieden und das wäre doch auch nicht so verkehrt.

Ein afrikanisches Tief hat uns Anfang Oktober besucht und eigentlich war dabei auch Regen für die Westseite der Insel vorgesehen. - Selten, aber nicht komplett ungewöhnlich ist eine solche "Senegal Depression" und meist sind das wunderbare Niederschläge in beachtlichen Mengen. - Auch dieses Mal wurden wir generell nicht enttäuscht, aber gerade der Westen La Palmas bekam so gut wie gar nichts ab. - Die Ostseite wohl und Tenerife wie Gran Canaria meldeten zum Teil sogar Hochwasserschäden. - Auch bei Mazo und Puntallana sprach man von Rekordniederschlägen, allerdings erinnere ich mich an viele Situationen, in denen mehr als 150 Millimeter innerhalb von 24 Stunden dort gefallen sind. - Bleibt zu hoffen, dass diese Regenfälle die Reservoirs im Inneren der Insel aufgefüllt haben, so käme der viele Regen nicht nur der Ostseite zugute. - Vielleicht 12 Millimeter fielen bei uns im Westen, gerade so viel, dass Radieschen sich daran erinnern konnten, von wo aus denn unten ist, wenn man darauf blicken muss. - Eine Wüstenheuschrecke immerhin hat uns dieser afrikanische Besuch gebracht, zumindest haben wir nicht mehr als diese eine gesehen. - Die war allerdings nicht von Prachtgröße und bereits ziemlich fertig auf der Beflüglung. - Früher, als alles anders war, und nur manches besser, da haben es noch viele deren Brüder und Schwestern bei afrikanischem Wetter bis auf die Inseln geschafft. Man berichtet sogar auf La Palma von schweren Schäden durch Wüstenheuschrecken. "Cigarrones" oder "langostas" nennt man diese Heuschrecken hier, allerdings stammen die letzten Horrormeldungen bereits aus dem mittleren Neunzehnten Jahrhundert. - 1844 um genauer zu sein, damals, auch im Herbst bereits, fielen Abermillionen der Schistocerca gregaria über die landwirtschaftlichen Kulturen im Aridanetal her. - Danach findet man nur noch auf den anderen Inseln Nachrichten über Ernteverluste durch Wüstenheuschrecken, so wie 1958 auf Tenerife. - In den letzten Jahrzehnten scheinen also die Chemie-Giganten mit ihren Mittelchen die ganz herben Auswirkungen dieser biblischen Plagen etwas im Griff zu haben und wie schwer es einem doch fällt, da irgendwas Gutes daran zu finden. - Allerdings denken die Leute in Westafrika darüber sicherlich weniger zweifelnd als wir.

Wir haben auch sicherlich andere Sorgen und wenn wir schon nachblättern müssen, wann wir das letzte Mal von diesem oder jenem Schädling gehört haben, dann sollten wir uns um rezente Aufreger kümmern. - Hurra, es war wieder einmal Transvulcania, nachdem Covid uns 2020 und 2021 dieses epische Rennen über die Vulkangipfel der Insel versaut hat. - Man muss schon ganz besonders sein, 73 Kilometer über die Vulkane La Palmas zu laufen, aber seit dem man im Jahr 2009 das erste Mal dieses Vorhaben anging, mauserte sich dieses Rennen zu einem internationalen Spitzenereignis des Trail-Runner-Sports. - Sei es Covid, oder auch ein bisschen dem eigenen Schlendrian geschuldet, die ganz große Sause, so wie vielleicht 2014 und 2015, war das aber dieses Jahr schon nicht mehr. - Mag die Teilnehmeranzahl gleich geblieben sein, auf der einen Seite fehlten die ganz großen Namen der Szene, was daran liegen mag, dass inzwischen jede Region mit einem Hügel ein Bergrennen veranstaltet. - Auf der anderen Seite sprang aber auch der berühmte "Transvulcania-Funke" nicht wirklich über und auch hier lässt es sich breit darüber nachdenken, warum wir andere Dinge im Kopf hatten. - Als Beweis für den, nicht gekannten Abstand zwischen La Palma und seinem, bislang einzigem internationalem Großereignis außer Vulkanausbrüchen und Monstersternwarten, mag uns auch dienen, dass die lokalen Zeitungen am Tag nach der Transvulcania dem Rennen und dem Ergebnis nicht einmal mehr die erste Seite gewidmet haben. - Was vor Covid noch eine Sonderausgabe wert war und ein paar Tage lang Schlagzeile, dümpelte jetzt neben Personalknappheit im Altersheim und Viertliga-Fußball daher und man muss sich wirklich deutlich fragen, was ist uns da eigentlich passiert. - Wie konnten wir ein derart großartiges Sportereignis mit ausbaufähiger internationaler Reichweite zum unterklassigen Regional-Event verkommen lassen, der irgendwie zwischen Fahnenweihe und Kunsthandwerksausstellung eingeklemmt wird. - Meine persönlich Vermutung, man hat nicht mehr die richtigen "Inneren Kreise" mit einbezogen, oder genauer, mitverdienen lassen. - Vielleicht war es ein Fehler, die Organisation der UTMB-Group zu überlassen, also dem Global-Player, der noch viele andere heiße Renneisen im Feuer hat und für den die Transvulcania nur ein Zwischenstopp in Sachen Eigeninteresse ist. - So fehlte komplett die politische Riege in Sachen Werbung für das Großereignis und auch in der Nacharbeit machte sich keiner aus dem Cabildo Insular die Mühe, uns erneut gestelzt vorzurechnen, wie viele virtuelle Millionen denn wir mit diesem Wunderwerk der internationalen Eventologie verdient habe. - Da war das, eigentlich mal regionale Rennen in El Paso, der "Reventón", fast bereits das größere Ereignis und wir werden ganz genau aufpassen, wie denn im kommenden Jahr die Transvulcania 2023 hier auf der Insel ankommt. Es ist halt alles nur ein Geschäft und bislang waren wir doch immer ganz gut, wenn es darum ging, fremdes Geld in hauseigenen Kanälen mäandern zu lassen. - Jetzt haben wir halt mal einen gefunden, der das noch besser kann. - Vielleicht lernen wir ja daraus.

Vielleicht ist es auch einfach ein Fehler, nur noch auf den Vulkan zu blicken und aus dem gruseligen Loch den Bauchnabel der Insel zu machen. - Fast in Vergessenheit dabei ist ja auch ein anderes Projekt geraten, welches uns eigentlich die vulkanlose Zeit überbrücken sollte. - Die Heilige Quelle ist damit gemeint, welche man nun seit über 20 Jahren bereits wieder aktivieren will, nachdem diese warme Mineralquelle ein paar Hundert Jahre achtlos im Berg vor sich hingeplätschert ist. Man hat es ja bereits zum Projekt gebracht, auch ganz in magmatischem Kleid und in der Tat, solch ein Heilbad mit Spaßfaktor und ein bisschen Glämmer könnte der Insel sicherlich gut tun als touristische Attraktion. - Das gilt auch immer noch nach dem Vulkan, zumal wir auch jetzt bereits erleben müssen, dass solch ein stinkendes Ding alleine noch keine Attraktionsgarantie ergibt. - Nach vielen Drehungen und Wendungen war man also bereits so weit gekommen, dass man an die Enteignungen der benötigten Gelände ging und danach wollte man bereits anfangen zu bauen. - Dann kam Covid und dann der Vulkan und jetzt kommt auch noch ein doofer oder aufmerksamer Richter aus dem höchsten Kanarischen Gerichtshof der sagt: Das ist nicht korrekt abgelaufen, die beschriebenen Bedingungen für Enteignungen gelten nicht in der Schutzzone Naturmonumente rund um den Teneguía. - Daher zurück der ganze Kram, neu bearbeiten oder gleich eine Instanz höher, da man sich seitens des Cabildo Insular eigentlich sicher war, die richtigen Entscheidungen getroffen zu haben. - Jetzt geht die Sache also nach Madrid, mit Baubeginn für das "Balneario de la Fuente Santa" wird es also auch im kommenden Jahr nichts werden und so bleibt wieder kein Ablenkung in touristischer Sicht vom Vulkanausbruch. - Jetzt werden also Wetten angenommen, was kommt früher: Das Kneipp-Bad an der Heiligen Quelle oder der nächste Vulkanausbruch?

Führt uns auch gleich zum nächsten Thema und ebenso juckenden Stelle auf unserer Achtsamkeitstabelle. - Vom "Overtourism to Forgotten Island" in nur ein paar Monaten und wie ein garstiger kleiner Wichtigtuer aus Sankt Petersburg mehr Einfluss auf unseren Tourismus hat, als die inseleigenen Naturgewalten. - Es stockt wieder mal im internationalen Flugverkehr auf die Insel. - Nachdem wir einen ziemlich gefüllten Sommer der regionalen und nationalen Besucher genießen durften, die oft aus Gründen der vulkanischen Neugier, aber auch gerne subventioniert über den "Bono La Palma" zu uns fanden, sind wir jetzt wieder auf unser eigentliches Publikum angewiesen. - Sie wissen schon: Sie halt! - Allerdings hat der lieben Gott, oder die Weltgewalten zwischen Mitteleuropa und den Kanaren ein perfektes Meer gesetzt. Über welches man sich schon hinwegsetzen kann, in einem Flugzeug, aber da wir allesamt nicht der Merz´schen Mittelklasse angehören, sondern "Fliegen lassen", brauchen wir dazu Fluggesellschaften. - Die fliegen allerdings nur dann gerne und besonders zuverlässig Urlaubsziele an, wenn diese sich auch für den Betrieb sicher rechnen lassen und im besten Fall sogar mit Rendite winken. - Hier hat sich ja über die Jahrzehnte unser kleines Inselchen als dauerhaft garstig und wechselhaft gestaltet, aus welchen Gründen auch immer. - Das Wetter macht oft Scherereien und La Palma ist nicht anzufliegen, die Gästebetten reichen nicht aus, um eine kritische Masse zu generieren und dann haben eben andere Regionen auch noch schöne Inseln oder Destinationen anzubieten. - Darüber hinaus gibt es auch so was wie Angebot und Nachfrage und wenn der europäische Zentralbürger, von mir aus hier der Michel, einfach nicht weit fliegen will und schon gar nicht zu den Preisen, dann passiert eben, was jetzt gerade mit den Flugverbindungen nach La Palma geschieht. - Ich will mich auf keiner Weise auf Seiten der Eurowings oder EasyJet begeben, aber beim Wagnis La Palma anzufliegen, geht es oft nicht darum, ob man mehr oder weniger verdient, sondern meist darum, ob die Fluggesellschaften draufbezahlen. - So wird auf geringere Nachfrage äußerst nervös und schnell reagiert und was früher, also in Zeiten der LTU noch biblischen Charakter hatte, also ein Flugplan, das ist heute ein schnell kopierter Datensatz mit robust volatiler Gültigkeit.

Natürlich liegt es ein bisschen auch wieder am Vulkan. - Das Interesse an dem Widerling ist schneller erloschen, als das Teil selbst, aber die Folgen blockieren eben immer noch an die 5.000 Gästebetten auf der Insel. - Im Aridanetal genauer gesagt und das bei etwa 16.000 Betten generell auf La Palma und so rechnet man gerne und schnell vor: Wer auf ein Drittel seines Angebotes verzichten muss, der bringt eben nicht die notwendige "Kritische Masse" auf, damit sich Reiseveranstalter und in der Folge Fluggesellschaften zu Dienstbarkeit animiert fühlen. - Ok, da mag ein bisschen was dran sein, aber ich darf erinnern, dass wir, als wir sogar weniger als diese 11.000 Betten im Portfolio hatten, mehr internationale Anbindungen vorweisen konnten als heute. - Darüber kann man weiter prächtig diskutieren, ob nun der Vulkan oder Putin mehr Schuld daran haben könnten, warum immer mehr Flugverbindungen in diesem Jahr gecancelt werden oder mit anderen Strecken zusammengelegt werden. - Früher, da zückte man dann das Scheckheft und machte lustige Werbeverträge mit LTU oder der Germania oder der Air Berlin (ist Ihnen bei der Aufzählung eigentlich was aufgefallen?, heute reicht so ein Hunderttausend-Euro-Scheck gerade mal für vier halbleere Flüge. - Hilflos schickt nun unser Mann für Tourismus Stoßgebete der Forderungsklasse weiter bis ins Gobierno de Canarias und dort wendet man sich gleich weiter nach Madrid. - Alles ausgegeben für Vulkan und Preisdeckel in Sachen Sprit und Gas heißt es dann, wir sollten doch lieber unsere eigenen Hausaufgaben machen, damit uns die Fluggesellschaften auch ohne Leckerli der pekuniären Art wieder anfliegen würden. - Leute, das machen wir doch die ganze Zeit bereits. - Aus formlosem Gewaltverzicht ist in manchen Restaurants sogar inzwischen wieder beginnende Freundlichkeit geworden, nachdem das in den Zeiten des Katastrophentourismus rund um und während der Eruption wirklich schwer zu ertragen war. - Aber wir bekommen auch Vieles zurück und dann wird jeder Tag im Tourismus auf La Palma immer wieder zum ganz besonderen Erlebnis. - Inzwischen haben wir sogar die ersten Stornierungen, weil es zu laut geworden ist auf der Insel. - In La Laguna wird eine Straße gebaut, damit der Nordteil wieder mit dem Süden kommunizieren kann. - Dazu fährt seit Monaten schweres Gerät durch die Lava und schiebt den Mist beiseite und in der Tat, was für die Einen das Geräusch des Wiederaufbaus ist, das finden andere nicht so prickelnd. So ganz unter uns, also bitte nicht weitersagen: Meist ist das nächtliche Hundegebell eh viel schlimmer und dann der Wind, der schwarze Sand, die Mietwagen und dann noch die vielen Ausländer...

Es liegt nicht dauerhaft in meinem Interesse, immer die feine Linie zwischen Sarkasmus und Zynismus genau treffen zu wollen. - Aber wir müssen uns wohl Gedanken machen, ob und wie denn Tourismus auf La Palma in Zukunft überhaupt zum sprübaren Teil des Inselbruttoproduktes beitragen kann. - Wenn wir jetzt noch jemanden hätten, der das so genau wissen würde wie das denn weitergeht, mit den Ölpreisen, Steuervergünstigungen und überhaupt, ob die Leute aus Quatrozonesien (googeln bringt hier nichts, dazu muss man ein bisschen die Gnade der frühen Geburt haben, um das zu verstehen) uns zukünftig überhaupt noch interessant finden. - Wir dürfen dabei nicht vergessen, was bislang auf La Palma, als Tourismus bezeichnet, so funktioniert hat, das war alles und komplett reiner Zufall. - Seit die erste LTU 100 von Düsseldorf nach La Palma, November 1987 mit einer Boeing 757 die ersten Konfektionsgäste brachte, haben wir noch nie einen echten strategischen Plan hinbekommen, wie sich denn unser Inselchen überhaupt im internationalen touristischen Wettbewerb aufstellen könnte. - Wo liegen die Gefahren und Konkurrenten, wo lauert die Falle, wo steckt die nachhaltige Nische und wie erziele ich den größten Effekt und muss die wenigsten Ressourcen draufgeben, um den Tourismus zum Brotsektor zu machen. - Es gab Studien, Diplomarbeiten, politische Manifeste pro wie contra, aber nichts war jemals penibel geplant, gefeilt oder gar an unseren Möglichkeiten gemessen. - Und trotzdem hat es funktioniert, mal gut, mal leidlich und irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, dass uns auch die kommenden Jahre der Zufall und Reaktionen auf Weltgeschehen wie German Angst und Russian Roulette eher leiten werden, als kluge Kopfeskost meist selbst berufener Propheten. - Es ist für eine Insel zwar tägliches Brot, die Erkenntnis, dass man von außen abhängig ist, aber gleichzeitig auch eine letale Bedrohung. - Alles was bleibt ist also: Nicht planen, einfach tun. - Was anderes fällt mir nach diesen vielen Jahren im Tourismus auf La Palma wirklich nicht mehr ein.

Planungssicherheit in Sachen Vulkan gibt es natürlich auch nicht. - Allerdings bleibt der Spruch, nach dem Vulkanausbruch ist vor dem Vulkanausbruch, bei uns weiterhin inbrünstig gültig. - Im Moment sind wir aber noch komplett in Sachen "postvulkan" unterwegs, von Aufarbeitung sollten wir überhaupt noch nicht sprechen, irgendwie ist immer noch Besinnungssuche angesagt. - Der Krater selbst dampft bunt und schon ein bisschen selbstverliebt vor sich hin. - Eigentlich meint man ja, das würde mit den schwefeligen Fahnen, die da aus dem Berg steigen weniger, aber erst vor ein paar Tagen tat sich plötzlich an der Westflanke im unteren Teil ein neuer Spalt auf und entließ auch von dort den weißen Schleier. - Bei Windstille und besonders der südlichen Strömung der vergangenen Tage konnte man sogar wieder den "Twomey-Effekt" über der Lavazunge beobachten, allerdings lässt das schon deutlich nach, gegenüber den kontrastreich definierten Wolken der ersten Monate nach Ende der Eruption. - Muss ja irgendwann auch mal, auch wenn im Kraterbereich noch knapp unter der Oberfläche weiter hohe dreistellige Temperaturen zu messen sind. - Unten an der Straße zwischen La Laguna und Las Norias spürt man auch immer noch die "Zonas calientes", also die heißen Zonen, wo flach unter dem Verkehr, in nur ein paar Meter, noch heiße Lava auf Kühlung pocht. - So wagt man sich im oberen Teil der Lavazunge, also der Region Tacande/Paraiso noch gar nicht so recht an Straßenbau, auch wenn man von der LP2 aus Tajuya kommend bereits gewirkt hat. - Wann man denn dieses Stück allerdings dauerhaft angehen will, um eben den Inselring wieder zu schließen, darüber gibt es noch keine verwertbaren Angaben. - Hauptaugenmerk bleibt also im Moment auf der einzig nutzbaren Trasse zwischen La Laguna und Las Norias, welche allerdings immer noch als provisorisch gilt. - In den kommenden Tagen/Wochen sollen allerdings dann auch nächtliche Ausflüge durch die Lava möglich sein, inzwischen arbeitet man an der Straßenbeleuchtung. - Zum Unterbau nimmt man weiterhin die mit Kalk angerührte feine Lavaasche. Das mit Salzwasser vermengt soll ja besten Beton ergeben, wobei das bisherige Ergebnis die Steigerung des Adjektivs gut nicht wirklich erhärtet. - Eben nur so gut, wie das Zeug selbst abbindetů

Aus wissenschaftlicher Hand kommen so nach und nach die ersten Ergebnisse der Forschung, welche in Sachen Vulkan so reichlich aufgenommen wurden.- Das überraschende dabei ist, dass uns Laien es überrascht, wie lange die Wissenschaft braucht, um offensichtliche Dinge wenigsten halb abschließend zu formulieren. - Allerdings steckt ja hier auch genau der feine, aber ungemein wichtige Unterschied: Während der Laie ohne Widerworte, Kritik oder Beweise fröhlich fabulieren darf, muss der seriös Wissen schaffende selbst die einfachsten Dinge beweisen, Gegenthesen führen, diskutieren und widerlegen lassen und dann erst veröffentlichen. - So nennt man jetzt erst wissenschaftlich unterstützt das Vorhandensein des zweiten Magmareservoirs unter La Palma. - Tiefer und ein bisschen weiter südlich des bekannten in rund 10 Kilometer Tiefe und was wir Beobachter und Laien uns eben aus dem Bebenverlauf und anderen Beobachtungen als logisch herausgezupft haben, muss von seriösen Leuten natürlich anders aufgearbeitet werden. - Also, der Barthel hat nicht nur seinen Most aus trüben Tiefen geholt, sondern da ist in der Tat ein zweites und deutlich größeres Magmareservoir im Süden unter der Insel und zwar in rund 30 Kilometer und noch deutlich tiefer. - Im äußeren Erdmantel bereits, in der "Mohorovicic-Diskontinuität" (aus verständlichen Gründen meist Moho abgekürzt) und das ist ja die Geschichte, die man nicht so gerne haben will, während einer Eruption. Nun vermuten wir nicht nur, sondern sind uns sicher, dass tatsächlich Magma aus diesen enormen Tiefen unsere Eruption ab einem bestimmten Zeitpunkt (Anfang Oktober 2021)genährt hat. Daher wohl auch die große Menge an Magma und so ist auch der lange Zeitraum der Eruption deutlich verständlicher. Veröffentlicht wurde der Artikel in "Nature.com" und dabei werden nun auch noch ein paar weitere Fragen gut erklärt. - Wie zum Beispiel es sein konnte, dass wir viele Beben zwischen 8 und 15 Kilometer Tiefe hatten und dann erst wieder zwischen 25 und 35 Kilometer. - Allerdings braucht man zum Studium dieses Artikels länger, als zum Lesen meiner Ausflüchte. Die andere wissenschaftliche "Sensation" klingt noch verwegener. - Das Instituto Vulcanológico de Canarias, die INVOLCAN hat herausgefunden, dass Lüften gegen schlechte Gase in Innenräumen nützlich ist. - Ich weiß, was Sie jetzt meinen, nämlich das Gleich wie ich. - In aufopferungsvollen Selbstversuchen habe ich über Jahrzehnte festgestellt, dass Lüften hilft. - Also nach der peristaltischen Opfergabe, in den dafür von der Evolution beschlossenen Räumen, das Fenster zu öffnen kann durchaus hilfreich bis rettend im Zusammenleben mit anderen Personen sein. - Allerdings müssen das Wissenschaftler anders ausdrücken als wir Laien nach dem Drücken, und damit dauert die Feststellung, dass Lüften hilft, natürlich etwas länger.

Allerdings birgt die wissenschaftliche Erfahrung in Sachen Lüften hier im Alltag für einigen Zündstoff. - Wie Sie sicherlich wissen, unterliegen Puerto Naos und La Bombilla immer noch einer Sperrung wegen Gefahren durch Gase. - In manchen Bereichen dort werden extrem hohe Kohlenstoffdioxid-Werte gemessen und die stammen nicht aus brütenden Wissenschaftlerhirnen, sondern kommen aus den Tiefen des Raums und sind Folgen der Nähe zum Magma unter der Insel. - Allerdings hat sich in den letzten Monaten ein nicht gut verdaulicher Disput unter, meist Troll geführten CO2-Leugnern, ungeduldigen Puerto Naos Bewohnern und durchschnittlichen Bildungsbürgern entwickelt, welche das Vorhandensein von schädlichen Gasen nicht generell ausschließt. - In der Tat ist das plakative Zugangsverbot nach Puerto Naos und La Bombilla nicht nur klobig und ungenau, sondern wahrscheinlich auch nicht mit dem Gesetz vereinbar. - Zu wenig konkret werden da Gefahren benannt und in der Betrachtung der zahlreich aufgestellten Messinstrumente fällt schon klar auf: Der tatsächliche Bereich mit Gasen in gefährlichen Dosen ist deutlich kleiner, als das abgesperrte Gebiet. - Allerdings stellt man im Gegensatz sofort die Frage: Was, wenn jemand zu Schaden kommt? - Die Abwägung zwischen Schutz und Freiheit erinnert mich hier schon ein bisschen an Covid oder den Weißen Hai und wieder stellt sich die Frage, Brody oder Vaughn? - OK, meine Sprünge sind schon gummihaft, aber wer mir bislang gefolgt ist, der schafft das doch auch noch locker. - Hier nun treffen wir dann auch auf die Nutzung der Aussage: Lüften hilft, das sagen sogar die Wissenschaftler, also gehen wir da einfach runter, machen das Fenster auf und schon scheint die Sonne rein und das Gas geht raus. - Erneut erbebe ich dabei ein bisschen, da wieder mal die Frage falsch gestellt wurde. - Es geht doch nicht darum, das Lüften hilft, das wissen wir alle, viel interessanter wäre doch, ob nach dem Lüften die CO2-Konzentration erneut ansteigt, oder ob sich das Zeug dort nur gesammelt hat, weil niemand gelüftet hat. - Fast geht das schon in Richtung Glaubensfragen und dann stößt da auch wieder die Gegenseite ins Horn der schwabbeligen Information und berichtet davon, dass die Gase in Puerto Naos den Motor einer Entsalzungsanlage zum Bersten gebracht hätten.

Mitten im Abnutzungskampf zwischen gaslosen Freigeistern und Anhängern des kategorischen Verbots, mehren sich jetzt die Nachrichten, dass immer wieder Bewohner des Ortes die Sperrung ignorieren und längst dort unten wieder Bett und Küche nutzen. - Was auf der einen Seite exemplarisch mutig bis rebellisch wirkt, stößt natürlich den besorgten Überwachungsapparat völlig vor den Kopf und blamiert Regierung wie Exekutive vor den wissbegierigen Beobachtern. - Kollektiver Ungehorsam ist nicht generell ein Zeichen für funktionierende Sozialstruktur, macht aber für jeden eines deutlich sichtbar: Die zuständige Inselregierung, welche sich gerne hinter der "Peinpal" (Plan Insular de Emergencias de La Palma) versteckt, ist komplett unfähig solche Konflikte auch nur im Ansatz zu führen. - Geschickte mediale Äußerungen in den bekannten Zündelmedien erreichen volle Wirkung bei der Inselleitung und lassen deren Weisungen wie kindliche Trotzreaktion klingen. - Da wird ein bisschen demonstriert und gedroht, schon gibt es neue Besuchszeiten und Gefälligkeitsgutachten und bislang hat keine Exekutive es gewagt, einen der "Sperrbrecher" in Sachen Puerto Naos auch nur annähernd körperlich zu bedrängen. - Im Versuch das objektiv zu betrachten fällt einem schon auf, dass hier die Peinpal, und mit ihr die Inselregierung wie Liberalwähler an Ideologiepiercings durch die peinliche Presselandschaft gezogen werden. - Bei aller Freude über Stinkefinger an unfähige Volksvertreter überkommt mich dabei schon immer auch die erschreckende Einsicht: Im Zweifelsfall vertreten, begleiten, beschützen und verwalten die ja auch uns! - Sollen wir jetzt stolz sein weil, anders als in China oder dem Iran, keine Knüppel aus dem Sack gezogen werden und jeglicher Ungehorsam weggeprügelt wird? Oder sollen wir uns still und heimlich dafür schämen, dass die von uns gewählte Elite keine Eier, sondern nur Autoschlüssel in der Hose hat? - Unser Leben hier war und ist ja bekanntermaßen etwas sanfter und menschlicher als anderswo, da man sich nicht bis auf die doppelten Ü-Tüpfelchen immer an Ordnung und Disziplin hält. Auf der anderen Seite scheint das aber ein bisschen entglitten zu sein, so auffällig und plump wird hier auf mediale Provokation mit anbiedernder Nachsicht reagiert. - Wer geschickt agiert und im richtigen Moment selbst hohle Drohungen verbreitet, der kann in unserer Inselregierung mehr erreichen, als mit Arbeit, Wissen und Fleiß. - Und die Moral von der Geschicht´, mach´ Angst, denn Arbeit lohnt sich nichtů Also doch eher fehlende Kahn-Partikel als direkte Demokratie.





Nach langer Zeit mal wieder betrachtet: Die gemittelte Tremor Amplitude in der Gesamtschau kurz vor der Eruption, bis jetzt
Quelle: IGN




Immer seltener auf den Inseln, Wüstenheuschrecken. - Es war auch die einzige die ich gefunden habe, eine ermattete und erschreckte Schrecke




Für die kommenden Wochen: Die Tofiño vor der Westküste La Palma. - Die spanische Kriegsmarine hat dieses Schiff entsandt, die neue Küstenlinie komplett neu zu vermessen und auf Karte zu bringen




Neulich beim Wandern, ein so genannter Bejenadstone... Mit Bibelversen auf der Rückseite




Die Transvulcania schickt ihre Farben voraus. - Alles in blau/gelb. - Edeka, Ikea oder doch Ukraine? - Auf jeden Fall die Farben des Jahres





Von Puerto de Tazacorte aus. - Einmal nur wollte auch der Bejenado noch ernst genommen werden und machte voll auf Vulkan...



Kopf nach Süden gewandt, schon taucht der echte neue Krater auf




Kalkansammlungen für den Straßenbau in La Laguna




Endlich sind wir in die Produktion von Bio-Präservativen eingestiegen. - Im Ernst, unsere ersten Luffa-Gurken trocknen erfolgreich im lauen Südwind. - Die Ernte ist gut ausgefallen, da warten noch viele Schwämme. - Eine Schwamm-Schwemme sozusagen...





Weiter im Vulkantagebuch, von Anfang an




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Casa Martin Ferienhaus auf La Palma